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Marie Lewin (geb. Schaefer)

Marie Lewin. Copyright: Peter H. Schaefer
Stolperstein für Marie Lewin. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Manfred-von-Richthofen-Str. 30

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Tempelhof
VERLEGEDATUM
10.12.2006

GEBOREN
06.07.1890 in Gleiwitz (Schlesien) / Gliwice
DEPORTATION
am 26.02.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Marie Schaefer wurde am 6. Juli 1890 in Gleiwitz/Oberschlesien (heute: Gliwice in Polen) geboren, einer Stadt im oberschlesischen Industrierevier, geprägt durch Bergbau und Hüttenbetriebe. Im Jahr 1885 hatte Gleiwitz 1874 jüdische Einwohner, einige der bedeutenden Unternehmer in der oberschlesischen Industrie waren Juden.
Die Eltern stammten aus derselben Gegend: der Vater Wilhelm Schaefer (1852 - 1933) ebenfalls aus Gleiwitz, die Mutter Selma Schaefer, geb. Wiener (1865 - 1942) aus Hohenlohenhütte (heute: Welnowiec in Polen und ein Stadtteil von Kattowitz (Katowice).
Marie Schaefer war das älteste Kind. Sie hatte vier Brüder: Kurt (1892-1916?, gefallen im Ersten Weltkrieg in Frankreich), Richard (1891-1942, mit Ehefrau Margot und Sohn Kurtnach Riga deportiert und ermordet), Ernst (1896-1956, in die USA emigriert, in New York gestorben) und Walter (1899-1943, mit Ehefrau Paula und Sohn Rolf nach Auschwitz deportiert und dort ermordet).
Über die Kindheit und Jugend von Marie Schaefer ist nichts bekannt. 1920 heiratete sie den 1884 in Berlin geborenen Hermann Lewin. Er war laut Berliner Adressbuch "Reisender", d.h. er war Vertreter. Nach der Erinnerung seines Neffen Peter Schaefer, Sohn von Ernst Schaefer, besaß er eine Vertretung für chirurgische Instrumente. Marie wurde in der Familie "Tante Mietze" genannt. Das Ehepaar war gut situiert und wohnte in einer großen Wohnung in der Berliner Straße 25 in Tempelhof. Sie scheinen keine Kinder gehabt zu haben.
1933 starb der Vater von Marie Lewin in Bunzlau (Boleslawiec) der "Töpferstadt" in Niederschlesien, die Mutter Selma zog nach Berlin und wohnte seit 1934 bei ihrem Sohn Walter und seiner Familie in der Graefestraße 91 im Bezirk Kreuzberg.
Marie und Hermann Lewin wohnten seit 1939 zur Untermiete bei Anna und Bruno Neuthal in der Manfred-von-Richthofen-Straße 30. Das Ehepaar Neuthal wurde am 26.09.1942 nach Raasiku in der Nähe von Reval (Talinn) deportiert und dort ermordet, wahrscheinlich wie die Älteren sofort erschossen.
Die Mutter Selma Schaefer war einige Tage vorher, am 22.9.1942 nach Theresienstadt deportiert worden, wo sie am 8.1.1943 starb. Marie Lewin und ihr Ehemann mussten noch einmal umziehen: Sie wohnten zuletzt wiederum als Untermieter bei Johanna Ebenstein, geboren 1885 und ihrer 1909 geborenen Tochter Ilse Ebenstein in der Grolmannstraße 28 in Charlottenburg. Von dort wurden sie - wie auch Johanna Ebenstein - am 26.2.1943 mit dem 30. Osttransport in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. (Ilse Ebenstein war bereits am 19.2.1943 deportiert worden.) Als "Zugang" wurden im Lager 913 Menschen registriert. 106 Frauen und 156 Männer kamen als Häftlinge, d.h. als Arbeitskräfte, ins Lager, die anderen wurden sofort ermordet. Marie Lewin gilt als "verschollen", gehörte also sehr wahrscheinlich zu den Ermordeten.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen

Weitere Quellen

Telefonische und schriftlche Auskunft und Fotografien von Peter Schaefer, Pleasantville/New York (Marie Lewin war die Schwester seines Vaters Ernst Schaefer). Kurt Schilde: Erinnern - und nicht vergessen, Berlin 1988, Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: www.jüdische-gemeinden.de;
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die "Judendeportationen" aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005