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Das Kunstprojekt Stolpersteine

Lange vor den ersten Stolpersteinen war das Spurenlegen im öffentlichen Raum ein wichtiges Thema der künstlerischen Arbeit des Bildhauers und Aktionskünstlers Gunter Demnig – so zum Beispiel mit den Projekten „Duftmarken Cassel–Paris“ (1980), „Blutspur Kassel–London“ (1981), „Ariadne-Faden Kassel–Venedig“ (1982), „Landschaftskonserven“ (1984) und „Flaschenpost Kassel–New York“.
1990 erinnerte Gunter Demnig mit einer Spur aus farbiger Fassadenfarbe im Kölner Stadtraum an die Deportation von 1000 Sinti und Roma im Mai 1940. Für ihn waren diese Deportationen die Generalprobe für spätere Transporte von Juden in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. Da die Farbe mit der Zeit verblich, entstand die Idee, an 21 ausgewählten Stellen den Text der Inschrift „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“ durch in den Boden eingelassene Messingtafeln zu konservieren.
Am 16. Dezember 1992 jährte sich der Befehl Heinrich Himmlers zur Deportation von Sinti und Roma in die Vernichtungslager zum fünfzigsten Mal. Dieses Datum nahm Gunter Demnig zum Anlass, um an diesen Auftakt der Deportationen zu erinnern, indem er die ersten Sätze des Befehls auf einem Stein festhielt. Diesen ersten Stolperstein verlegte er vor dem Historischen Rathaus der Stadt Köln. Seine Intention war auch, sich damit in die Diskussionen um ein mögliches Bleiberecht von Roma aus Jugoslawien einzuschalten.
Anstoß für die späteren auf Verfolgte des Nationalsozialismus verweisenden Stolpersteine war, laut Gunter Demnig, die Begegnung mit einer Kölner Zeitzeugin, die der festen Überzeugung war, in ihrer Nachbarschaft hätten nie Sinti oder Roma gelebt. Aus dieser Begegnung entstand die Idee, an alle Verfolgten des Nationalsozialismus an ihren letzten frei gewählten Wohnorten zu erinnern. Da die Menschen damals aus ihrem Alltag herausgerissen worden sind, sollen sie mit der Verlegung der Stolpersteine symbolisch in ihre damalige Nachbarschaft zurückgeholt werden.
Als theoretisches Konzept formulierte Gunter Demnig 1993 die Verlegung von Gedenksteinen für Verfolgte des Nationalsozialismus in der Publikation „Größenwahn – Kunstprojekte für Europa“. Ein erstes Zeichen in diese Richtung setzte Gunter Demnig 1994, auf Initiative des Pfarrers der Antoniter-Gemeinde in Köln, Kurt Pick, mit der Ausstellung von 250 Stolpersteinen für ermordete Sinti und Roma in der Kirche. Im Januar 1995 verlegte Gunter Demnig erstmals diese 10 x 10 cm großen Betonquader ebenerdig in die Gehwege der Stadt Köln.