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Rechercheleitfaden

Im Stolpersteinprojekt liegt ein wesentlicher Teil der Gedenk- und Erinnerungsarbeit darin, verschüttete Spuren eines Lebensweges zu suchen und freizulegen. Dies ist ein mühseliger, aber auch spannender Prozess, der konfrontiert mit der Verfolgungsmaschinerie der Nationalsozialisten, den minutiös geplanten Abläufen der Deportationen und der juristisch gedeckten und staatlich perfektionierten Bürokratie, die alle Verfolgten begleitete. Viele dieser Spuren sind noch auffindbar, wenngleich sie meist aus dem Verfolgungszusammenhang stammen; in ihrer Individualität kommt die verfolgte Person darin selten zum Vorschein.

Das Stolpersteinprojekt widmet sich allen Verfolgten der Nationalsozialisten. Überlebende der nationalsozialistischen Terrormaßnahmen, auch die Menschen, die sich durch Flucht haben entziehen können, werden genauso geehrt wie die Ermordeten. Darüber hinaus möchte das Stolpersteinprojekt alle Familienmitglieder würdigen, daher sollte in die Recherche auch die Suche nach anderen verfolgten Familienangehörigen einbezogen werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist zudem die Suche nach möglichen noch lebenden Nachkommen der jeweiligen Familie, um sie zu fragen, ob ein Stolperstein für ihre Verwandten in ihrem Sinn ist und um sie einzubinden in die Erinnerungs- und Gedenkarbeit.

Fragen zur Recherche beantworten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin gerne. Die Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin selbst ist jedoch kein Archiv und verfügt nicht über Dokumente von Verfolgten in Berlin. Detaillierte Antworten erhält man aber in vielen Fällen bei der Online-Recherche und bei Archivbesuchen. Die gängigen Archive, die in Berlin für die Stolpersteinrecherche wichtig sind, finden Sie hier.

Des Weiteren finden Sie hier eine Liste von oft gestellten Fragen (FAQs), die wir Ihnen beantworten wollen. Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, melden Sie sich gern bei uns!


FAQs zu Recherche

Im Stolpersteinprojekt wird Wert darauf gelegt, dass an die verfolgten Menschen in ihrem familiären Zusammenhang erinnert wird. Die Recherche nach Familienangehörigen, die gemeinsam an einer Wohnadresse gelebt haben und durch die Verfolgung auseinandergerissen wurden, ist daher Teil dieses Prozesses. Außerdem ist es erforderlich, sich auf die Suche nach möglichen noch lebenden Angehörigen der betroffenen Person/der Familie zu machen, um sie über den geplanten Stolperstein zu informieren und sich ihr Einverständnis geben zu lassen.

Ich möchte Stolpersteine für verfolgte Bewohner und Bewohnerinnen meines Hauses/meiner Straße verlegen lassen und habe keine Informationen. Wie gehe ich vor?

Dies ist leider die schlechteste Voraussetzung für ein Stolpersteinprojekt, denn die Wahrscheinlichkeit, die Namen von Verfolgten zu finden, ist sehr gering. Sie müssten sich auf eine akribische und mehrmonatige Sucharbeit einstellen, die eventuell dennoch kein Resultat bringen wird. Die besten Voraussetzungen zur Recherche für eine Person an einer spezifischen Adresse finden Sie in der Gruppe der als jüdisch verfolgten Personen, weil diese Verfolgtengruppe bislang am intensivsten erforscht ist. Ansonsten bleibt Ihnen nur eine Suche nach den Menschen, die bei Ihnen im Haus gelebt haben. Eventuell stoßen Sie auf einen Verfolgungszusammenhang. Bevor Sie in die Archive gehen, sollten Sie unbedingt alle Möglichkeiten der online-Recherche auszunutzen (einige Links finden Sie weiter unten auf dieser Seite). Wenn es sich vermutlich um jüdische Opfer handelt, sollte zunächst das Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs überprüft werden und erst wenn diese Suche negativ verlaufen ist, eine schriftliche Anfrage in den Archiven gestellt werden. Bei ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner Ihres Hauses ohne jüdischen Hintergrund fangen Sie am besten mit einer systematischen Suche über die Berliner Adressbücher an. Man kann darin auch nach Straßennamen suchen. Fangen Sie in den 1920er Jahren an und suchen Sie einen konstant vorkommenden Namen in Ihrem Haus. (In den Adressbüchern sind nur die Haushaltsvorstände eingetragen, dies waren meist die Ehemänner und Familienväter, die ökonomisch so gut gestellt waren, dass sie nicht zur Untermiete wohnten. Alleinstehende Frauen und Männer finden sich in den Adressbüchern ebenfalls, sofern sie nicht zur Untermiete wohnen mussten. Menschen, die zur Untermiete wohnten, stehen nicht in den Adressbüchern. Arbeiter und Arbeiterinnen oder als „asozial“ verfolgte Menschen werden so also häufig nicht gefunden, obwohl sie eventuell sehr wohl an der besagten Adresse wohnten). Wenn Sie feststellen, dass ein Name während des Nationalsozialismus plötzlich nicht mehr auftaucht, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass jemand verfolgt wurde. Mit diesen Namen (in Kombination mit ihrer Adresse) müssten Sie Anfragen beim Landesarchiv Berlin und bei der Entschädigungsbehörde im Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten stellen; nur kann es bei häufigen Namen wie Fritz Meyer o.ä. sein, dass Sie ohne ein Geburtsdatum nicht weiter kommen. Sollte die Person in das Raster der verschiedenen Verfolgungsbehörden geraten sein, werden sich möglicherweise Dokumente finden lassen.
Eine Alternative zur Suche in den Berliner Adressbüchern kann eine gebührenpflichtige Anfrage in der Historischen Einwohnermeldekartei Berlin sein, diese umfasst die Zeit von 1875 bis 1960 und lagert im Landesarchiv Berlin. Allerdings gilt es dabei zu berücksichtigen, dass die Einwohnermeldekartei kriegsbedingte Lücken aufweist und die Karteikarten von jüdischen Berlinerinnen und Berliner während der Zeit des Nationalsozialismus herausgenommen worden sind. Auch in der Einwohnermeldekartei werden Untermieterinnen und Untermieter nicht aufgeführt.

