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Karoline Hecht

Stolperstein Karoline Hecht © OTFW
VERLEGEORT
Brunnenstr. 195

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
März 2007

GEBOREN
20.11.1896 in Posen / Poznań
DEPORTATION
am 17.03.1943 nach Theresienstadt
TOT
05.12.1944 im Ghetto Theresienstadt

Karoline Blond wurde am 20. November 1896 in Posen geboren. Sie war eines von acht Kindern des jüdischen Ehepaares Auguste und Isidor Blond. Im Alter von 23 Jahren heiratete sie am 14. März 1920 den Lehrer und Kantor Paul Hecht, der ein Jahr und fünf Tage jünger war als sie. Er stammte ebenfalls aus Posen, hatte dort ein Studium an der jüdischen Kantorenschule absolviert und war als Soldat im Ersten Weltkrieg mit dem Verwundetenabzeichen geehrt worden. Karoline Hecht hatte vier Töchter, die über einen Zeitraum von zwanzig Jahren zur Welt kamen. Die älteste Tochter Ruth wurde am 24. Dezember 1920 in Kosten (polnisch Kościan) geboren, einer Kleinstadt etwa 45 Kilometer südlich von Posen. Eva kam am 3. Oktober 1922 im niederschlesischen Militsch (Milicz) zur Welt, Erika am 28. August 1930 in Königsberg. Im rund hundert Kilometer entfernten Rastenburg (Kętrzyn) war Paul Hecht nach 1925 Lehrer und Kantor sowie Vorstandsmitglied des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten und des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. In den 1930er Jahren zog die Familie nach Berlin, wo am 18. April 1940 die jüngste Tochter Tana im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde geboren wurde. Karoline Hecht war Hausfrau, während ihr Mann von 1938 bis 1942 als Kantor in der Synagoge an der Kaiserstraße tätig war.

Mit ihrem Mann und den beiden jüngeren Töchtern lebte sie in der Brunnenstraße 195 in Berlin-Mitte. An ihrem letzten, vermutlich nicht frei gewählten Wohnsitz in der Rosenthaler Straße 40/41 – den Hackeschen Höfen – wohnten wieder alle sechs Familienmitglieder zusammen. Am 17. März 1943 wurde Karoline Hecht mit ihren Töchtern und ihrem Mann mit dem „4. großen Alterstransport“ ins KZ Theresienstadt deportiert. Ihre damals knapp 13-jährige Tochter Erika schrieb am 8. August 1944 aus Theresienstadt eine Postkarte an den jüdischen Fotografen Abraham Pisarek, der sie von Berlin aus offenbar zuvor mit Lebensmittelpaketen versorgt hatte. Darin heißt es: „Unsere liebe Mutti ist sehr krank, auch Tana geht es noch nicht gut. Beide machen uns große Sorgen.“

Die zweitälteste Tochter Eva wurde am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Für sie wurde in der Landhausstraße 44 in Wilmersdorf ein Stolperstein verlegt. Auch Ruth und Erika wurden nach Auschwitz deportiert, wo sie in einer Munitionsfabrik Zwangsarbeit leisten mussten. Beide überlebten.

Karoline Hecht starb am 5. Dezember 1944 in Theresienstadt, kurz nach ihrem 48. Geburtstag. Nach ihrem Tod versteckte ihr Witwer die vierjährige Tana zunächst in seinem Zimmer. Er brachte dann einen in Theresienstadt tätigen Arzt dazu, sie im Tuberkulose-Sanatorium unterzubringen, wo sie bis zur Befreiung des Lagers blieb. Nach der Befreiung war Paul Hecht Leiter des Durchgangsheims der Jüdischen Gemeinde Berlin. Ruth Hecht heiratete und emigrierte 1946 nach Boston, wohin ihr ihre Schwester Erika und einige Zeit später ihr Vater mit der inzwischen elfjährigen Tana Anfang der 1950er Jahre folgten. Von Karoline Hechts sieben Geschwistern überlebten nur ihre Schwestern Recha, Zilla und Paula die nationalsozialistische Verfolgung.

Auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee 23–25 befindet sich der Grabstein Karoline Hechts. Er trägt die Inschrift „Am 5. Dezember 1944 | 19. Kislew 5705 starb im Konzentrationslager Theresienstadt mein herzinniggeliebtes teures Frauchen unser unvergessliches liebevolles Muttichen Karoline Hecht“.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Bildarchiv Pisarek / akg-images, Jüd. Mädchen Erika Hecht / Foto 1941, AKG469504; Jüd. Mädchen Erika Hecht / Foto um 1941, AKG969958; Jüd. Mädchen Ruth Hecht / Foto 1941, AKG469508; Postkarte von Ruth Hecht an Abraham Pisarek, AKG469487; Berlin / Jewish Cemetery / Photo c. 1953, Grab Karoline Hecht, AKG424020, www.akg-images.de;
Kurzbiographien zur Geschichte der Juden, hg. von Joseph Walk, Leo Baeck Institute, München u.a. 1988 (Kurzbiographie Paul Hecht)
Marie Jalowicz Simon, Untergetaucht. Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940–1945, Frankfurt a.M. 2014 (Erwähnung einer Begegnung mit Kantor Paul Hecht);
United States Holocaust Memorial Museum, Oral history interview with Tana Basa, 21. Juni 1989;
www.statistik-des-holocaust.de, Deportationsliste 4. großer Alterstransport