Gerhard Borchardt

Location 
Halskestraße 14
District
Steglitz
Stone was laid
08 November 2025
Born
21 November 1909 in Berlin
Occupation
Schlosser
Forced Labour
Wernerwerk von Siemens & Halske
Deportation
on 02 March 1943 to Auschwitz
Later deported
on 26 January 1945 to Buchenwald
Later deported
1945 to Dachau
Survived
Biography

Gerhard Borchardt

* 21. November 1909 in Berlin
† 17. Januar 1991 in New York

Gerhard Borchardt kam am 21. Novem­ber 1909 als zweiter Sohn von Grete und Gustav Borchardt in Berlin zur Welt. Drei Jahre zuvor, die Familie wohnte noch in Schneidmühl (Prov. Posen) war bereits sein älterer Bruder Karl-Heinz geboren. 1913 folgte noch der jüngere Bruder Hans-Günter. Der Vater Gustav Borchardt war Kaufmann, Grete Borchardt führte den Haushalt.

Die drei Söhne besuchten die Volksschule, an­schließend das Gymnasium und machten Abi­tur. Während seine Brüder Medizin studier­ten, wurde Gerhard, wie sein Vater, Kaufmann. 1933 zog die Familie in die Halskestraße 14. Im Jahr darauf starb Gustav Borchardt im Alter von 56 Jahren. Wann Gerhard Borchardt und die aus Berlin stammende Hildegard Sachs heira­teten, ist nicht bekannt, wohl aber, dass sie Ende der 1930er Jahre gemeinsam mit Gerhards Mutter Grete in der Halskestraße lebten. Die Brüder Karl-Heinz und Hans-Günther waren da bereits nach Palästina emigriert. 

1939 wurde Gerhard Borchardt als Hilfsschlosser zur Zwangs­arbeit im Wernerwerk der Siemens & Halske AG verpflichtet. Und auch Hildegard Borchardt, die – obgleich durch Geburt 'Arierin' – ent­spre­chend der NS-Rassegesetze angesichts ihrer Ehe mit einem Juden zur 'Geltungsjüdin' geworden war, musste Zwangsarbeit leisten.

Im Januar 1942 wurde Grete Borchardt mit dem 8. Ost-Transport nach Riga deportiert. Nur fünfzehn der 1034 mit diesem Transport deportierten Menschen überlebten den Holocaust. Grete Borchardt war nicht unter ihnen. 

Wenig später musste das junge Ehepaar die Wohnung in der Halskestraße aufgeben. Ihnen wurde ein Zimmer zur Untermieter bei dem Ehepaar Ludwig und Elfriede Blumenthal in der Albrechtstraße 38 zugewiesen. Hier wohnte neben anderen Untermietern bereits Hildegards Mutter Ida Sachs.

Im Rahmen der Fabrikaktion wurde Gerhard Borchardt am 27. Februar 1943 an seinem Arbeitsplatz verhaftet und mit dem 31. Ost-Transport vom 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert, dort als arbeitsfähig ein­gestuft und zur Zwangsarbeit gezwungen. Hildegard Borchardt musste ihm zwei Tage später, am 4. März 1943, nach Auschwitz fol­gen. Sie wurde dort ermordet.

Als die SS das Konzentrationslager Auschwitz im Januar 1945 übereilt räumte, wurden mehr als 56.000 noch gehfähige Häftlinge auf einen Todesmarsch in andere Lager im Reichsinneren geschickt, unter ihnen Gerhard Borchardt. Am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz befreit. Doch Gerhard Borchardts Leiden fand noch kein Ende. Er kam am 21. Januar 1945 im Konzentrations­lager Buchenwald an. Anfang April wurden die noch verbliebenen rund 50.000 Häftlinge aus Buchenwald auf einen weiteren Todesmarsch geschickt. Mitte April erreichte Gerhard Borchardt auf diesem Weg das Außenlager Allach des KZ Dachau. Am 11. April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen das Konzentrationslager Buchen­wald, am 29. April das KZ Dachau, einen Tag später das Außenlager Dachau-Allach.  

Gerhard Borchardt überlebte den Holo­caust, lebte nach dem Krieg einige Jahre im DP-Lager in Landsberg und emigrierte 1949 zu seinen Brüdern in die USA. Er starb 1991 in New York.