Moshe Leib Durst

Location 
Rückerstr. 7
District
Mitte
Stone was laid
2011
Born
04 May 1895
Occupation
Kaufmann
Abgeschoben
28 October 1938 nach Polen
Verhaftet
in Bentschen / Zbąszyń
Deportation
nach Auschwitz
Murdered
in Auschwitz
  • Stolpersteine für Moshe Leib, Esther, Fanny und Jenny Durst
    Stolpersteine für Moshe Leib, Esther, Fanny und Jenny Durst © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

    Stolpersteine für Moshe Leib, Esther, Fanny und Jenny Durst © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

Moshe Leib Durst kam am 4. Mai 1895 in Galizien – heute im südlichen Polen, damals Teil von Österreich-Ungarn – zur Welt. Fünfzig Jahre später war sein Geburtsort für immer mit dem millionenfachen Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden verknüpft: Oświęcim, deutsch: Auschwitz. <br />
Er war das älteste von sieben Kindern von Marcus Eliasz Durst und dessen erster Ehefrau Chane (geb. Meruk). Sein Vorname wird in verschiedenen Quellen auch in den Varianten Mojses, Mozes oder Moses Löbl angegeben. Der Familienname lautete ursprünglich List, bevor er zu Durst geändert wurde. <br />
Moshe Durst besuchte die Volksschule und machte eine kaufmännische Lehre. Mit seinen Eltern und Geschwistern kam er vermutlich zwischen 1910 und 1912 nach Berlin. Seine jüngste Schwester Chaja wurde im September 1912 bereits in Berlin geboren. Hier starb seine Mutter Chane, ihr Todestag ist nicht bekannt. Sein Vater, der in der Dragonerstraße 46 (heute Max-Beer-Straße) eine Weinhandlung betrieb, heiratete in zweiter Ehe Rachel Berger. 1927 wurde Moshe Dursts Halbbruder Leibush „Leo“ Durst in Berlin geboren.<br />
Anfang der 1920er-Jahre wohnte Moshe Durst im Prenzlauer Berg in der Greifswalder Straße 218. Am 5. Januar 1921 heiratete er die drei Jahre ältere Esther Glatt. Wie er selbst besaß auch sie die polnische Staatsangehörigkeit. <br />
Am 19. Juni 1921 kam ihr erstes Kind Channe zur Welt. Es folgten noch zwei weitere Töchter, Fanny (*23.6.1922) und Jenny (*25.2.1926), und zuletzt der Sohn Nathan Perez (*14.12.1930). Mit seiner Familie lebte Moshe Durst inzwischen in Berlin-Mitte, zunächst in der Linienstraße 97, dann in der Kleinen Rosenthaler Straße 10 und schließlich in einer 4-Zimmer-Wohnung in der Rückerstraße 6 (heute befindet sich dort die Hausnummer 7). Die Kinder besuchten die Privatschule der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel. In Moshe Dursts Besitz befanden sich mehrere über hundert Jahre alte, zum Teil auf Pergament gedruckte Bücher in hebräischer Sprache, sogenannte Hebraica, darunter auch eine Talmudausgabe.<br />
In der Wohnung der Familie führte Moshe Durst einen Großhandel für Stoffe und Schneiderbedarf. Ein Warenlager befand sich in einer Seitenstraße. Dort beschäftigte er einen Angestellten, der die Kundschaft belieferte, die aus Schneidereien und Konfektionsfabrikanten bestand. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft gingen die Umsätze sofort stark zurück und bereits Anfang 1935 musste Moshe Durst den Betrieb vollständig aufgeben. Die Familie lebte ab diesem Zeitpunkt von Ersparnissen. Ihre Bemühungen, in die USA auszuwandern, blieben erfolglos. <br />
