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Marion Ehrlich

Marion Ehrlich (links) und Ruth Preuss als Schülerinnen mit Judenstern auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, Berlin im Juli 1942, © Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Harry Kindermann
Stolperstein für Marion Ehrlich. Foto:B.Plewa
LOCATION
Giesebrechtstr. 15

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
05/08/2011

BORN
01/27/1928 in Berlin
DEPORTATION
on the 29th of November 1942 to Auschwitz
MURDERED
in Auschwitz

Marion Ehrlich kam am 27. Januar 1928 in Berlin als Tochter des Rechtsanwalts Dr. Hugo Ehrlich und seiner Frau Gertrud, geb. Stern, zur Welt. Ihr Bruder Gerd war 1922 geboren worden. Seit 1937 wohnte die Familie in der Charlottenburger Giesebrechtstr. 15.

Als Marion Ehrlich eingeschult wurde, waren die Nationalsozialisten schon an der Macht. In ihren ersten Schuljahren wird sie vermutlich mehr als einmal die Schule gewechselt haben; zuletzt besuchte sie die Schule der Jüdischen Gemeinde in der Wilsnacker Straße.

Während des Pogroms im November 1938 wurde Marions Vater verhaftet und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert; erst 1940 wurde er wieder entlassen und starb Ende desselben Jahr an den Folgen der Haft. In diesem Jahr 1940 musste die Familie in ihrer 7-Zimmer-Wohnung in der Giesenbrechtstraße immer enger zusammenrücken: nach und nach füllte sich die Wohnung mit jüdischen Untermietern, die ihre Wohnungen hatten verlassen müssen. Als die Ehrlichs dort auszogen, hatten zuletzt 14 Menschen in der Wohnung gelebt.

Im Oktober 1941 drohte der Familie Ehrlich – nach Aussagen von Gerd Ehrlich – zum ersten Mal die Deportation, weil Gerd Ehrlich als „politisch verdächtig“ galt. Mit Hilfe von Dr. Benno Walter, einem Freund der Familie und Kollegen von Hugo Ehrlich, gelang es, dies zu verhindern. (Aimée und Jaguar, S. 105) Bis 1938 war Dr. Benno Walter als Rechtsanwalt tätig gewesen und war dann in den Dienst der Jüdischen Gemeinde getreten, wo er als Vorstandsmitglied in der Abteilung Fürsorge tätig war. Vermutlich aufgrund der akuten Bedrohung der Familie Ehrlich gingen Gertrud Ehrlich und Dr. Benno Walter, wahrscheinlich Ende 1941 oder 1942, eine Ehe ein, denn Angestellte der Jüdischen Gemeinde und ihre Familien waren vorerst von der Deportation ausgenommen. Zuletzt lebte die Familie in der Levetzowstr. 11a.

Als im Juni 1942 die letzten noch verbliebenen jüdischen Schulen aufgelöst wurden, musste die 14-jährige Marion Ehrlich Zwangsarbeit leisten – auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee. Dort waren noch viele andere Gleichaltrige als Helfer eingesetzt, auf dem riesigen Friedhofsgelände waren die Jugendlichen meist unter sich und konnten wohl auch einige unbeschwerte Stunden erleben; sogar Sportgeräte standen zur Verfügung, die der Rabbiner Heinz Meyer aus den Beständen der nun geschlossenen Schulen besorgt hatte. Auf diesem Friedhof erlebte Marion Ehrlich ihre erste Liebe, mit dem ein Jahr älteren Harry Kindermann.

Im November 1942 ging dann alles, wie Gerd Ehrlich berichtete, sehr schnell: Auf einer Sitzung der Jüdischen Gemeinde am 19. November weigerte sich Benno Walter, ebenso wie andere Vorstandsmitglieder, an der Organisation der Deportationen mitzuwirken. Noch am selben Tag wurde er verhaftet und für den nächsten Transport nach Osten eingeteilt. Im Sammellager Große Hamburger Straße traf er seine Frau Gertrud und seine Stieftochter Marion, denen man sofort den Deportationsbeschluss zugestellt hatte. Marions Bruder Gerd blieb ein paar Tage in der elterlichen Wohnung, verkaufte die verbliebenen Wertsachen und bereitete so sein Leben als „U-Boot“, wie die untergetauchten Juden sich nannten, vor. (Aimée und Jaguar, S. 27–28)

Nach zehn Tagen im Sammellager wurden die Eheleute Walter zusammen mit der 14-jährigen Marion mit dem „23. Osttransport“ vom 29. November 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Gerd Ehrlich lebte knapp ein Jahr lang als „U-Boot“ in Berlin. Erst als er auf seine ehemalige Mitschülerin Stella stieß, die für die Gestapo als „Greiferin“ arbeitete, und der Verhaftung knapp entging, entschloss er sich zur Flucht ins Ausland. Im Oktober 1943 passierte er in Singen die grüne Grenze zur Schweiz. Er wanderte 1946 in die USA aus, wo er 18 Jahre lang an der Towson State University in Maryland unterrichtete. Er starb 1998.


Biographical Compilation

Helga Gläser