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Dr. Alfred Schwerin

Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
LOCATION
Solinger Straße 10

DISTRICT
Mitte – Moabit
STONE WAS LAID
September 2003

BORN
07/05/1895 in Aachen/Rhein
SURVIVED

Alfred Schwerin wurde am 5. Juli 1895 in Aachen geboren. Er war der Sohn des Urologen und Santitätsrats Dr. Paul Schwerin und dessen Frau Martha, geborene List, die beide ursprünglich aus Posen (dem heutigen Poznań) stammten. Im Jahr nach der Geburt von Alfred zog die Familie nach Berlin. Ab etwa 1913 wohnte die Familie Schwerin rund zwanzig Jahre lang in der Barbarossastraße 44 in Schöneberg. Alfred studierte während dieser Zeit an der Berliner Universität Medizin und wurde wie sein Vater Urologe. Während des Ersten Weltkriegs musste Alfred Schwerin seine Ausbildung unterbrechen. Er wurde als Feldarzt rekrutiert oder meldete sich freiwillig und wurde im letzten Kriegsjahr leicht verwundet. Nach dem Ende des Krieges nahm er in Berlin sein Studium wieder auf, erhielt 1920 die Approbation und praktizierte in einer Gemeinschaftspraxis mit seinem Vater. 1921 promovierte er in Berlin mit einer Arbeit zur Gürtelrose mit dem Titel: „Ueber Herpes zoster nach Nervenverletzungen“. In den 1930er-Jahren verlegte Paul Schwerin seine Praxis von der Prinzenstraße 82 in die Oranienstraße 66 und Alfred eröffnete eine eigene Praxis in der Brunnenstraße 46.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Alfred Schwerin und seine Verwandten. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Abgesehen von Boykottmaßnahmen, behördlichen Schikanen und Verhaftungsaktionen wurde die Schlinge für jüdische Ärzte durch eine Flut von Verordnungen und Gesetze schrittweise enger gezogen: So wurden „nichtarische“ Ärzte mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933“ vom öffentlichen Gesundheitswesen ausgeschlossen, zwischen 1933 und 1937 wurden ihnen sukzessive mit insgesamt sieben Verordnungen die Kassenzulassungen entzogen, mit der Verordnung vom 20. November 1933 durften sie keine ärztlichen Fortbildungskurse mehr besuchen und wurden vom ärztlichen Bereitschaftsdienst ausgeschlossen. Alfred und Paul Schwerin verloren aufgrund der antisemitischen Boykottaufrufe viele ihrer Patienten. Als im Juli 1938 ein generelles Berufsverbot für jüdische Ärzte erlassen wurde, musste der Vater Paul Schwerin seine Praxis schließen. Alfred Schwerin konnte nach 1938 noch im Bereich der wohlfahrtsärztlichen Versorgung jüdischer Hilfsbedürftiger tätig sein und bis 1941 als „Krankenbehandler“ für Harn-, Blasen- und Nierenkrankheiten jüdische Patienten behandeln, zog aber bereits 1938 in die elterliche Wohnung in der Solinger Straße. Im Juni 1941 gelang es ihm, Deutschland zu verlassen und über Spanien in die USA zu emigrieren. Seine Eltern wurden am 2. Oktober 1942 von der Gestapo abgeholt. Sie nahmen sich an diesem Tag auf dem Weg zur Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße gemeinsam das Leben. Alfred Schwerin überlebte im Exil in den USA. Er arbeitete später als Resident am District Tuberculosis Hospital in Lima/Ohio.


Biographical Compilation

Indra Hemmerling

Additional Sources

Kennkarten zu Alfred Schwerin; Martha Schwerin, geb. Licht; Paul Schwerin. Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (RvD) Card File. Im Archiv des ITS Arolsen. Online unter: https://digitalcollections.its-arol... (aufgerufen am 16. Oktober 2019)
Verlustlisten des Ersten Weltkriegs: Seite 26823: Alfred Schwerin (Aachen). Online unter: http://des.genealogy.net/search/sho... (aufgerufen am 22. August 2019)
Alfred Schwerin in der New York Passenger Lists, 1820–1957. S.S. „Villa de Madrid”, New York Passengers sailing from Barcelona, June 1941. List or Manifest of Alien Passengers for the United States. Online unter: https://www.ancestry.com/ (aufgerufen am 22. Oktober 2019)
Alfred Schwerin: U.S., World War II Draft Registration Cards, 1942. Serial Number 719. Online unter: https://www.ancestry.com/ (aufgerufen am 22. Oktober 2019)
Eintrag zu Paul Schwerin. Names from the Opole database: Card Catalog of the Deaths of Jews recorded by the Reich Statistical Office in Berlin held in the State Archives in Opole. Online erfasst unter: https://www.ushmm.org/online/hsv/pe... (aufgerufen am 22. Oktober 2019)
Eintrag zu Alfred Schwerin. Museum und Archiv der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., Kurzbiographien der jüdischen und aus dem Judentum stammenden Urologen, bearbeitet von Julia Bellmann, Stand 20. Mai 20011. Online unter: https://web.archive.org/web/2018011... (aufgerufen am 22. Oktober 2019)
Eintrag zu Alfred Schwerin, in: Schwoch, Rebecca (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Potsdam 2009, S. 800
Eintrag zu Alfred Schwerin, in: Schwoch, Rebecca: Jüdische Ärzte als Krankenbehandler in Berlin zwischen 1938 und 1945, Frankfurt am Main 2018, S. 508–509