Franziska Hinrichs geborene Reisner verwitwete Hirsch, Rudolstädter Straße 120
Franziska Hinrichs wurde als Franziska Karoline Reisner am 27. September 1876 in Breslau (Wrocław) geboren. Für ihre Eltern, den Fabrikbesitzer Hugo Reisner (*1837-1884) und seine Ehefrau Marie Reisner geborene Bielschowsky (*8. Juni 1848), war Franziska das einzige Kind. Ihre Mutter starb am 24. Juni 1880, als Franziska gut drei Jahre alt war. Vier Jahre später, 1884, starb auch ihr Vater. Franziska wurde mit 8 Jahren Waise.
Sie erhielt eine höhere Schulbildung und wurde in Dresden Lehrerin von Beruf.
Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den aus Nakel (Nakło) in Oberschlesien stammenden Fabrikbesitzer Berthold Hirsch (*Februar 1865), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten und bekamen in Berlin am 29. Mai 1902 ihre erste Tochter Annemarie Julie und zwei Jahre später ihre zweite Tochter Anneliese Hedwig (*19. Juni 1904). Sie wohnten 1914 am Kurfürstendamm 111 in Charlottenburg.
Ihr Ehemann und Vater ihrer Töchter Berthold Hirsch, starb mit 49 Jahren am 14. November 1914 in der Privatheilanstalt Waldhaus in Zehlendorf. Franziska wurde mit 38 Jahren Witwe und musste alleine für die damals 12-jährige Annemarie und die 10-jährige Anneliese sorgen.
Am 6. August 1918 heiratete sie mit 41 Jahren in zweiter Ehe Dr. phil. Willy Hinrichs. Diese Ehe hielt ca. 15 Jahre. Das Berliner Adressbuch führte Franziska Hinrichs 1934 erstmals als alleinstehende Frau am Hohenzollerndamm 34. Auch 1935 wohnte sie dort. In der Rudolstädter Straße 120 führte sie das Berliner Adressbuch seit 1936.
Die Ehe mit Willy Hinrichs wurde am 14. April 1939 geschieden. Es ist anzunehmen, dass der evangelische Dr. Willy Hinrichs dem Druck, mit einer jüdischen Frau verheiratet zu sein, nicht mehr standhalten konnte.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Franziska Hinrichs zusammen mit ihrer 35-jährigen Tochter in der Rudolstädter Straße 120 gemeldet. Wie auch der Familie Cohn im selben Haus wurde ihnen 1940 die Wohnung gekündigt. Daraufhin zogen die beiden Frauen zur Untermiete zwangsweise bei der Familie Waghalter in der Brandenburgischen Straße 43 in Berlin-Wilmersdorf ein.
Hier erschien im November 1941 die Gestapo mit einem Deportationsbefehl für Franziska und ihre jüngste Tochter. Noch am gleichen Tag wurden sie in die als Sammellager umfunktionierte Synagoge in der Levetzowstraße in Berlin-Moabit gebracht. Von hier aus mussten sie am 27. November 1941 zu Fuß zum Bahnhof Grunewald gehen. Der mit über 1.000 Leidensgenossen überfüllte Zug erreichte am 30. November 1941 den Bahnhof Skirotava in Riga, der Hauptstadt Lettlands. Alle Deportierten wurden noch am selben Tag im Wald von Rumbula ermordet. Franziska Hinrichs geborene Reisner verwitwete Hirsch starb mit 65 Jahren, ihre Tochter Anneliese Hirsch starb mit 37 Jahren.
Franziskas älteste Tochter Annemarie, überlebte den Holocaust in verschiedenen Verstecken. Ihr sehr lesenswerter Lebenslauf findet sich auf der Website des Martin-Niemöller-Haus-Berlin-Dahlem. https://www.niemoeller-haus-berlin.de/hirsch/
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