Ich möchte nach jüdisch verfolgten Menschen in Berlin forschen, wie gehe ich vor?

Die Suche nach jüdischen Verfolgten ist noch die einfachste, da detaillierte Recherchemöglichkeiten bestehen. Folgende Recherchewege sind möglich: Es gibt zum einen das „Jüdische Adressbuch von 1931“, das allerdings nur einen Bruchteil der Berliner Jüdinnen und Juden aufführt, zum anderen gibt es die Ergänzungskarten zur Volkszählung von 1939 im Bundesarchiv. Letztgenannter Bestand ist unter anderem in die Datenbank des „Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ eingepflegt worden. Diese Datenbank finden Sie online unter: http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html. Allerdings werden hierin keine Adressen genannt.

In manchen Bibliotheken findet sich das „Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus“ aus dem Jahr 1995, das auch eine Angabe zur Adresse der Opfer enthält. Da sich diese Angaben zum Wohnort allerdings aus verschiedenen Quellen speisen, kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass es sich um den letzten frei gewählten Wohnort eines Menschen handelt. Auch die Angaben zum Verfolgungsschicksal sind nicht immer auf dem neuesten Forschungsstand und sollten dringend mit den Daten des Online-Gedenkbuchs des Bundesarchivs abgeglichen werden. Auch im Landesarchiv Berlin und in der Entschädigungsbehörde im Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten sollten Anfragen zu der verfolgten Person gestellt werden, da man bei jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern nicht davon ausgehen kann, dass die letzte bekannte Adresse wirklich der letzte freiwillig gewählte Wohnort war. Eine weitere Möglichkeit ist die Anfrage im Historischen Archiv der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, dort befinden sich die Anträge jüdischer Verfolgte auf Anerkennung als Opfer des Faschismus (OdF). Zusätzlich ist eine Suche in den Berliner Adressbüchern ab Mitte der 1920er Jahre notwendig, um herauszufinden, ob die verfolgte Person bis zu einem nicht freiwillig erfolgten Umzug (durch den ökonomischen Druck und/oder den Verfolgungsmaßnahmen der Nationaloszialisten) nicht doch jahrelang woanders gelebt hat. (Haushaltsvorstände waren meist Ehemänner und Familienväter, die ökonomisch so gut gestellt waren, dass sie nicht zur Untermiete wohnten. Alleinstehende Frauen und Männer finden sich in den Adressbüchern ebenfalls, sofern sie nicht zur Untermiete wohnen mussten. Menschen, die zur Untermiete wohnten, finden Sie in den Adressbüchern nicht).

Ich möchte für eine Person aus dem politischen oder religiösen Widerstand forschen, wie gehe ich vor?

Es gibt mehrere Publikationen für die Stadtgeschichte Berlins, in denen es explizit um den Widerstand während des Nationalsozialismus geht. An erster Stelle ist die Reihe der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zu nennen, in der Hans-Rainer Sandvoß, Heinrich-Wilhelm Wörmann und Felicitas Bothe von Richthofen für jeden Berliner Bezirk eine ausführliche, sowohl nach Namen wie nach Straßen sortierte Untersuchung der Widerstandsstrukturen vorgenommen hat. Jeder Band heißt „Widerstand in (Name des Bezirks)“ und kann in vielen Berliner Bibliotheken und hier online eingesehen werden: https://www.gdw-berlin.de/angebote/publikationen/downloads/widerstand-berlin-1933-1945

Darüber hinaus finden sich in diesen beiden Publikationen von Hans-Rainer Sandvoß weitergehende Informationen:

  • Hans-Rainer Sandvoß: Die „andere“ Reichshauptstadt. Widerstand aus der Arbeiterbewegung in Berlin von 1933 bis 1945, Berlin 2007
  • Hans-Rainer Sandvoß: „Es wird gebeten, die Gottesdienste zu überwachen…“, Religionsgemeinschaften in Berlin zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und Widerstand von 1933 bis 1945, Berlin 2014

Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand selbst ist ein guter Ansprechpartner für tiefergehende Forschung. Es empfiehlt sich aber, mit der Gedenkstätte unter dieser Email sekretariat@gdw-berlin.de erst Kontakt aufzunehmen, wenn die eigene Recherche weit fortgeschritten ist.

Im Landesarchiv Berlin, der Entschädigungsbehörde im Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten und vor allem dem Bundesarchiv in Berlin liegen Akten, die die Strafverfolgung politischer oder religiös motivierter Häftlinge dokumentieren.

