Selma Wohlgemuth née Bernhardt

Location 
Christburger Straße 8
District
Prenzlauer Berg
Stone was laid
2013
Born
1871
Deportation
on 19 January 1942 nach Riga
Murdered
in Riga
  • Selma Wohlgemuth © OTFW
    Selma Wohlgemuth © OTFW

    Selma Wohlgemuth © OTFW

Erinnerung der Enkeltochter:<br />
<i>Als meine Großeltern 1942 nach Riga deportiert wurden, war ich 9 Jahre alt. Ich habe sie sehr vermisst. Besuche bei ihnen waren immer ein Erlebnis. Mein Opa hatte das größte Zimmer im Erdgeschoss in der Christburger Str. 8 in eine Schneiderstube eingerichtet u. übte dort seinen Beruf als Herrenschneider aus. Die Stoffabfälle kamen in eine große Kiste unter dem Zuschneidetisch u. die war für mich u. meine Schwester der Ort, wo wir am liebsten spielten. Meine Oma war eine liebevolle Frau, u. sie hat uns oft verwöhnt. Im Nebenhaus befand sich ein kleiner Schokoladenladen, aber nicht die Schokolade zog mich dorthin, sondern die Lakritzeschnecken. Wir waren gern bei unseren Großeltern.<br />
<br />
Von der Deportation habe ich keine Erinnerung. Ich weiß nur, dass es in Berlin ein Sammellager gab, welches meine Mutter aufsuchte, um ihren Eltern Obst zu bringen, das sie nicht persönlich überreichen durfte, sondern am Tor abgeben musste.<br />
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Ich den folgenden 3 Jahren erfuhren wir am eigenen Leib, dass wir in diesem Staat unerwünscht [waren]. Während andere Kinder „verschickt“ – das heißt in Sicherheit gebracht wurden und regelmäßig Schulunterricht hatten, hatten meine Schwester und ich keinen Unterricht, mussten uns aber einmal die Woche zu einem Appell auf dem Schulhof einfinden.</i>

Erinnerung der Enkeltochter:
Als meine Großeltern 1942 nach Riga deportiert wurden, war ich 9 Jahre alt. Ich habe sie sehr vermisst. Besuche bei ihnen waren immer ein Erlebnis. Mein Opa hatte das größte Zimmer im Erdgeschoss in der Christburger Str. 8 in eine Schneiderstube eingerichtet u. übte dort seinen Beruf als Herrenschneider aus. Die Stoffabfälle kamen in eine große Kiste unter dem Zuschneidetisch u. die war für mich u. meine Schwester der Ort, wo wir am liebsten spielten. Meine Oma war eine liebevolle Frau, u. sie hat uns oft verwöhnt. Im Nebenhaus befand sich ein kleiner Schokoladenladen, aber nicht die Schokolade zog mich dorthin, sondern die Lakritzeschnecken. Wir waren gern bei unseren Großeltern.

Von der Deportation habe ich keine Erinnerung. Ich weiß nur, dass es in Berlin ein Sammellager gab, welches meine Mutter aufsuchte, um ihren Eltern Obst zu bringen, das sie nicht persönlich überreichen durfte, sondern am Tor abgeben musste.

Ich den folgenden 3 Jahren erfuhren wir am eigenen Leib, dass wir in diesem Staat unerwünscht [waren]. Während andere Kinder „verschickt“ – das heißt in Sicherheit gebracht wurden und regelmäßig Schulunterricht hatten, hatten meine Schwester und ich keinen Unterricht, mussten uns aber einmal die Woche zu einem Appell auf dem Schulhof einfinden.