Else Eisemann née Katz

Location 
Dortmunder Straße 13
District
Moabit
Stone was laid
2013
Born
1908
Deportation
on 26 October 1942 nach Riga
Murdered
1942 in Riga
  • Stolperstein Else Eisemann
    Stolperstein Else Eisemann ©OTFW

    Stolperstein Else Eisemann ©OTFW

Else Katz wurde am 15. Juni 1908 in der nordhessischen Kreisstadt Eschwege, die etwa 52 Kilometer südöstlich von Kassel liegt, geboren. Sie war die Tochter des ortsansässigen Bäckermeisters Simon Katz (*1880 in Rotenburg an der Fulda) und seiner Frau Nannchen (Nanny), geb. Heß (*1879 in Birstein). Else hatte einen ein Jahr älteren Bruder namens Max. Die Wohnung der Familie lag seit 1906 in der Sedanstraße 21 (heutige Schillerstraße). Im April 1912 zog sie in die unweit davon gelegene Bahnhofstraße 22. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Else und Max Katz in Eschwege haben sich keine weiteren Informationen erhalten. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde des Ortes, zu der zum Zeitpunkt der Geburt von Else etwa 500 der rund 11.800 Einwohner Eschweges zählten.<br />
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Möglicherweise besuchten die Geschwister die jüdische Elementarschule, die sich seit 1827 in der Schulstraße 3 befand und bis 1939 existierte, aber Quellen dazu haben sich nicht erhalten. Es ist auch nicht bekannt, welche berufliche Ausbildung Else Katz nach ihrem Schulabschluss erhielt. Ihr Bruder Max Katz absolvierte eine kaufmännische Lehre und war später als Handelsmann tätig. Am 1. Oktober 1936 heiratete die damals 28-jährige Else im Standesamt Eschwege den aus dem bayerischen Westheim stammenden Lehrer Dr. phil. Karl Eisemann. Der Absolvent der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg unterrichtete seit 1921 an der Volksschule der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel in Berlin. Nach der Hochzeit nahmen sich die Eheleute eine gemeinsame Wohnung in der Dortmunder Straße 13 in Berlin-Moabit. Am 27. Dezember 1937 bekamen sie eine Tochter, der sie den Namen Noemi gaben.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – hatten auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Else Eisemann und ihre Angehörigen begonnen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Erlasse und Sondergesetze drängten die Eheleute Eisemann in den 1930er-Jahren zunehmend in die Position von Rechtlosen. Nach den Pogromen im November 1938 wurden alle Männer der jüdischen Gemeinde Eschweges in „Schutzhaft“ genommen, in der jüdischen Schule des Ortes interniert und von dort aus in das KZ Buchenwald deportiert. Ihre Betriebe wurden „arisiert“. Davon war auch Elses Vater Simon Katz betroffen. Nachdem er aus Buchenwald entlassen wurde, flüchtete er mit seiner Ehefrau aus Eschwege nach Berlin, wo sie in der Wohnung von Karl und Else in der Dortmunder Straße 13 Unterkunft fanden. Elses Bruder Max konnte sich Anfang 1939 zusammen mit seiner Ehefrau Lotte und seiner 1935 in Eschwege geborenen Tochter Inge nach Brasilien retten und von dort 1940 in die USA einwandern. Auch Karl und Else Eisemann versuchten mit ihrer Tochter Ende der 1930er-Jahre, Deutschland zu verlassen.<br />
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In den Dokumenten des späteren Entschädigungsverfahrens befinden sich zwei Briefe von Karl Eisemann an Verwandte, die vermutlich aus der Zeit Ende der 1930er-Jahre oder Anfang der 1940er-Jahre datieren. Sie zeigen, wie fortgeschritten die Pläne des Ehepaares waren. Sie hatten Vereinbarungen mit Spediteuren getroffen, Auswanderungsabgabe und Golddiskont (sogenannte Dego-Abgabe) bezahlt und einen Teil ihrer beweglichen Güter in Liftvans (Transportkisten für den Schiffsverkehr nach Übersee) in Fracht gegeben. Ziel war das britische Mandatsgebiet Palästina, in welchem seit Mitte der 1930er-Jahre die beiden Geschwister von Karl Eisemann mit ihren Ehepartnern und Kindern lebten. Für dieses galt aber ab Oktober 1939 eine Einreisesperre, auf die sich Karl Eisemann vermutlich bezog, als er schrieb: „Die Meldung über die Sperre hat wie ein Donner hier eingeschlagen und grösste Bestürzung hervorgerufen. Unser Glück wäre umso grösser wenn es für uns trotzdem gelingen würde.