Auch die Arolsen Archives – Internationales Zentrum über NS-Verfolgung in Bad Arolsen haben wichtiges Archivmaterial über Menschen aus dem politisch oder religiös motivierten Widerstand. Viele Archivalien sind mittlerweile online einsehbar (https://arolsen-archives.org/). Im Bundesarchiv in Berlin finden sich viele Dokumente der Verfolgungsbehörden, aber auch die Akten zu den „Opfern des Faschismus“ (OdF) im Landesarchiv Berlin enthalten oft wertvolle Informationen.

Insbesondere für die Verfolgung der Zeuginnen und Zeugen Jehovas empfiehlt es sich, mit den heutigen Gemeinden Kontakt aufzunehmen (https://www.jehovaszeugen.de/), weil diese selbst intensiv über die Verfolgung ihrer Religionsgemeinschaft forschen. Neben der bereits erwähnten Publikation von Hans-Rainer Sandvoß sei noch folgende Veröffentlichung genannt:

  • Detlef Garbe: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, München 1993

Auch gibt es noch eine Veröffentlichung mit Listen von Todesurteilen des Reichskriegsgerichts und diversen Abschiedsbriefen von inhaftierten Kriegsdienstverweigerern:

  • Marcus Herrberger (Hrsg.): Denn es steht geschrieben: „Du sollst nicht töten!“ Die Verfolgung religiöser Kriegsdienstverweigerer unter dem NS-Regime mit besonderer Berücksichtigung der Zeugen Jehovas (1939-1945), Wien 2005

Für die Öffentlichkeitsarbeit haben Zeuginnen und Zeugen Jehovas in jeder Gemeinde Ansprechpartner. Für nähere Informationen können Sie auch alternativ im Raum Berlin Herrn Dirk Leicher kontaktieren.

Des Weiteren sei auf das Heft „Stolpersteine in Berlin – Pädagogisches Begleitmaterial“ hingewiesen, in dem Sie weitere Tipps zur Recherche für die spezifische politische wie religiöse Verfolgung in Berlin finden.

Ich möchte nach verfolgten Menschen in Berlin forschen, die der Minderheit der Sinti und Roma angehörten. Wie gehe ich vor?

Vorab sei gesagt, dass es unerlässlich ist, sich vor einer geplanten Verlegung von Stolpersteinen für verfolgte Sinti/Sintezze oder Roma/Romnija mit deren Familienmitgliedern in Verbindung zu setzen. Viele Menschen, die der Minderheit angehören, stehen dem Stolpersteinprojekt skeptisch bis ablehnend gegenüber und halten die Form, in der verfolgter Verwandter gedacht werden soll, nicht für angemessen. Es sollte unbedingt ausgeschlossen werden, dass ein Gedenkstein gegen den Willen noch lebender Angehöriger verlegt wird. Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V. sowie das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, das auch eine Zweigstelle in Berlin hat, können eventuell bei der Suche nach Angehörigen behilflich sein.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Namen von Sinti/Sintezze und Roma/Romnija zu finden, die während der NS-Zeit in Berlin lebten und in den allermeisten Fällen verfolgt wurden. Zum einen konnten die sogenannten Sterbebücher des „Zigeunerlagers“ im Lagerabschnitt B IIe von Auschwitz-Birkenau gerettet werden. Sie sind im „Gedenkbuch der Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau“ tabellarisch zusammengefasst. In ihnen sind die Geburtsorte und die Geburtsdaten der Häftlinge aufgezeichnet. Wenn Menschen in Berlin geboren wurden, dann besteht zumindest eine Wahrscheinlichkeit, dass sie auch später in der Stadt gelebt haben. Sie haben in jedem Fall Namen und Geburtsdatum und können so in den Archiven weiterforschen. Das Gedenkbuch finden Sie in mehreren Berliner Bibliotheken: https://aggb-katalog.de/vufind/

In folgenden Studien finden Sie weitere Hinweise auf Namen:

  • Patricia Pientka: Das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn, Alltag, Verfolgung und Deportation, Berlin 2013
  • Otto Rosenberg: Das Brennglas, Berlin 2012

In den Beständen des Landesarchivs Berlin können Sie in den Akten der Berliner Wiedergutmachungsämter Begriffe der nationalsozialistischen Täter wie „Zigeuner“, „Wohnwagen“ oder auch „Marzahn“ eingeben. Wobei der Begriff „Marzahn“ ein sehr weit gefasster ist und auch zu vielen nicht relevanten Ergebnissen führen kann.
Im Bundesarchiv in Berlin können Sie in den kriminalpolizeilichen Akten sowie im Landesarchiv Berlin im Bestand der Kriminialpolizeileitstelle (Bestand A Pr.Br.Rep. 030-02-03) nach den vorgeworfenen Strafdelikten suchen. Die im Bundesarchiv überlieferten Unterlagen der Rassenhygienischen und kriminalbiologischen Forschungsstelle enthalten Registrierungsdaten- und fotos verschiedener Sinti/Sintezze und Roma/Romnija. Auch in den überlieferten Häftlingsbüchern der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen finden Sie den Vermerk „Z“, der für „Zigeuner“ steht, auch dies ist eine Möglichkeit, auf Namen von Verfolgten zu stoßen.

Des Weiteren sei auf das Heft „Stolpersteine in Berlin – Pädagogisches Begleitmaterial“ hingewiesen, in dem Sie weitere Tipps zur Recherche für die spezifische Verfolgung in Berlin finden.

Ich möchte nach verfolgten Menschen in Berlin forschen, die als „asozial“ stigmatisiert und verfolgt wurden. Wie gehe ich vor?

