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Joachim Steinmesser

Stolperstein für Joachim Steinmesser © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Lausitzer Straße 31

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
16.05.2006

GEBOREN
10.07.1932 in Berlin
DEPORTATION
am 10.09.1943 von Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 15.05.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Joachim Steinmesser wurde am 10. Juli 1932 in Berlin geboren. Er war der Sohn der gebürtigen Berlinerin Greta Steinmesser, geb. Nestel, und des Kaufmanns Max Steinmesser, der 1888 im galizischen Brody zur Welt gekommen war. Joachims Vater war vermutlich nach dem Ersten Weltkrieg – als seine Geburtsstadt nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages 1919 polnisch wurde – nach Berlin gezogen und hatte Greta geheiratet. Joachim war das jüngste von drei Geschwistern. Seine Schwester Thea war 1923, sein Bruder Ludwig 1926 in Berlin geboren worden. Seit Mitte der 1920er Jahre hatten Joachims Eltern ein Geschäft für Strumpfwaren und Trikotagen in der Dragonerstraße 24, der heutigen Max-Beer-Straße, nahe des Rosa-Luxemburg-Platzes in Berlin-Mitte betrieben. 1928 waren Max und Greta Steinmesser mit ihren beiden Kindern in eine Wohnung in der Zietenstraße 38 in Neukölln gezogen, wohin sie auch das Geschäft verlegten.
Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden oder Geltungsjuden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Steinmesser. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus Ausbildung, Berufs- und Wirtschaftsleben.
Kurz nach der Geburt von Joachim verstarb sein Vater Max Steinmesser entweder im Winter 1933 oder im Frühjahr 1934. Die Witwe Greta Steinmesser führte das Geschäft für Weißwaren in der Zietenstraße bis 1934/35 als Inhaberin weiter, bevor sie es aufgeben musste. In den folgenden Jahren verlieren sich die Spuren der Familie in Berlin. Erst in den frühen 1940er Jahren lassen sich wieder verlässliche Angaben machen. Joachim Steinmesser lebte mit seiner Mutter in einer Wohnung in der Lausitzer Straße 31 in Kreuzberg. Seine Geschwister Thea und Ludwig teilten sich seit Oktober 1942 eine Zweizimmerwohnung in der Lausitzer Straße 36. Bereits seit Oktober 1941 waren Greta Steinmesser und ihre beiden ältesten Kinder gezwungen, Zwangsarbeit bei der Firma „Charlottenburger Motoren- und Gerätebau KG H. W. Paul“ in der Potsdamer Straße 98 zu leisten. Das Rüstungsunternehmen war Zulieferer von Kriegsmaterial an die Luftwaffe.
Im Frühjahr 1943 wurde die Familie gewaltsam auseinandergerissen. Joachims Geschwister wurden am 27. Februar im Rahmen der reichsweiten Fabrikaktion an ihrer Arbeitsstätte verhaftet, am 1. März mit dem 31. Osttransport in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Joachims Mutter wurde zwei Monate später, am 17. Mai 1943, ebenfalls nach Auschwitz deportiert und in Auschwitz-Birkenau ermordet. Der verwaiste Joachim Steinmesser, gerade elf Jahre alt geworden, wurde am 10. September 1943 mit dem Transport „I/101“ aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nach knapp einem Jahr in Theresienstadt wurde er am 15. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Indra Hemmerling