Am 28. Oktober 1938 wurde Moshe Durst im Rahmen der sogenannten Polenaktion abgeschoben. Innerhalb kürzester Zeit wurden auf Anweisung des SS-Führers Heinrich Himmler etwa 17.000 im Deutschen Reich lebende polnische Juden verhaftet und in Sammeltransporten nach Polen verschleppt. Unter ihnen waren auch Moshe Dursts Vater und mindestens drei seiner Brüder. <br />
Wie Tausende andere wurde Moshe Durst in einem Internierungslager in der polnischen Grenzstadt Zbąszyń (deutsch: Bentschen, auch Zbonschin) festgehalten. Im folgenden Jahr wurde auch seine Frau Esther mit den Töchtern Fanny und Jenny, die damals 17 und 13 Jahre alt waren, nach Polen ausgewiesen. Der ältesten Tochter Channe war es Ende 1938 gelungen, zusammen mit dem knapp achtjährigen Nathan nach Amsterdam zu fliehen. 1939 bekam sie einen Brief ihrer Mutter aus Zbąszyń, in dem diese schrieb, dass die restliche Familie nun wieder zusammen sei. Offenbar war die Hoffnung, doch noch in die USA emigrieren zu können, damals noch nicht aufgegeben. Im Antrag auf Entschädigung, den Channe und Nathan in den 1950er-Jahren stellten, wird eine ärztliche Bescheinigung vom 11. Mai 1939, ausgestellt in Zbonschin für Moses Durst, erwähnt, die der Emigration nach Übersee dienen sollte. <br />
Nach Kriegsbeginn wurden Moshe und seine Tochter Fanny zunächst ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź) und von dort ins Ghetto Tarnów verschleppt, wohin auch Esther und Jenny gekommen waren. Im Juni 1942 bekam Channe in Amsterdam das letzte Mal Post von ihrer Familie, dann kamen alle Briefe, die sie nach Tarnów abschickte, als unzustellbar zurück. Moshe Durst, seine Frau Esther und seine Töchter Fanny und Jenny wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. <br />
Seine Kinder Channe und Nathan überlebten versteckt in den Niederlanden. Nathan studierte nach einer Ausbildung als Zuschneider klinische Psychologie und promovierte an der Universität Groningen. Wie seine Schwester Channe, deren Nachname seit ihrer Heirat Fride lautete, zog er nach Israel. Er wurde klinischer Direktor des psychosozialen Zentrums für Überlebende des Holocaust in Haifa und veröffentlichte zahlreiche Publikationen über das Trauma der Shoah.<br />

Moshe Leib Durst kam am 4. Mai 1895 in Galizien – heute im südlichen Polen, damals Teil von Österreich-Ungarn – zur Welt. Fünfzig Jahre später war sein Geburtsort für immer mit dem millionenfachen Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden verknüpft: Oświęcim, deutsch: Auschwitz.
Er war das älteste von sieben Kindern von Marcus Eliasz Durst und dessen erster Ehefrau Chane (geb. Meruk). Sein Vorname wird in verschiedenen Quellen auch in den Varianten Mojses, Mozes oder Moses Löbl angegeben. Der Familienname lautete ursprünglich List, bevor er zu Durst geändert wurde.
Moshe Durst besuchte die Volksschule und machte eine kaufmännische Lehre. Mit seinen Eltern und Geschwistern kam er vermutlich zwischen 1910 und 1912 nach Berlin. Seine jüngste Schwester Chaja wurde im September 1912 bereits in Berlin geboren. Hier starb seine Mutter Chane, ihr Todestag ist nicht bekannt. Sein Vater, der in der Dragonerstraße 46 (heute Max-Beer-Straße) eine Weinhandlung betrieb, heiratete in zweiter Ehe Rachel Berger. 1927 wurde Moshe Dursts Halbbruder Leibush „Leo“ Durst in Berlin geboren.
Anfang der 1920er-Jahre wohnte Moshe Durst im Prenzlauer Berg in der Greifswalder Straße 218. Am 5. Januar 1921 heiratete er die drei Jahre ältere Esther Glatt. Wie er selbst besaß auch sie die polnische Staatsangehörigkeit.