Bei dieser Verfolgtengruppe ist zu beachten, dass sie noch weniger homogen war als alle anderen Verfolgtengruppen. Dies ist einer der Gründe, warum sich nach dem Krieg keine Interessensverbände gebildet haben. Zum anderen hält die Stigmatisierung und in manchen Fällen auch Kriminalisierung mancher Personengruppen dieses Verfolgungszusammenhangs bis heute an, was der Entstehung einer eigenen Erinnerungs- und Gedenkkultur zusätzlich entgegenstand. Als „asozial“ konnten Kriminelle, Obdachlose, Menschen mit Alkoholproblemen gelten, aber auch schlicht unangepasst lebende Berlinerinnen und Berliner, die in andere Verfolgungskategorien nicht hineinpassten. Eine vermeintliche Arbeitsverweigerung ebenso wie eine freizügig ausgelebte Sexualität konnte dazu führen, als „asozial“ abgestempelt zu werden. Eine Mehrfachverfolgung einzelner Menschen, die als „homosexuell“ oder als „krank“ und zugleich als „asozial“ galten, ist bei dieser Verfolgtengruppe besonders hoch. Wenn man noch keine Namen hat, empfiehlt es sich, im Bundesarchiv in Berlin oder auch in der Datenbank im Landesarchiv Berlin über die kriminalpolizeilichen Akten nach bestimmen Delikten (wie z.B. „ohne festen Wohnsitz“, „Prostitution“, „Bettelei“ oder „Kuppelei“) zu suchen. Allerdings gilt es hier zu beachten, dass auf diesen Beständen eine Schutzfrist liegt und eine Sichtung erst nach einem entsprechenden Antrag auf Verkürzung dieser Frist möglich ist. Daher werden die entsprechenden Akten im Landesarchiv Berlin bei einer einfachen Gastrecherche nicht angezeigt. Es ist deshalb ratsam, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs um Hilfe zu bitten. Auch die Lagerbücher der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen geben über die Kategorisierung der Häftlinge Auskunft über den Verfolgungszusammenhang.

In folgenden beiden Bänden finden Sie weitere wertvolle Hinweise und gelegentlich auch Namen:

  • Anne Allex, Dietrich Kalkan (Hrsg.): „ausgesteuert – ausgegrenzt … angeblich asozial“, Neu-Ulm 2009
  • Dietmar Sedlaczek, Thomas Lutz, Ulrike Puvogel, Ingrid Tomkowiak (Hrsg.): „Minderwertig“ und „asozial“. Stationen der Verfolgung gesellschaftlicher Aussenseiter, Zürich 2005

Des Weiteren sei auf das Heft „Stolpersteine in Berlin – Pädagogisches Begleitmaterial“ hingewiesen, in dem Sie weitere Tipps zur Recherche für spezifische Verfolgung in Berlin finden.

Ich möchte nach verfolgten Menschen in Berlin forschen, die als „homosexuell“ stigmatisiert und verfolgt wurden. Wie gehe ich vor?

Die „AG Rosa Winkel“ des Kulturrings in Berlin e.V. hat seit Jahren eine umfangreiche Datenbank über homosexuelle Opfer der Nationalsozialisten aufgebaut. Sie ist online nicht einsehbar, Sie müssten Kontakt mit der AG aufnehmen (rosa-winkel@kulturring.berlin) und Ihr Forschungsinteresse erklären. Da Homosexuelle in Konzentrationslagern eigene Winkel trugen, kann auch hier über Häftlingsbücher mehr in Erfahrung gebracht werden. Da die meisten Homosexuellen in Berlin in irgendeiner Form von der Polizei verfolgt, oft mehrfach verhaftet und verhört wurden, finden Sie sowohl im Landesarchiv Berlin als auch im Bundesarchiv in Berlin kriminalpolizeiliche Akten und Strafverfolgungsakten. Empfehlenswert ist es, über Schlagwörter wie „§ 175“, „widernatürliche Unzucht“ oder „Sittlichkeitsverbrechen“ zu suchen. Es gibt umfangreiche Literatur zum Thema, daher werden hier nur vier Beispiele mit konkretem Regionalbezug genannt:

  • Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hrsg.): Von anderen Ufern. Geschichte der Berliner Lesben und Schwulen in Kreuzberg und Friedrichshain, Berlin 2003
  • Sonntags-Club (Hrsg.): Verzaubert in Nord-Ost. Die Geschichte der Berliner Lesben und Schwulen in Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee, Berlin 2009
  • Kulturring Berlin e.V. (Hrsg.): Andreas Pretzel, Gabriele Roßbach, Wegen der zu erwartenden zu hohen Strafe. Homosexuellenverfolgung in Berlin, Berlin 2000
  • Schwules Museum Berlin (Hrsg.) Joachim Müller, Andreas Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000

Umfangreiche Literaturbestände zur Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus und darüber hinaus finden sich auch im Archiv und in der Bibliothek des Schwulen Museums.

Des Weiteren sei auf das Heft „Stolpersteine in Berlin – Pädagogisches Begleitmaterial“ hingewiesen, in dem Sie weitere Tipps zur Recherche für die spezifische Verfolgung in Berlin finden."

Ich möchte nach Menschen in Berlin forschen, die Opfer der „Euthanasie“-Morde wurden. Wie gehe ich vor?

Vorab sei gesagt, dass es bei allen Opfern der sogenannten Euthanasie-Morde um Menschen geht, über die Krankenakten angelegt wurden. Ob die Menschen heute überhaupt als „krank“ gelten würden, ist an dieser Stelle keine zu klärende Frage. Wichtig ist, dass diese Dokumente einem besonderen archivrechtlichen Schutz unterliegen. Daher ist es nötig, sich vorab zu erkundigen, auf welcher rechtlichen Grundlage die Krankenakten für Recherchen zugänglich sind und Informationen daraus veröffentlicht werden können.

