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Joseph (Josef) Haase

Stolperstein für Josef Haase. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Karl-Marx-Straße 100

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln
VERLEGEDATUM
27.10.2010

GEBOREN
11.08.1878 in Santomischel (Posen) / Zaniemyśl
DEPORTATION
am 03.10.1942 nach Raasiku (b. Reval)
ERMORDET
in Raasiku (b. Reval)

Joseph Haase kam am 11. August 1878 in Santomischel (heute: Zaniemyźl / Polen) im Osten der Provinz Posen als Kind des Schneidermeisters Jonas Haase und seiner Ehefrau Auguste, geborene Jakubowski, auf die Welt. Er stammte aus einer großen Familie von Kaufleuten, Schneidern und Hutmachern. Verheiratet war Joseph Haase mit Helene Schwarzbach, geboren am 24. April 1888 in Wronke (heute: Wronki / Polen).
Seit wann die Familie Haase in Berlin lebte, ist nicht bekannt, in den 1890er Jahren tauchen die aus Santomischel stammenden Mitglieder der Familie zum ersten Mal im Berliner Adressbuch auf: Es finden sich viele Vornamen, auch dieselben, oft unterschiedlich geschrieben (Joseph/Josef), oft auch nur ein Anfangsbuchstabe. Darunter waren Josephs verwitwete Mutter Auguste Haase, die um 1900 in Rixdorf/Neukölln lebte, und der Bruder Michaelis Haase (1876–1929), bei dessen Witwe Margarete, geb. Heynemann, Joseph Haase und seine Ehefrau Helene von 1939 bis zur Deportation wohnen sollten. Und es gab auch: Hermann Haase, Therese Haase, Samuel Haase (1873–1931) und seine Ehefrau Rosa im heutigen Kreuzberg, Daniel Haase, der im Wedding und später in Spandau ein Geschäft für Damenhüte besaß, Rebekka Haase, von Beruf Putzmacherin (1887–1942 Riga) … Sie alle, mindestens zwei Generationen, Eltern und Kinder, Geschwister, Vettern, Schwägerinnen produzierten und/oder verkauften in den Berliner Bezirken bzw. den damals noch selbstständigen Vororten von Berlin Hüte und Putzwaren, also modische Accessoires.
Die Brüder Joseph und Michaelis gründeten im Jahr 1902 ihre eigenen Geschäfte: Michaelis in Neukölln, damals Rixdorf, und Joseph im heutigen Kreuzberg, das es damals als Bezirk noch nicht gab.
Joseph Haases Geschäft für Herrenartikel lag anfangs in der Wrangelstraße 22, nicht weit entfernt von der 1891 eröffneten Markthalle IX in der Eisenbahnstraße 42. Er wohnte im dritten Stock des Hauses. Therese Haase hatte in demselben Haus viele Jahre eine Putzhandlung besessen. Joseph Haase blieb dort bis 1908, aber im Adressbuch für 1909 ist schon ein zweiter Laden in Charlottenburg vermerkt: Gab es in Kreuzberg Herrenhüte, so bot er in der Wilmersdorfer Straße 142 Damenhüte an. Das Geschäft in der Wrangelstraße übernahm Hermann Haase. Ob Joseph Haase daneben in der Kreuzberger Prinzenstraße 79 ebenfalls ein Geschäft besaß oder nur wohnte (oder beides – oder ob der dort verzeichnete Josef als Sohn von Samuel ein ganz anderer war) bleibt unklar.
Während der ersten Jahre der NS-Diktatur wohnten Joseph und Helene Haase in der Lothringer Straße 11 im Bezirk Mitte. Zum 15. Mai 1939 zog das Ehepaar Haase als Untermieter in ein möbliertes Zimmer zu ihrer seit 1929 verwitweten Schwägerin Margarete Haase in die Bergstraße 1 in Berlin-Neukölln (heute: Karl-Marx-Straße 100). Joseph Haase war zuletzt als Zwangsarbeiter bei der Firma Fromm, den 1938 „arisierten“ Gummiwerken von Julius Fromm, in Köpenick beschäftigt.
Am 26. September 1942 wurden Joseph Haase und seine Ehefrau Helene mit über 800 Berlinerinnen und Berlinern nach Raasiku bei Reval (heute Talinn) in Estland deportiert. Die weitaus größte Zahl der Zuginsassen wurde gleich nach der Ankunft in einem nahe gelegenen Waldgebiet erschossen. Nur 19 Deportierte aus diesem Transport überlebten. Das Ehepaar Haase kehrte nicht zurück.

Rebekka Haase wurde am 22. Oktober 1942 in Riga ermordet, Daniel Haase kam am 26. September 1943 im Arbeitserziehungslager Wuhlheide ums Leben. Die Schwägerin und Vermieterin Margarete Haase wurde am 1. März 1943 mit dem „31. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Der Name von Joseph Haase wurde auf dem Stolperstein fälschlicherweise mit "f" geschrieben.

Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Stadtarchiv Magdeburg
Jüdisches Adressbuch 1931
Museum Neukölln