Am 19. Juni 1921 kam ihr erstes Kind Channe zur Welt. Es folgten noch zwei weitere Töchter, Fanny (*23.6.1922) und Jenny (*25.2.1926), und zuletzt der Sohn Nathan Perez (*14.12.1930). Mit seiner Familie lebte Moshe Durst inzwischen in Berlin-Mitte, zunächst in der Linienstraße 97, dann in der Kleinen Rosenthaler Straße 10 und schließlich in einer 4-Zimmer-Wohnung in der Rückerstraße 6 (heute befindet sich dort die Hausnummer 7). Die Kinder besuchten die Privatschule der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel. In Moshe Dursts Besitz befanden sich mehrere über hundert Jahre alte, zum Teil auf Pergament gedruckte Bücher in hebräischer Sprache, sogenannte Hebraica, darunter auch eine Talmudausgabe.
In der Wohnung der Familie führte Moshe Durst einen Großhandel für Stoffe und Schneiderbedarf. Ein Warenlager befand sich in einer Seitenstraße. Dort beschäftigte er einen Angestellten, der die Kundschaft belieferte, die aus Schneidereien und Konfektionsfabrikanten bestand. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft gingen die Umsätze sofort stark zurück und bereits Anfang 1935 musste Moshe Durst den Betrieb vollständig aufgeben. Die Familie lebte ab diesem Zeitpunkt von Ersparnissen. Ihre Bemühungen, in die USA auszuwandern, blieben erfolglos.
Am 28. Oktober 1938 wurde Moshe Durst im Rahmen der sogenannten Polenaktion abgeschoben. Innerhalb kürzester Zeit wurden auf Anweisung des SS-Führers Heinrich Himmler etwa 17.000 im Deutschen Reich lebende polnische Juden verhaftet und in Sammeltransporten nach Polen verschleppt. Unter ihnen waren auch Moshe Dursts Vater und mindestens drei seiner Brüder.
Wie Tausende andere wurde Moshe Durst in einem Internierungslager in der polnischen Grenzstadt Zbąszyń (deutsch: Bentschen, auch Zbonschin) festgehalten. Im folgenden Jahr wurde auch seine Frau Esther mit den Töchtern Fanny und Jenny, die damals 17 und 13 Jahre alt waren, nach Polen ausgewiesen. Der ältesten Tochter Channe war es Ende 1938 gelungen, zusammen mit dem knapp achtjährigen Nathan nach Amsterdam zu fliehen. 1939 bekam sie einen Brief ihrer Mutter aus Zbąszyń, in dem diese schrieb, dass die restliche Familie nun wieder zusammen sei. Offenbar war die Hoffnung, doch noch in die USA emigrieren zu können, damals noch nicht aufgegeben. Im Antrag auf Entschädigung, den Channe und Nathan in den 1950er-Jahren stellten, wird eine ärztliche Bescheinigung vom 11. Mai 1939, ausgestellt in Zbonschin für Moses Durst, erwähnt, die der Emigration nach Übersee dienen sollte.
Nach Kriegsbeginn wurden Moshe und seine Tochter Fanny zunächst ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź) und von dort ins Ghetto Tarnów verschleppt, wohin auch Esther und Jenny gekommen waren. Im Juni 1942 bekam Channe in Amsterdam das letzte Mal Post von ihrer Familie, dann kamen alle Briefe, die sie nach Tarnów abschickte, als unzustellbar zurück. Moshe Durst, seine Frau Esther und seine Töchter Fanny und Jenny wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Seine Kinder Channe und Nathan überlebten versteckt in den Niederlanden. Nathan studierte nach einer Ausbildung als Zuschneider klinische Psychologie und promovierte an der Universität Groningen. Wie seine Schwester Channe, deren Nachname seit ihrer Heirat Fride lautete, zog er nach Israel. Er wurde klinischer Direktor des psychosozialen Zentrums für Überlebende des Holocaust in Haifa und veröffentlichte zahlreiche Publikationen über das Trauma der Shoah.