Die Verfolgung und Ermordung von Menschen aus Berlin im Rahmen der „Euthanasie“-Programme ist relativ gut erforscht. Wichtige Informationen sowie kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden Sie auf der Homepage zum Gedenkort T4. Auf der Website finden Sie viele recherchierte Biografien, für sehr viele dieser Menschen gibt es bereits Stolpersteine. Der nationalsozialistische „Krankenmord“ erfolgte im Wesentlichen in zwei Phasen. Unterlagen zur ersten Phase, der „Aktion T 4“, die im Herbst 1941 eingestellt wurde, befinden sich im Bundesarchiv in Berlin. Krankenakten der späteren dezentralen Phase lagern in regionalen Archiven oder in Krankenhäusern und Heilstätten. Wenn Sie in Archiven suchen, geben Sie die Namen der verschiedenen Tötungsstätten und/oder „Heilstätten“ ein, um auf Opfer der Verfolgung zu stoßen. Im Landesarchiv Berlin finden Sie die Patientenakten der „Heilanstalten“ Buch und Wittenau. In vielen der Krankenakten sind die letzten freiwillig gewählten Adressen der Patientinnen und Patienten genannt. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es dringend erforderlich ist, sich auf die Suche nach lebenden Angehörigen zu machen, um das Einverständnis für einen Stolperstein abzuklären.

Des Weiteren sei auf das Heft „Stolpersteine in Berlin – Pädagogisches Begleitmaterial“ hingewiesen, in dem Sie weitere Tipps zur Recherche für spezifische Verfolgungszusammenhänge in Berlin finden.

Ich habe den Namen einer verfolgten Person, weiß aber nicht, wo sie gelebt hat, wie finde ich dies heraus?

Dies hängt ein wenig davon ab, warum die Person verfolgt war. Sie müssen in den jeweils zuständigen Berliner Archiven Anfragen stellen (siehe die einzelnen Hinweise zu den verschiedenen Verfolgtengruppen) und dort rekonstruieren, wo der letzte freiwillig gewählte Wohnort war. Auch die (online einsehbaren) Berliner Adressbücher sind eine wertvolle Quelle, dort sind die Haushaltsvorstände sowie allein lebende Menschen aufgeführt. (Haushaltsvorstände waren meist Ehemänner und Familienväter, die ökonomisch so gut gestellt waren, dass sie nicht zur Untermiete wohnten. Alleinstehende Frauen und Männer finden sich in den Adressbüchern ebenfalls, sofern sie nicht zur Untermiete wohnen mussten. Menschen, die zur Untermiete wohnten, finden Sie in den Adressbüchern nicht.)

Ich habe zwar eine Adresse der verfolgten Person, weiß aber nicht, ob sie der letzte freiwillig gewählte Wohnort war, wie kann ich dies überprüfen?

Die Berliner Adressbücher können hier helfen, sofern eine Familie über den Haushaltsvorstand gelistet war. (Haushaltsvorstände waren meist Ehemänner und Familienväter, die ökonomisch so gut gestellt waren, dass sie nicht zur Untermiete wohnten. Alleinstehende Frauen und Männer finden sich in den Adressbüchern ebenfalls, sofern sie nicht zur Untermiete wohnen mussten. Menschen, die zur Untermiete wohnten, finden Sie in den Adressbüchern nicht.) Sollte z.B. eine jüdische Person bis 1935/1936 mehrere Jahre lang an einer Adresse gelebt haben, aber auf den Ergänzungskarten der Volkszählung von 1939 an einer anderen Adresse aufgeführt sein, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass aufgrund der zunehmenden ökonomischen Drangsalierung und der Wohnungspolitik gegenüber der jüdischen Bevölkerung der Umzug nicht freiwillig erfolgt ist. Sollte Kontakt zu Angehörigen bestehen, wissen diese vielleicht, wo ihre Angehörigen den letzten frei gewählten Wohnsitz hatten. Zum anderen kann in manchen Fällen, z.B. bei politische Verfolgten, ein Aktenstudium helfen, weil es möglicherweise darüber Aufschluss gibt, wo eine Person freiwillig gelebt hat, bevor sie inhaftiert/deportiert wurde.

Ich habe zwar die Verfolgungsdaten einer Person herausbekommen, finde aber nichts „Persönliches“, was kann ich tun?