“ Konkret wurde eine Einreise über Syrien erwogen. Karl Eisemann schrieb weiter: „Könnten wir nicht, sofern erhältlich ist, bei Fahrt nach Sy. trotzdem die Karte gleich nach Haifa nehmen?? […] Ihr wisst garnicht wie sehnsüchtigst wir auf jede Nachricht warten und sitzen wie auf dem Pulverfass.“ Auch auf die Existenzsicherung im Exil bereitete sich das Ehepaar vor. Karl Eisemann bat, ob man mit dem Landschulheim in Pardes Hanna nahe Haifa Kontakt aufnehmen könne: „Vielleicht könnt ihr einmal Fühlung nehmen, eventuell wegen Musikunterricht oder auch allgemeine Fächer, wenn es zunächst auch nur einige Stunden wären. An und für sich glaube ich ja nicht, dass ich in meinem Berufe dorten unter kommen kann, da es zuviele im Lande gibt, die schon auf Anstellung warten. Else lernt jetzt Büstenhalter nähen und will sich entweder mit Nähen Geld verdienen, oder dort sofort im Haushalt Stellung annehmen. Wir wollen niemanden zur Last fallen […].“ Letztendlich zerschlugen sich die Auswanderungspläne der Eisemann spätestens mit dem generellen Ausreiseverbot im Oktober 1941.<br />
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Bis 1937/1938 war Else Ehemann Lehrer an der Volksschule der Synagogengemeinde Adass Jisroel gewesen, die 1939 geschlossen wurde. In den Jahren 1938/1939 war er Schulleiter der Volksschule der jüdischen Gemeinde Rykestraße. Spätestens mit der Schließung der letzten verbliebenen Bildungseinrichtungen im Frühjahr 1941 verlor Karl Eisemann seine Stelle. Er übte zuletzt zwangsweise eine Tätigkeit als „Erdarbeiter“ für die Friedhofsverwaltung der Jüdischen Kultusvereinigung aus. Else Eisemann war seit Anfang der 1940er-Jahre Zwangsarbeiterin in der Firma „Martin Michalski – Uniformbetrieb“, die ihren Hauptsitz in der Großen Frankfurter Straße 137 hatte. Spätestens seit den 1940er-Jahren war das Leben für das Ehepaar mit ihrer kleinen Tochter in Berlin zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnte sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.<br />
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Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdischen Gemeinde Berlins informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Else, Karl und Noemi Eisemann wurden im Herbst 1942 deportiert. In einem späteren Brief an den Bruder von Else schilderte ein Nachbar aus dem Haus die Situation: „Als ersten wurde Herr Dr. Eisemann von der Gestapo abgeholt, daß war am Freitag und Montag ist Else freiwillig ihrem Manne nachgefolgt und ihr Kind wurde dann ein paar Stunden, da es noch geschlafen hatte von jüdischen Helferinnen abgeholt. Das war am 26. Oktober 1942. – Es war furchtbar! Ich hätte schon längst geschrieben, aber ich wollte an all die furchtbaren Stunden nicht denken. […]. Ihr Schwager war ein herzlicher Mann Aristokrat von Scheitel bis zur Sohle. Und Ihre liebe Schwester Else war eine herzlich liebe gute Frau & Mutter wie man wohl selten eine findet […].“<br />
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Else, Karl und Noemi Eisemann wurden am 26. Oktober 1942 mit dem „22. Osttransport“ aus Berlin in das Ghetto Riga deportiert. Die Transportliste dieser Deportation verzeichnet die 34-jährige Else Eisemann und ihren 47-jährigen Ehemann als „arbeitsfähig“. Die Eheleute sind möglicherweise in Riga noch zu Zwangsarbeit selektiert worden, bevor sie im Ghetto, in einem Arbeitskommando oder einem der NS-Vernichtungslager ermordet wurden. In jedem Fall gehörten weder Karl, noch Else, noch Noemi Eisemann zu den wenigen Überlebenden des Rigaer Ghettos.<br />
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Die Eltern von Else Eisemann, offiziell waren sie Untermieter, verblieben nach der Deportation ihrer Tochter zunächst in der Wohnung in der Dortmunder Straße 13. Sie wurden im Rahmen der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, im Frühjahr 1943 verhaftet und getrennt voneinander am 3. und 4. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Elses Bruder Max Katz überlebte die NS-Verfolgung mit Ehefrau und Tochter im Exil in den USA. Elses Schwager Dr. Lazarus Eisemann und ihre Schwägerin Leah (Lina) Birk, geborene Eisemann, überlebten mit ihren Familien im Exil in Palästina.

