Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Else Ansbach (geb. Ring)

Else Ansbach. Copyright: Vera Ansbach
Stolperstein für Else Ansbach Copyright: MTS
VERLEGEORT
Peter-Strasser-Weg 22

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Tempelhof
VERLEGEDATUM
03.06.2004

GEBOREN
01.01.1887 in Lipine (Oberschlesien) / Świętochłowice-Lipiny
DEPORTATION
am 26.10.1942 nach Riga
ERMORDET
29.10.1942 in Riga

Else Ring wurde 1887 als Tochter des Mediziners Dr. Max Ring und dessen Ehefrau Ida in Lipine/Oberschlesien geboren. Am 2. Februar 1909 heiratete sie den Kaufmann Oskar Ansbach (s. dort) und zog zu ihm nach Tarnowitz (Tarnowskie Góry). Dort wurden am 22. November 1909 die Tochter Ruth und am 2. März 1913 der Sohn Herbert geboren. Als nach dem Ersten Weltkrieg Tarnowitz dem polnischen Staat eingegliedert wurde, siedelte die Familie nach Berlin über. Im eigenen Haus in Berlin-Tempelhof, Preußenring 11 (heute: Peter-Strasser-Weg 22), wohnte sie seit 1922.

Else Ansbach war politisch engagiert, unter anderem besuchte sie Veranstaltungen der Liga für Menschenrechte und demonstrierte für die Freilassung von Nicola Sacco und Bartolomeo Vancetti, den beiden in Amerika lebenden italienischen Gewerkschafts-funktionären, die 1920 verhaftet und trotz weltweiter Proteste 1927 hingerichtet wurden.

Ihr philosophisches und literarisches Interesse fand Ausdruck in eigenen Gedichten, die in der Nazizeit satirischen Charakter annahmen. Ihre Verse wurden nicht nur im Freundeskreis geschätzt. Als sie Anfang Februar 1934 anlässlich ihres 25. Hochzeitstages mit ihrem Mann (das letzte Mal) nach Prag reiste, übergab sie der Redaktion der in Deutschland verbotenen „Arbeiter Illustrierten Zeitung“ (AIZ) zwei ihrer Gedichte, die später veröffentlicht wurden. Ihre literarische Betätigung verhalf auch ihrem Sohn zur Freiheit: Herbert Ansbach war 1936 mit einer Gruppe von jungen Kommunisten verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Als Else Ansbach ihren schwer herzkranken Sohn im Zuchthaus Brandenburg besuchte, flüsterte er ihr zu, sie solle einen Antrag auf Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen stellen. Sie tat dies in Form eines Gedichts, in dem sie ihren Kummer ausdrückte, dass ihr herzensguter Sohn, der keiner Fliege etwas zu Leide tun könne und kein Verbrechen begangen habe, unter Verhältnissen leben müsse, die seinen Tod herbeiführen würden. Der Generalstaatsanwalt verfügte daraufhin eine zeitweilige Haftentlassung, die Herbert Ansbach nutzte, um Deutschland auf illegalem Weg zu verlassen. 1938 folgte ihm seine Schwester Ruth ins Exil. Beide Kinder waren in Großbritannien, als ihre Eltern Else und Oskar Ansbach am 26. Oktober 1942 nach Auschwitz und von dort nach Riga deportiert wurden. Drei Tage später wurden sie dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Friedmar Kemper