Es bleibt nur, sich auf die Suche nach Angehörigen zu machen. Fast alle Dokumente, die Sie in Archiven finden, sind von den Tätern verfasst worden. Sie dienten der reibungslosen Ausraubung, Entmenschlichung und Ermordung der betreffenden Person. Ob Vermögenserklärungen oder Verhörberichte – die Betroffenen befanden sich in einer Lage, die von Angst, Verzweiflung und Ausgeliefertsein definiert war. Die Persönlichkeit der Betroffenen verschwindet nahezu vollständig hinter den von den Tätern erstellen Informationen. Allerdings haben viele jüdische Verfolgte, die überlebt haben, später Erinnerungen, Memoiren etc. verfasst, die oft in den einschlägigen Einrichtungen zu finden sind wie dem United States Holocaust Memorial Museum, dem Leo Baeck Institute, dem Jüdischen Museum Berlin, wo sich u.a. die Aufsätze zum Aufsatzwettbewerb „Mein Leben vor und nach 1933“ von 1939 finden lassen. Eine weitere Ausnahme bilden die Dokumente der Entschädigungsbehörde im Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, weil hier – in seltenen Fällen, wenn die Betroffenen selbst überlebt haben – persönliche Dokumente zu finden sind, aber auch Erläuterungen von Verwandten und/oder nahen Freunden der Person. Das Gleiche kann auch über die Anträge auf den Status eines Opfers des Faschismus (OdF) gesagt werden. Im Landesarchiv Berlin finden sich die Anträge von politisch Verfolgten und im Historischen Archiv der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum, die der jüdischen Verfolgten.
Die meisten Dokumente sind in der Nachkriegszeit verfasst worden. Hier liegen die Grenzen der historischen Rekonstruktion – dies gilt es besonders bei dem Verfassen eines biografischen Textes zu berücksichtigen, in dem auf keinen Fall spekuliert, sondern vielmehr auf die vorhandenen Leerstellen hingewiesen werden sollte.

Wie kann ich herausfinden, ob es noch Angehörige einer verfolgten Person gibt?

Auch hier gilt, dass die Suche nach Angehörigen für die als jüdisch verfolgten Menschen am einfachsten ist.

Der erste Schritt bei jeder Recherche sollte sein, den entsprechenden Namen bei der „Zentralen Datenbank der Holocaustopfer“ der internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem einzugeben. Die Datenbank ist eine Sammlung von Einträgen, die häufig von überlebenden Familienangehörigen gemacht wurden, es finden sich in den meisten Fällen die Namen der Personen, von denen die Informationen stammen, mit den (meist in den 1950er-/1960-Jahren ausgestellten) Adressen. Dies gibt erste Anhaltspunkte darüber, in welchen Ländern gesucht werden sollte.

Generell kann es aber auch schon helfen, den entsprechenden Namen bei Google einzugeben und Stück für Stück mehr von den schon bekannten Daten zu ergänzen. Manchmal ergibt sich hierüber schon eine Verbindung zu Angehörigen.

Es gibt im Internet unzählige Webseiten, die allerdings meist kostenpflichtig sind, aber die Suche nach Angehörigen vereinfachen. Um nur einige zu nennen, sind diese Websites hilfreich:

  1. https://www.jewishgen.org/
  2. https://www.rootstech.org/blog/10-g...
  3. https://www.ancestry.com/cs/jewishg...

Hier finden Sie eine Auflistung wichtiger genealogischen Websites, die nach Ländern sortiert sind: https://www.ancestry.com/cs/jewishgen-all

Für die weitere Suche empfiehlt sich durchaus, auch die sozialen Netzwerke wie Facebook zu nutzen.

Bei Menschen, die aus anderen Gründen verfolgt wurden, wird die Suche nach Angehörigen schwieriger. In jedem Fall sollte im Landesarchiv Berlin und auch in der Entschädigungsbehörde im Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten recherchiert werden, denn sowohl Rückerstattungs- als auch Entschädigungsanträge sowie Anträge auf Anerkennung als Opfer des Faschismus (OdF) wurden zumeist von Angehörigen gestellt. Mit einer Anerkennung als OdF waren in der sowjetischen Besatzungszone ab 1949 in der neugegründeten DDR je nach Region und Stadt verschieden gestaffelte Sozialleistungen verbunden.

Auch die Zeitschrift „aktuell“ des Berliner Senats informiert über Nachfahren von verfolgten Jüdinnen und Juden, die während der NS-Zeit in Berlin lebten, und bietet dadurch Austausch- und Kontaktmöglichkeiten.

Trotz intensiven Recherchierens in allen angegebenen Archiven und online-Recherchemöglichkeiten komme ich nicht weiter, was bleibt mir?

Leider nicht viel. An dieser Stelle sei auf die Grenzen des Stolpersteinprojektes hingewiesen – ein Stolperstein kann nur verlegt werden, wenn zumindest die elementaren Daten und die letzte freiwillig gewählte Adresse herausgefunden wurden. Ist dies nicht möglich, dann kann es leider keinen Stolperstein geben.

Wie gehe ich mit den Quellen aus den Archiven um?

Generell lässt sich sagen, dass der Umgang mit Originaldokumenten besonderer Sorgfalt bedarf und es unerlässlich ist, dass über den entsprechenden Zeitabschnitt idealerweise bereits Vorwissen besteht. Daher sollten Sie bei Unklarheiten oder auch Fragen die ehrenamtlichen Stolperstein-Gruppen in Ihrem Bezirk um Rat bitten. Denn erst die Einordnung der Quelle in ihren jeweiligen historischen Kontext ermöglicht es Ihnen, die Informationen, die eine Quelle bereithält, angemessen zu bewerten. (Ein kriminalpolizeiliches Dokument, das besagt, der Häftling habe ausgesagt, in seiner Widerstandsgruppe seien drei namentlich genannte Personen gewesen, sagt mitnichten aus, dass dies tatsächlich so gewesen war. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Aussage unter Folter zustande gekommen ist, ist groß. Womöglich hat der Gefangene versucht, die Wahrheit zu verschleiern, um sich und Freunde zu schützen. Der Aussagewert ist hier also mit größter Vorsicht zu genießen. Eben solches gilt für die „Vermögenserklärung“ für die Behörde des Oberfinanzpräsidenten, mit denen als jüdisch verfolgte Menschen sowie Sinti und Roma gezwungen wurden, ihr Hab und Gut aufzulisten. Manchen erschien es ratsam, sich reicher, anderen, sich ärmer zu machen, wiederum anderen war es schlicht egal. Die Auflistung wurde in einem Sammellager in größter Angst und angesichts einer vollkommen unklaren Zukunft verfasst).