Else Katz wurde am 15. Juni 1908 in der nordhessischen Kreisstadt Eschwege, die etwa 52 Kilometer südöstlich von Kassel liegt, geboren. Sie war die Tochter des ortsansässigen Bäckermeisters Simon Katz (*1880 in Rotenburg an der Fulda) und seiner Frau Nannchen (Nanny), geb. Heß (*1879 in Birstein). Else hatte einen ein Jahr älteren Bruder namens Max. Die Wohnung der Familie lag seit 1906 in der Sedanstraße 21 (heutige Schillerstraße). Im April 1912 zog sie in die unweit davon gelegene Bahnhofstraße 22. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Else und Max Katz in Eschwege haben sich keine weiteren Informationen erhalten. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde des Ortes, zu der zum Zeitpunkt der Geburt von Else etwa 500 der rund 11.800 Einwohner Eschweges zählten.

Möglicherweise besuchten die Geschwister die jüdische Elementarschule, die sich seit 1827 in der Schulstraße 3 befand und bis 1939 existierte, aber Quellen dazu haben sich nicht erhalten. Es ist auch nicht bekannt, welche berufliche Ausbildung Else Katz nach ihrem Schulabschluss erhielt. Ihr Bruder Max Katz absolvierte eine kaufmännische Lehre und war später als Handelsmann tätig. Am 1. Oktober 1936 heiratete die damals 28-jährige Else im Standesamt Eschwege den aus dem bayerischen Westheim stammenden Lehrer Dr. phil. Karl Eisemann. Der Absolvent der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg unterrichtete seit 1921 an der Volksschule der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel in Berlin. Nach der Hochzeit nahmen sich die Eheleute eine gemeinsame Wohnung in der Dortmunder Straße 13 in Berlin-Moabit. Am 27. Dezember 1937 bekamen sie eine Tochter, der sie den Namen Noemi gaben.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – hatten auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Else Eisemann und ihre Angehörigen begonnen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Erlasse und Sondergesetze drängten die Eheleute Eisemann in den 1930er-Jahren zunehmend in die Position von Rechtlosen. Nach den Pogromen im November 1938 wurden alle Männer der jüdischen Gemeinde Eschweges in „Schutzhaft“ genommen, in der jüdischen Schule des Ortes interniert und von dort aus in das KZ Buchenwald deportiert. Ihre Betriebe wurden „arisiert“. Davon war auch Elses Vater Simon Katz betroffen. Nachdem er aus Buchenwald entlassen wurde, flüchtete er mit seiner Ehefrau aus Eschwege nach Berlin, wo sie in der Wohnung von Karl und Else in der Dortmunder Straße 13 Unterkunft fanden. Elses Bruder Max konnte sich Anfang 1939 zusammen mit seiner Ehefrau Lotte und seiner 1935 in Eschwege geborenen Tochter Inge nach Brasilien retten und von dort 1940 in die USA einwandern. Auch Karl und Else Eisemann versuchten mit ihrer Tochter Ende der 1930er-Jahre, Deutschland zu verlassen.

