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Werner Weinberg

Werner Weinberg © OTFW
VERLEGEORT
Marheinekeplatz 8

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg

GEBOREN
27.05.1924 in Berlin
FLUCHT IN DEN TOD
20.08.1944 in Säckingen

Werner Weinberg wurde am 27. Mai 1925 in Berlin geboren. Er wohnte seit 1940 mit seinen Eltern und seinem Bruder Willi am Marheinekeplatz 8 in Berlin-Kreuzberg.

Sein Vater Siegfried Weinberg (*24.8.1998) stammte aus einer jüdischen Familie in Hamburg. Dort hatte der Vater im Jahr 1912 die Volksschule abgeschlossen und nach dem Umzug der Familie in den Kreis Soltau eine Lehre als Tischler begonnen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zog er nach Berlin und heiratete seine nicht jüdische Ehefrau Frieda Schwarz (*21.6.1894). Bereits 1915 wurde Werner Weinbergs Bruder Willi geboren.

Im Jahr der Geburt von Werner Weinberg hatte der Vater eine Anstellung als Amtsgehilfe gefunden. Aus „rassischen“ Gründen wurde er jedoch 1935 in den Ruhestand versetzt. 1941 wurde die Ehe der Eltern geschieden. Diese häufigen Scheidungen von „Mischehen“ waren oft mit der Hoffnung verbunden, auf diese Weise den nicht jüdischen Ehepartner und vor allem die „halbjüdischen“ Kinder zu schützen. Doch für Familie Weinberg bot auch dieser verzweifelte Versuch keinen Ausweg. Bereits am 16. Januar 1942 kam der ältere Sohn Willi unter ungeklärten Umständen in Potsdam ums Leben.

Mitte November 1943 wurde der Familienvater Siegfried Weinberg zunächst nach Theresienstadt und später weiter nach Auschwitz deportiert. Zwei Tage vor der Befreiung durch die Rote Armee wurde er mit tausenden weiteren Häftlingen bei großer Kälte in das KZ Mauthausen evakuiert. Dort starb er im Alter von 46 Jahren am 20. März 1945 im Sanitätslager an „Kreislaufschwäche“.

Werner Weinberg hatte offensichtlich 1944 versucht, mit einer Flucht aus dem Deutschen Reich sein Leben zu retten. Am 20. August 1944 nahm er sich in Säckingen, das direkt an der Grenze zur Schweiz liegt, das Leben – wahrscheinlich nach einem gescheiterten Fluchtversuch über den Rhein. Einem Text aus dem Bad Säckinger Stadtarchiv ist zu entnehmen, dass die Laufenburger Brücke zwischen dem deutschen Ort und Stein auf der Schweizer Seite schon zu Beginn des Krieges weitgehend gesperrt wurde, trotz vieler Pendler und Familien auf beiden Seiten. Dies geschah vor allem von Seiten der Schweiz. Der Bad Säckinger Brückeneingang wurde 1944 mit Latten vernagelt und mit einer Tür versehen. Posten ließen Grenzgänger nur noch in Ausnahmefällen durch. Auch die Flucht über den Rhein in Richtung Schweiz, ob schwimmend oder im Boot, gelang nicht vielen: Die Grenzüberwachung in der Schweiz war schon zu Kriegsbeginn mit Militär verstärkt worden und der Schweizer Zoll hatte eine militärische Ausrüstung erhalten. So hatten Flüchtlinge auf beiden Seiten der Grenze mit erheblichem Widerstand zu kämpfen, was eine Flucht nahezu unmöglich machte.

Peter Weyden beschreibt in seinem Buch „Stella“ über die Kollaborateurin Stella Goldschlag auch eine Person Namens Günther Rogall. Dieser versorgte viele untergetauchte Berliner Juden mit von ihm gefälschten Papieren. Ihm selber gelang mit solchen Papieren die Flucht über den Rhein bei Säckingen.

Lediglich Werner Weinbergs Mutter überlebte den Krieg und wohnte nach der Befreiung in der Kreuzberger Urbanstraße.


Biografische Zusammenstellung

Burkhard Hawemann