Eine gute Orientierung liefern die folgenden „W-Fragen“: Wer? sagt was? wann? wo? warum? wie? mit welcher Wirkung? Für eine weitere Einordnung siehe: https://www.km-bw.de/site/pbs-bw/get/documents/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/Seminare/seminar-weingarten/pdf/Fragen%20an%20Quellen.pdf

Als Faustregel gilt: Weniger ist mehr. Verzichten Sie beim Aktenstudium unbedingt auf Spekulation, nicht nur ist sie für Ihre eigene und mögliche weitere Forschung irreführend, sie schadet auch dem Andenken an die betreffende Person, denn sie gibt die Wirklichkeit nicht wieder.


Welche Möglichkeiten habe ich, im Internet zu recherchieren? Was kann ich dort finden?

Datenbank des United States Holocaust Memorial Museum

Die „Database of Holocaust Survivor and Victim Names“ ist die umfangreichste Online-Datenbank zu Verfolgten des Nationalsozialismus. Hier ist es wichtig darauf zu achten, welche Quellen z.B. bei den Adressen angegeben werden. Diese sind oft nur ein erster Anhaltspunkt, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um „Judenwohnungen“ (s.o.) handelt.

https://www.ushmm.org/remember/resources-holocaust-survivors-victims/database-of-holocaust-survivor-and-victim-names

Yad Vashem - Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer

Dies ist die größte Datenbank mit Informationen zu jüdischen Opfern des Nationalsozialismus, die sich aus verschiedenen Archivbeständen und Gedenkblättern von Angehörigen speist. Diese sind vor allem bei der Suche nach Angehörigen ein erster, wichtiger Ansatzpunkt. Angaben wie Namen, Daten und Wohnadressen sind allerdings oft fehlerhaft, die erwähnten Familienbeziehungen und Berufsbezeichnungen dagegen meist verlässlich.

https://yvng.yadvashem.org/index.html

Gedenkbuch des Bundesarchivs zur nationalsozialistischen Judenverfolgung

Datenbank mit biografischen Informationen und Daten zum Verfolgungsweg von jüdischen Todesopfern des Nationalsozialismus mit Wohnort im Gebiet des Deutschen Reichs in den Grenzen vom 31.12.1937.

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch

Datenbank der Opfer aus Theresienstadt

Datenbank der Opfer aus dem Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt, die Einträge beinhalten in der Regel Scans von Dokumenten, wie den Totenschein. Hierauf sind oft Standardantworten des medizinischen Personals zu finden, sie sollten quellenkritisch überprüft werden und entsprechen meist nicht den Tatsachen. Genannte Adressen sind meist die allerletzten Wohnadressen vor der Deportation – diese war in Berlin häufig eines der zahlreichen Sammellager.

https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/

Berliner Adressbücher

Scans historischer Adressbücher Berlins und des Jüdischen Adressbuch für Groß-Berlin, es besteht die Möglichkeit, sowohl nach Familiennamen wie nach Straßennamen zu suchen.

https://digital.zlb.de/viewer/cms/155/

WGA-Datenbank

Der Aktenbestand der „Wiedergutmachungsämter von Berlin“ im Landesarchiv Berlin ist in einer Datenbank zusammengefasst worden. Online kann recherchiert werden, ob für bestimmte Personen Anträge auf Rückerstattung gestellt wurden. Sollte dies der Fall sein, finden Sie dort die entsprechende Signatur. Diese können Sie im Anschluss schriftlich beim Landesarchiv Berlin zur Einsicht im Lesesaal bestellen. Es empfiehlt sich, hier nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ zu suchen, also z.B. nur mit dem Nachnamen anzufangen.

http://wga-datenbank.de/recherche.php?s=3

Findbuch OdF- und VdN-Akten

In dieser pdf finden Sie ab Seite 36 eine Auflistung aller Personen zu denen es im Landesarchiv Berlin eine Akte für ein sogenanntes Opfer des Faschismus (OdF) gibt. Mit einer solchen Anerkennung waren in der sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 in der neugegründeten DDR je nach Region und Stadt verschieden gestaffelte Sozialleistungen verbunden. In den OdF-Akten finden Sie oftmals persönliche Dokumente und zusätzlich oft detaillierte Beschreibungen der politischen Verfolgung. (OdF-Akten von jüdischen Verfolgten befinden sich im Historischen Archiv der Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum.)

http://www.content.landesarchiv-berlin.de/php-bestand/crep118-01-pdf/CRep118-01.pdf

Datenbank Zwangsarbeit Berlin

In dieser Datenbank der Berliner Geschichtswerkstatt finden Sie Berliner Firmen, die Zwangsarbeitskräfte eingesetzt haben.

http://www.baseportal.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/Pagenstecher/zwa_firmen_berlin/zwa_firmen_berlin&range=40

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide hat zwei Datenbanken, die immer wieder aktualisiert werden. Eine zu allen Berliner Firmen, die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter beschäftigt haben, sowie eine zweite zu den zahlreichen Lagern in Berlin, in denen die zwangsrekrutierten Menschen leben mussten. Weitere Informationen hier: https://ns-zwangsarbeit.de

