Thea Dahlheim née Toller

Location 
Nassauische Str. 30
District
Wilmersdorf
Stone was laid
29 November 2005
Born
03 August 1899 in Halle/Saale
Deportation
on 24 September 1942 to Raasiku (b. Reval)
Murdered
in Raasiku (b. Reval)
Biography

Thea Dahlheim wurde als Thea Clara Toller am 3. August 1899 in Halle an der Saale geboren, wo ihr Vater geschäftlich zu tun hatte. Für ihre Eltern, den aus Erfurt stammenden Kaufmann und Geschäftsführer Heymann (Heinrich) Toller (*26. Februar 1861) und dessen Ehefrau, die aus Kattowitz (Katowice, Polen) stammende Rosa Toller geborene Fischer (*26. Dezember 1866), war sie das jüngste von insgesamt vier Kindern. Theas älteste Schwester Martha war am 16. Januar 1893 in Magdeburg, Elsa Gisela am 11. Oktober 1894 in München und Walter am 28. Januar 1898 in Erfurt geboren worden. Wann die Familie von Halle nach Berlin zog, ist nicht bekannt.

Martha heiratete am 5. Juli 1913 in Brüssel den Fabrikbesitzer Chaim Preiserowicz. Am 23. Mai 1914 wurde ebenfalls in Brüssel deren Tochter Yvonne geboren. Die zweite Tochter Irene Sarah kam am 5. Mai 1920 in Berlin zur Welt. Drei Jahre später starb Chaim Preiserowicz am 26. Januar 1923 mit 35 Jahren im Krankenhaus Buckow in Berlin-Neukölln. Die Familie wohnte damals in der Kalkreuthstraße 15 in Berlin-Charlottenburg. Martha wurde mit 30 Jahren Witwe.

Theas Schwester Elsa erlernte den Beruf einer Buchhalterin und heiratete am 5. April 1919 den aus Dresden stammenden Dentisten Hugo Blumenreich (*25. Januar 1891). Seine Mutter Minna war eine Schwester von Elsas Vater. Demnach waren Hugo und Elsa Cousin und Cousine. Am 27. August 1923 wurde ihr Sohn Wilhelm (Zeev) geboren. Am 10. April 1935 wurde die Ehe zwischen Elsa und Hugo vom Landgericht Berlin geschieden.

Walter Toller stand am 11. Juli 1917 auf der Verlustliste des Ersten Weltkrieges. Er war mit 19 Jahren für sein Vaterland gefallen.

Zehn Jahre nach Walter starb der Vater Heymann Toller mit 66 Jahren am 7. August 1927 in Berlin. Damals wohnte die Familie in der Joachim-Friedrich-Straße 1 in Berlin-Halensee.

Thea blieb bei ihrer Mutter und heiratete nicht. 1931 zogen sie in die Joachim-Friedrich-Straße 33 in eine 2-Zimmer-Wohnung im 4. Stock des Gartenhauses. Auch ihre Schwester Martha zog zu ihnen.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren auch Marthas zwei Töchter in der Joachim-Friedrich-Straße 33 gemeldet. Ihre geschiedene Schwester Elsa war in der Wilhelmstraße 131/132 in Berlin-Kreuzberg gemeldet. Deren 22-jährigem Sohn Wilhelm war kurz zuvor am 13. März 1939 die Flucht nach Haifa in Palästina gelungen. Auch Marthas Töchter Yvonne und Irene gelang noch im August 1939 die Ausreise nach England, von wo aus sie mit dem Schiff nach Neuseeland weiterreisen konnten.

Am 2. März 1940 starb ihre Mutter Rosa Toller im 74. Lebensjahr an Herzmuskelschwäche und Herzlähmung. Ihre Tochter Martha Preiserowicz meldete den Tod beim Standesamt. Thea war damals 39 Jahre alt. Martha arbeitete bei der jüdischen Kultusvereinigung. Ihre Chefin hieß Clara Israel. Gut ein Jahr später begannen die Deportationen von Juden in den Osten. Ihre Schwester Elsa Blumenreich war die erste aus der Familie, die am 17. November 1941 nach Kauen (Kowno, Litauen) deportiert wurde. Im Fort IX wurde sie am 25. November 1941 von den Nazis ermordet.

Wann und wo Thea ihren späteren Ehemann Dr. Ludwig Erich Dahlheim kennengelernt hatte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 11. Februar 1942 in Berlin-Schmargendorf. Nach der Hochzeit zogen sie am 11. Juni 1942 zusammen mit Ludwigs Schwestern Henriette und Eva Käthe in die Nassauische Straße 30 in eine 2-Zimmer-Wohnung mit Küche im 1. Stock des Gartenhauses. Die Miete betrug 62 RM. Die Wohnung wurde ihnen von der Wohnungsberatungsstelle der Jüdischen Kultusvereinigung zu Berlin e.V. zugewiesen. Die Vormieterin Regina Seidemann hatte die Gestapo am 28. März 1942 nach Piaski deportiert. Da die Wohnung sich in jüdischem Besitz befand, war sie gemäß Verfügung des Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt wieder mit einem jüdischen Hauptmieter zu besetzen.

Nachdem Thea aus der Joachim Friedrich-Straße 33 ausgezogen war, vermietete ihre Schwester Martha ein Zimmer an Hedwig Fürst (*4. Juni 1904) unter. Sie beteiligte sich mit 35 RM an der Gesamtmiete von 60,20 RM inklusive Gas.

Thea leistete seit 1941 Zwangsarbeit. Sie arbeitete als Hilfsarbeiterin bei Nordland Schneeketten in der Kyfhäuserstraße 14 für 19 RM in der Woche.

Mitte September 1942 mussten Thea, Ludwig und Henriette Dahlheim ihre Vermögenserklärungen ausfüllen und sich für die Deportation in der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße, die als Sammelstelle umfunktioniert war, einfinden.

Zusammen mit 1046 jüdischen Menschen deportierte die Gestapo Thea, Ludwig und Henriette Dahlheim am 26. September 1942 vom Berliner Bahnhof Putlitzstraße nach Raasiku, 28 km südöstlich von Reval (Tallin, Estland). Viele der Deportierten wurden unmittelbar nach der Ankunft am 30. September 1942 mit Bussen in die nahe gelegenen Ostseedünen oder in das Waldgebiet Kalevi-Liiva gebracht und dort ermordet. Thea Dahlheim geborene Toller starb mit 43 Jahren.

Auch ihr Ex-Schwager Hugo Blumenreich, der bei der „Minderheiten-Volkszählung“ angegeben hatte, dass er Dreivierteljude sei, war für die Deportation am 26. September 1942 nach Raasiku vorgesehen, hatte sich aber nicht in der Sammelstelle eingefunden. Er tauchte unter und wählte später den Freitod. 

Am 26. Oktober 1942 war auch Theas Schwester Martha Preiserowicz für die Deportation nach Theresienstadt vorgesehen. Sie füllte am 22. Oktober 1942 die Vermögenserklärung aus. Auch Martha meldete sich danach nicht in der Sammelstelle, sondern tauchte in Berlin unter. Nach dem Krieg wurde sie von ihrer Tochter Irene, die mittlerweile in Sydney Australien lebte, für tot erklärt.