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Philipp Feibusch

Stolperstein für Philipp Feibusch. Fotorechte: D. Janke.
VERLEGEORT
Otto-Nagel-Str. 38

BEZIRK/ORTSTEIL
Marzahn-Hellersdorf – Biesdorf
VERLEGEDATUM
18.06.2003

GEBOREN
17.01.1885 in Rogasen (Posen) / Rogoźno
BERUF
Klempnermeister
FLUCHT
1939 nach England
ÜBERLEBT

Philipp Feibusch wurde am 17. Januar 1885 als Sohn des jüdischen Ehepaars Salomon und Ernestine Feibusch (geborene Kronbach) geboren. Er lernte wie sein Vater Klempner und lebte bis Anfang der 1920er Jahre in seiner Heimatstadt Rogasen (polnisch: Rogoźno) in der damaligen preußischen Provinz Posen. Wie seine zehn Brüder war er Soldat im Ersten Weltkrieg und bekam als Auszeichnung für seine Dienste für das Deutsche Kaiserreich das Eiserne Kreuz verliehen. Einer der Brüder starb an der Front.

1920 heiratete er die fünf Jahre ältere Fanny Alkus, die ebenfalls aus Rogasen stammte und dort mit ihrer Schwester eine Schneiderei betrieb. Kurz nach der Hochzeit zog das Ehepaar Feibusch nach Berlin-Biesdorf in die Königstraße 38 (heute Otto-Nagel-Straße), wo sie ein kleines Geschäft für Eisenwaren, Haus- und Küchengeräte eröffneten. Philipp Feibusch betrieb außerdem eine Klempnerei und Rohrlegerei, während sich seine Frau um den Laden kümmerte. Im Januar 1923 kam ihre einzige Tochter Margot Edith zur Welt.

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde die wirtschaftliche Lage der Familie zunehmend schwieriger. Die Tochter Margot erinnerte sich später, dass ein Teil der Kundschaft begann, das Geschäft erst nach Einbruch der Dunkelheit zu betreten. Anfang Juni 1938 wurde „JUDEN RAUS“ an die Ladenfront geschmiert. Am gleichen Abend kamen junge Männer, vermutlich von der Hitlerjugend, die Philipp Feibusch und seine Familie mit Gewalt aus der Wohnung holten und sie mit einem Fackelzug durch die Straße trieben.

Die Angriffe auf die Familie Feibusch fanden im Rahmen stadtweit durchgeführter Pogrome statt, die sich im Juni 1938 insbesondere gegen jüdische Geschäfte richteten. Joseph Goebbels, NSDAP-Gauleiter der Reichshauptstadt Berlin und „Minister für Volksaufklärung und Propaganda“ sagte am 10. Juni 1938 vor über 300 leitenden Beamten der Stadtverwaltung: „Nicht Gesetz ist die Parole, sondern Schikane. Die Juden müssen heraus aus Berlin!“

Wenige Monate nach diesen Übergriffen löste Familie Feibusch die Wohnung und das Geschäft auf. Ab September 1938 lebten sie zur Untermiete bei einer jüdischen Familie in der Turmstraße 76a in Moabit.

Ein halbes Jahr später, im März 1939, gelang es Philipp Feibusch mit Hilfe von Angehörigen, die in den USA lebten, zusammen mit seiner Frau und seiner damals 16-jährigen Tochter nach England auszuwandern. Dort war ihre finanzielle Situation sehr schwierig, da sie keine Arbeitserlaubnis erhielten und aufgrund der massiven Begrenzungen, die für jüdische Emigranten bestanden, kaum Geld hatten mitnehmen können. Die Einreisegenehmigung war nur unter der Voraussetzung einer Weiterreise in die USA erteilt worden, es sollte allerdings noch Jahre dauern, bis es schließlich dazu kam.

Im Juni 1940 wurde Philipp Feibusch als „feindlicher Ausländer“ interniert. Er verbrachte rund ein Jahr in einem Lager auf der Isle of Man, seine Frau wurde aus gesundheitlichen Gründen bereits nach fünf Monaten entlassen. Sie lebten weitere sieben Jahre in England, bis sie die nötigen Einreisevisa bekamen, um weiter in die USA zu emigrieren. Im Oktober 1948 reisten sie mit dem Schiff nach New York und von dort weiter nach San Francisco. Philipp Feibusch war 63 Jahre alt, als er zum zweiten Mal in zehn Jahren ein neues Leben begann. Er arbeitete noch einige Jahre gelegentlich als Klempner. Im Juli 1967 starb seine Frau Fanny, er selbst lebte noch weitere zehn Jahre in seiner neuen Heimat. Philipp Feibusch starb am 12. Oktober 1977 im Alter von 92 Jahren in San Francisco.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Margot E. Braun: Sie holten uns mit Gewalt aus der Wohnung, in: Thea Koberstein/Norbert Stein: Juden in Lichtenberg mit den früheren Ortsteilen in Friedrichshain, Hellersdorf und Marzahn, hg. vom Kulturbund e.V., Berlin 1995, S. 355f.