In den Dokumenten des späteren Entschädigungsverfahrens befinden sich zwei Briefe von Karl Eisemann an Verwandte, die vermutlich aus der Zeit Ende der 1930er-Jahre oder Anfang der 1940er-Jahre datieren. Sie zeigen, wie fortgeschritten die Pläne des Ehepaares waren. Sie hatten Vereinbarungen mit Spediteuren getroffen, Auswanderungsabgabe und Golddiskont (sogenannte Dego-Abgabe) bezahlt und einen Teil ihrer beweglichen Güter in Liftvans (Transportkisten für den Schiffsverkehr nach Übersee) in Fracht gegeben. Ziel war das britische Mandatsgebiet Palästina, in welchem seit Mitte der 1930er-Jahre die beiden Geschwister von Karl Eisemann mit ihren Ehepartnern und Kindern lebten. Für dieses galt aber ab Oktober 1939 eine Einreisesperre, auf die sich Karl Eisemann vermutlich bezog, als er schrieb: „Die Meldung über die Sperre hat wie ein Donner hier eingeschlagen und grösste Bestürzung hervorgerufen. Unser Glück wäre umso grösser wenn es für uns trotzdem gelingen würde.“ Konkret wurde eine Einreise über Syrien erwogen. Karl Eisemann schrieb weiter: „Könnten wir nicht, sofern erhältlich ist, bei Fahrt nach Sy. trotzdem die Karte gleich nach Haifa nehmen?? […] Ihr wisst garnicht wie sehnsüchtigst wir auf jede Nachricht warten und sitzen wie auf dem Pulverfass.“ Auch auf die Existenzsicherung im Exil bereitete sich das Ehepaar vor. Karl Eisemann bat, ob man mit dem Landschulheim in Pardes Hanna nahe Haifa Kontakt aufnehmen könne: „Vielleicht könnt ihr einmal Fühlung nehmen, eventuell wegen Musikunterricht oder auch allgemeine Fächer, wenn es zunächst auch nur einige Stunden wären. An und für sich glaube ich ja nicht, dass ich in meinem Berufe dorten unter kommen kann, da es zuviele im Lande gibt, die schon auf Anstellung warten. Else lernt jetzt Büstenhalter nähen und will sich entweder mit Nähen Geld verdienen, oder dort sofort im Haushalt Stellung annehmen. Wir wollen niemanden zur Last fallen […].“ Letztendlich zerschlugen sich die Auswanderungspläne der Eisemann spätestens mit dem generellen Ausreiseverbot im Oktober 1941.

Bis 1937/1938 war Else Ehemann Lehrer an der Volksschule der Synagogengemeinde Adass Jisroel gewesen, die 1939 geschlossen wurde. In den Jahren 1938/1939 war er Schulleiter der Volksschule der jüdischen Gemeinde Rykestraße. Spätestens mit der Schließung der letzten verbliebenen Bildungseinrichtungen im Frühjahr 1941 verlor Karl Eisemann seine Stelle. Er übte zuletzt zwangsweise eine Tätigkeit als „Erdarbeiter“ für die Friedhofsverwaltung der Jüdischen Kultusvereinigung aus. Else Eisemann war seit Anfang der 1940er-Jahre Zwangsarbeiterin in der Firma „Martin Michalski – Uniformbetrieb“, die ihren Hauptsitz in der Großen Frankfurter Straße 137 hatte. Spätestens seit den 1940er-Jahren war das Leben für das Ehepaar mit ihrer kleinen Tochter in Berlin zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnte sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdischen Gemeinde Berlins informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Else, Karl und Noemi Eisemann wurden im Herbst 1942 deportiert. In einem späteren Brief an den Bruder von Else schilderte ein Nachbar aus dem Haus die Situation: „Als ersten wurde Herr Dr. Eisemann von der Gestapo abgeholt, daß war am Freitag und Montag ist Else freiwillig ihrem Manne nachgefolgt und ihr Kind wurde dann ein paar Stunden, da es noch geschlafen hatte von jüdischen Helferinnen abgeholt. Das war am 26. Oktober 1942. – Es war furchtbar! Ich hätte schon längst geschrieben, aber ich wollte an all die furchtbaren Stunden nicht denken. […]. Ihr Schwager war ein herzlicher Mann Aristokrat von Scheitel bis zur Sohle. Und Ihre liebe Schwester Else war eine herzlich liebe gute Frau & Mutter wie man wohl selten eine findet […].“

Else, Karl und Noemi Eisemann wurden am 26. Oktober 1942 mit dem „22. Osttransport“ aus Berlin in das Ghetto Riga deportiert. Die Transportliste dieser Deportation verzeichnet die 34-jährige Else Eisemann und ihren 47-jährigen Ehemann als „arbeitsfähig“. Die Eheleute sind möglicherweise in Riga noch zu Zwangsarbeit selektiert worden, bevor sie im Ghetto, in einem Arbeitskommando oder einem der NS-Vernichtungslager ermordet wurden. In jedem Fall gehörten weder Karl, noch Else, noch Noemi Eisemann zu den wenigen Überlebenden des Rigaer Ghettos.

Die Eltern von Else Eisemann, offiziell waren sie Untermieter, verblieben nach der Deportation ihrer Tochter zunächst in der Wohnung in der Dortmunder Straße 13. Sie wurden im Rahmen der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, im Frühjahr 1943 verhaftet und getrennt voneinander am 3. und 4. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Elses Bruder Max Katz überlebte die NS-Verfolgung mit Ehefrau und Tochter im Exil in den USA. Elses Schwager Dr. Lazarus Eisemann und ihre Schwägerin Leah (Lina) Birk, geborene Eisemann, überlebten mit ihren Familien im Exil in Palästina.