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Helene Wittenberg (geb. Cohn)

Helene Wittenberg © OTFW
VERLEGEORT
Holsteinische Str. 44 

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Steglitz
VERLEGEDATUM
16.10.2014

GEBOREN
07.03.1876 in Magdeburg
DEPORTATION
am 14.09.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 16.05.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Helene Cohn wurde am 7. März 1876 in Magdeburg als Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Sie heiratete Sally Wittenberg, der 1869 als Sohn jüdischer Eltern zur Welt kam. Sally Wittenberg war ein erfolgreicher Wäschefabrikant, das Ladengeschäft befand sich von 1902 bis 1927 in der Kaiser-Wilhelm-Str. 51 (heute Karl-Liebknecht-Str.), Ecke Rosenstr. Die Produktpalette umfasste Damen- und Kinderwäsche, zur Herstellung beschäftige Sally Wittenberg eine große Anzahl von Angestellten und Arbeitern, auch Heimarbeiter. Die Familie war wohlhabend. Bis 1930 wohnte die Familie in einer 8-Zimmer-Wohnung in Berlin-Tiergarten, Brückenallee 36, 1930 zog die Familie nach Wilmersdorf in das Haus Prager Platz 1, ebenfalls in eine 8-Zimmer-Wohnung.

3 Kinder hatten Helene und Sally Wittenberg:

Die am 12.6.1901 geborene Erna, den am 6.2.1903 geborenen Rolf Rudolf und die am 21.9.1908 geborene Ellen Ruth.

Am 17. Januar 1938 starb Sally Wittenberg in Breslau an den Folgen eines Verkehrsunfalles, er wurde in Berlin beerdigt.

Helene Wittenberg war nunmehr aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, in eine 4-Zimmer-Wohnung in der Holsteinischen Str. 44 II zu ziehen. Deswegen musste sie viele Einrichtungsgegenstände und Möbel verschenken bzw. zu einem niedrigen Preis verkaufen.

Die Tochter Erna hatte den am 25. März 1885 in Hamburg geborenen jüdischen Kaufmann Hans Kurt Löwenstein geheiratet, der als Treuhänder tätig war. Am 16.1.1927 wurde ihnen der Sohn Wolfgang Günther geboren, die Familie wohnte in Wilmersdorf in der Landhausstr. 42, einer gutbürgerlichen Gegend. Um 1935 emigrierte die Familie nach Frankreich.

Helene Wittenbergs Sohn Rolf Rudolf wanderte nach Palästina aus.

1939 wohnte Helene Wittenberg zusammen mit ihrer jüngsten Tochter Ellen Ruth in der Holsteinischen Str. 44. Außerdem wohnte noch eine Untermieterin dort, nämlich Lydia Marcus geborene Gelles.

Am 14. September 1942 wurde Helene Wittenberg von Berlin nach Theresienstadt deportiert und von dort am 16. Mai 1944 nach Auschwitz ins Vernichtungslager gebracht. Der Zeitpunkt ihres Todes ist unbekannt.

Ellen Ruth Wittenberg sollte am 14. Dezember 1942 deportiert werden, aber sie tauchte unter und lebte in Berlin im Untergrund (siehe dort).

Die Tochter Erna wurde in Frankreich von ihrer Familie getrennt: Ihr Mann Hans Kurt und der Sohn Wolfgang Günther wurden in Loures Barousse (Hautes Pyrénées) verhaftet, zunächst im Internierungslager Gurs gefangen gehalten und nach Drancy gebracht. Von dort wurden sie mit dem Transport Nr. 28 am 4.9.1942 nach Auschwitz deportiert. Ursprünglich umfasste dieser Transport 1.000 Personen, nach zweimaliger Selektion, einmal in Cosel und einmal an der Rampe von Auschwitz, wurden in Auschwitz als Häftlinge nur noch 10 Männer und 113 Frauen registriert, alle übrigen wurden sofort ermordet. Im Lager Gurs verstarb ein möglicher Verwandter: Arthur Löwenstein, geboren am 24.10.1889 in Berlin. Im Transport von Gurs nach Drancy war ebenfalls ein möglicher Verwandter: Ernst Löwenstein, geboren am 2.7.1887 in Berlin.

Erna Löwenstein wurde viel später in Privas (Ardèche) im Hotel Dumas verhaftet, über das Sammellager Lyon nach Drancy gebracht, schließlich am 20.5.1944 vom Sammellager Drancy mit dem 74. Transport nach Auschwitz deportiert. Der Transport traf dort am 23. Mai 1944 ein, von den ursprünglichen 1.200 Personen wurden 732 Personen sofort in der Gaskammer ermordet.

Ellen Ruth schilderte ihre Mutter, Helene Wittenberg, als gütige friedliebende Frau, zu der sie ein enges Verhältnis hatte.

Rolf Rudolf Wittenberg heiratete in Israel und bekam die Tochter Michal Wittenberg, er starb am 25. Juni 1957 in Tel Aviv.


Biografische Zusammenstellung

Angelika Hermes, Initiative Stierstraße