Webportal Forschung zur Zwangsarbeit

Weitere Forschung zu Zwangsarbeit in Berlin finden Sie auf der Homepage des Kulturhistorikers Dr. Bernhard Bremberger http://www.zwangsarbeit-forschung.de/index.html


Archive:

An dieser Stelle ein genereller Hinweis zur Recherche in Archiven: Archive können immer nur sehr spezifische Fragen beantworten und Anfragen wie „Gab es in meinem Haus Menschen, für die Stolpersteine verlegt werden können?“ lassen sich nicht ohne weiteres beantworten. Grundsätzlich benötigen Archive sehr konkrete Informationen zu einer Person (Name, Geburtsdatum, Anschrift), um auf relevante Bestände für die Recherche verweisen zu können. Außerdem haben Archive unterschiedliche Sammlungsschwerpunkte und Strafverfolgungsakten etwa müssen nicht unbedingt dort lagern, wo auch die Akten mit den Vermögenserklärungen zu finden sind. Stellen Sie bitte spezifische Anfragen und informieren Sie sich bitte im Vorfeld, was wo zu finden ist, um den Archiven und auch Ihnen selbst unnötige Arbeit zu ersparen.

Landesarchiv Berlin

Hier werden für archivwürdig befundene Akten von Berliner Behörden etc. gesammelt. Konkret sind dies etwa Archivalien zu den Senats- und Bezirksverwaltungen, Amtsgerichten, Staatsanwaltschaften, Gefängnissen, Rechtsanwaltskammern, Gerichten, Finanzämtern, Standesämtern, Schulen aber auch Theatern und vielem mehr. Von besonderer Relevanz ist die gebührenpflichtige historische Einwohnermeldekartei und der Bestand zu den Verwaltungsakten des Hauptausschusses OdF (Opfer des Faschismus) und des Referates VdN (Verfolgte des Naziregimes). Auch die Akten der Wiedergutmachungsämter von Berlin lagern im Landesarchiv Berlin.

http://landesarchiv-berlin.de/

Brandenburgisches Landeshauptarchiv in Potsdam (BLHA)

Die Zuständigkeit des BLHA erstreckt sich auf das Archivgut aller Stellen des Landes Brandenburg und ihrer Rechts- und Funktionsvorgänger. Für eine Stolperstein-Recherche besonders relevant sind hier die Akten der Vermögenserklärungen der Behörde des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg, die Aufschluss über den Einzug von Vermögenswerten von Jüdinnen und Juden sowie Sinti/Sintezze und Roma/Romnija geben. Zudem lagern dort Akten zu Haftanstalten außerhalb Berlins. Im Bestand zum Kammergericht Berlin erhalten Sie Informationen zu Verlegungen von einer Haftanstalt in eine andere sowie die Urteile wegen Hochverrat.

http://blha.brandenburg.de/

Bundesarchiv Standort Berlin

Die wichtigsten Aufgaben des Bundesarchivs bestehen in der Sicherung und Bereitstellung von Archivgut des Bundes und seiner Vorläufer, also auch dem Deutschen Reich. Bestände mit personenbezogenen Daten von jüdischen Verfolgten sind kaum überliefert.

Zu einzelnen jüdische Einwohnerinnen und Einwohner während der NS-Zeit kann ein Auskunftsersuchen aus der Datenbank „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933 – 1945 in den Grenzen vom 31.12.1937“ sinnvoll sein. In dieser Datenbank werden die Informationen aus verschiedenen Quellen zu einer Person verdichtet.

Für die Stolperstein-Recherche relevant sind Bestände zu Personen, die in Behörden, im Justizdienst oder im Kulturbereich tätig waren, Verfolgte und Verurteilte des NS-Regimes oder Opfern der „Euthanasie“-Morde von 1939 bis 1941. Auch Akten über als „asozial“ stigmatisierte Menschen und Homosexuelle können hier gefunden werden.

http://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Artikel/Benutzen/Hinweise-zur-Benutzung/Unterseite-Persbezogen/Recherche-zur-NS-Zeit/benutzen-recherche-zur-ns-zeit.html

Entschädigungsbehörde im Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten

In der Entschädigungsbehörde lagern unter anderem Akten zu Entschädigungsverfahren, die von Opfern der NS-Verfolgung und deren Angehörigen angestrengt wurden. Oft liefern diese Unterlagen viele Informationen für die Biografie. Meist wurden Entschädigungsanträge parallel mit den Rückerstattungsanträgen gestellt, ein Abgleich mit Dokumenten aus dem Landesarchiv ist hier ratsam.

https://www.berlin.de/labo/entschaedigung-von-ns-unrecht/

Archiv der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

Das Archiv der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum sammelt insbesondere Dokumente zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, aber auch Personalakten jüdischer Zwangsarbeitskräfte und die Akten jüdischer Antragstellerinnen und Antragsteller auf eine Anerkennung als Opfer des Faschismus in den Jahren 1945-1948. Anfragen von Angehörigen werden prioritär behandelt.

https://www.centrumjudaicum.de/cjudaicum_wp/cj-archiv/

Arolsen Archives – Internationales Zentrum über NS-Verfolgung in Bad Arolsen

Hier lagern Unterlagen aus Konzentrationslagern, Gefängnissen, Ghettos, Polizeiakten, Gestapo-Akten, Emigrationslisten und Akten zu Sterbefällen in den ehemaligen deutschen Konzentrationslagern. Insbesondere sind die Bestände relevant für die Suche nach Angehörigen, die überlebt haben.

https://arolsen-archives.org/