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Dr. Helmuth Klotz

Dr. Helmuth Klotz. Copyright: Sylvia-Maria Reiffenstein
Stolperstein für Dr. Helmuth Klotz. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Manfred-von-Richthofen-Str. 221

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Tempelhof
VERLEGEDATUM
07.03.2009

GEBOREN
30.10.1894 in Freiburg
BERUF
Oberleutnant zur See, Jurist und Publizist
HINGERICHTET
03.02.1943 in Plötzensee

Helmuth Klotz war ein früher Anhänger der Nationalsozialisten und bekämpfte sie nur wenige Jahre später entschieden. Geboren wurde er am 30. Oktober 1894 in Freiburg/Breisgau, ab 1909 lebte seine Familie in Karlsruhe, dort legte er 1912 die Reifeprüfung ab. Er trat nun als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein und bestand im April 1914 die Seeoffiziershauptprüfung. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Marineflieger eingesetzt, hoch dekoriert beendete er seinen Dienst im Range eines Oberleutnants zur See.

Nach dem Krieg studierte er Jura, 1921 schloss er sein Studium mit der Promotion, allerdings im Fach Staatswissenschaften, ab. Noch im selben Jahr wurde er Mitglied der NSDAP, trat bald als Redner für die Partei auf. Als SA-Führer beteiligte er sich am 9. November 1923 an der Seite Hitlers an dessen Putschversuch in München. Klotz wurde verhaftet, kam allerdings wenige Monate später wieder auf freien Fuß. Während der kurzen Haftzeit änderte sich seine politische Einstellung grundlegend, er wurde zum entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus. Das führte 1924 zu seinem Ausschluss aus der Partei.

Fünf Jahre später, Anfang 1929, wurde er Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold, einem überparteilichen, de facto jedoch von Sozialdemokraten dominierten Bündnis der Weimarer Zeit zum Schutz der Republik gegen ihre Feinde. Wenig später trat er in die SPD ein. Von 1930 bis 1933 war er Herausgeber der „Antifaschistischen Presse-Korrespondenz“, veröffentlichte mehrere Broschüren, in denen er immer wieder auf die durch den Nationalsozialismus drohende Gefahr hinwies. Im Mai 1932 kam es nach der Veröffentlichung einer Broschüre mit Briefen des SA-Stabschefs Ernst Röhm, aus denen dessen Homosexualität offenbar wurde, zu einer Prügelei zwischen NSDAP-Abgeordneten und Klotz im Restaurant des Reichstags.

Seit Anfang 1933 lebte er mit seiner zweiten Frau, Marie von Bechthold, und zwei Söhnen aus einer ersten Ehe in Tempelhof am Hohenzollernkorso 38a (heute Manfred-von-Richthofen-Straße 221), doch lange konnten sie hier nicht zu Hause sein. Im Februar 1933 stürmte ein SA-Kommando die Wohnung, bedrohte seine Frau und seine Sekretärin und verwüstete die Wohnungseinrichtung, Helmuth Klotz selbst war nicht zu Hause. Am 15. März flüchteten Klotz und seine Familie nach Prag. Nach kurzem Aufenthalt dort kam er am 1. Mai 1933 in Paris an. Von hier aus bekämpfte er nun mit publizistischen Mitteln das nationalsozialistische Regime, gehörte dem Vorstand der Pariser SPD-Gruppe im Exil an. Er arbeitete auch eng mit kommunistischen Widerstandsgruppen zusammen, was im März 1934 zu seinem Ausschluss aus dem SPD Vorstand führte. Im gleichen Monat wurde ihm, wie auch vielen anderen politischen Emigranten auf Grund des „Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit“ die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen.

Auf Einladung der republikanischen Regierung war er 1936 für einige Monate als Kriegskorrespondent in Spanien. Von 1939 bis 1940 war er auch als Berater des französischen Kriegsministeriums tätig. Am 8. Juli 1940, nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris, wurde Helmuth Klotz von der Geheimen Feldpolizei bei Paris verhaftet und ins Deutsche Reich verschleppt. Hier wurde er im KZ Sachsenhausen inhaftiert.

Am 8. September 1942 wurde Anklage wegen Hoch- und Landesverrats gegen Klotz erhoben, am 27. November 1942 fand der Prozess vor dem Volksgerichtshof statt, er wurde zum Tode verurteilt. Der Vorsitzende Richter, Roland Freisler, verkündete das Urteil. Am 3. Februar 1943 wurde Helmuth Klotz in Berlin-Plötzensee hingerichtet.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Ruth Federspiel auf der Grundlage wesentlicher Vorarbeiten von Hannelore Emmerich