Johanna Goldschmidt née Gutkind

Location 
Hektorstr. 5
District
Halensee
Stone was laid
27 November 2012
Born
12 November 1889 in Berlin
Deportation
on 26 October 1942 to Riga
Murdered
29 October 1942 in Riga
Biography

Johanna Goldschmidt wurde als Johanna Gutkind am 12. November 1889 in der Meyerbeerstraße 6 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Pommern stammenden Kaufmann Gustav Gutkind (*5. Januar 1860) und dessen aus Potsdam stammende Ehefrau Hanna, genannt Hedwig, geborene Marcuse (*1861), war sie das jüngere von insgesamt zwei Kindern. Sie erhielt ihren Vornamen nach ihrer Großmutter Johanna Marcuse geborener Ehrlich. Ihr Bruder Max Georg (*25. Mai 1887) war zwei Jahre älter als sie. Als Johanna 12 Jahre alt war, starb ihre Mutter mit 40 Jahren. Ihr Vater heiratete vermutlich 1905 Jenny Mendel (*11. Oktober 1867), mit der er 1906 noch eine Tochter, Annemarie (*30. Oktober 1906), in Berlin bekam.

Johanna wurde Büroassistentin von Beruf. Ihr Bruder Max heiratete 1924 Johanna Pulvermann (*11. Februar 1888) im Standesamt Charlottenburg. Sieben Jahre später heiratete auch sie.

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Leo Goldschmidt, kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 21. Mai 1931. Leo war damals 49 Jahre und Johanna 41 Jahre alt. Als Trauzeugen war der 71-jährige Gustav, Johannas Vater, und der 43-jährige Max Gutkind, ihr Bruder, anwesend. Johanna wohnte damals in der Wielandstraße 6 in Berlin-Charlottenburg. Ihr Vater wohnte zu dem Zeitpunkt schon mit seiner zweiten Familie in Naumburg an der Saale in Sachsen-Anhalt.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Johanna 43 Jahre alt.

Vermutlich zog sie 1935 zusammen mit ihrem Ehemann in die Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee, denn 1936 sind sie zum ersten Mal dort im Berliner Adressbuch zu finden. Auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren sie in der Hektorstraße 5 gemeldet. Ihrem Bruder Max gelang es 1939, zusammen mit seiner Ehefrau Johanna nach Shanghai zu flüchten. 

1940 weist das Berliner Adressbuch Leo mit dem Zwangsnamen Israel aus. 1941 sind die Eheleute Goldschmidt nicht mehr in der Hektorstraße 5 gemeldet. Demnach müssen sie zu diesem Zeitpunkt schon in der Trautenaustraße 20 in Berlin-Wilmersdorf zur Untermiete gewohnt haben.

Mitte Oktober 1942 bekamen die Goldschmidts den Deportationsbefehl und mussten sich in der zur Sammelstelle umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße 7/8 einfinden. Am 26. Oktober 1942 wurden sie vom Güterbahnhof Moabit mit dem 22. Osttransport zusammen mit ca. 800 Leidensgenossen und -genossinnen, darunter 204 Angestellte der jüdischen Gemeinde, nach Riga deportiert. Kurz nach ihrer Ankunft am 29. Oktober 1942 wurden sie in den Wäldern von Rumbala ermordet. Johanna Goldschmidt geborene Gutkind starb mit 52 Jahren und Leo Gutschmidt starb mit 60 Jahren.

Johannas Halbschwester Annemarie wurde am 1. Juni 1942 von Kassel aus in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie am 3. Juni 1942 ermordet wurde.

Ihr Bruder Max starb am 9. August 1943 in Shanghai. Seine Witwe überlebte und ging nach dem Krieg in die USA.

Johannas Vater Gustav und seine zweite Ehefrau Jenny wurden am 29. März 1943 von Dresden nach Theresienstadt deportiert, wo Gustav Gutkind am 17. April 1943 mit 83 Jahren starb. Jenny Gutkind wurde am 5. Februar 1945 von Theresienstadt in die Schweiz transportiert und gerettet. Sie starb mit 93 Jahren am 16. Februar 1960.