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Arthur Konn

Stolperstein für Arthur Konn © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Gervinusstr. 4

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
12.05.2006

GEBOREN
07.01.1878 in Włocławek
DEPORTATION
am 19.04.1944 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 15.05.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Arthur Konn wurde am 7. Januar 1878 in Wloclawek (damals Russisch-Polen) geboren als eines von elf Kindern des Zigarettenfabrikanten Lewin Cohn (1836-1885) und seiner Ehefrau Balbina Cohn geb. Marsop (1843-1925). Nach der Ermordung von Zar Alexander II. und den folgenden antijüdischen Pogromen zog die Familie 1881 nach Berlin. Ende 1896 begann Arthur Konn eine Ausbildung zum Bildhauer u.a. als Schüler von Nikolaus Geiger und Ernst Herter. 1899 und 1914 nahm er an den Großen Berliner Kunstausstellungen teil.

Über das Leben von Arthur Konn ist bis zum Frühjahr 1942 wenig bekannt. Wie viele andere Juden auch hatte er sich taufen lassen und war als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg gezogen, aus dem er mit dem Eisernen Kreuz zurückkehrte. In den 1920er und -30er Jahren war er als Bildhauer und Kunsthändler tätig. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, dürfte er überzeugt gewesen sein, seine über die Kunstszene geknüpften Kontakte zu einflussreichen Kreisen würden ihn schützen und die Judenverfolgung unbeschadet überstehen lassen. Allen Warnungen seiner Geschwister zum Trotz, die Deutschland rechtzeitig verlassen hatten, schlug er das Angebot seines bereits in London lebenden Bruders aus, ebenfalls nach England zu emigrieren.

Am 19. April 1942 schrieb er an seine in Holland lebende Nichte:

„.... Man hat mich auf die Liste der nach Polen Evakuierten gesetzt. ... Ich war schon um 5 Uhr auf den Beinen, um 6 Uhr kam keiner und um 7 und 8 Uhr war auch keiner gekommen. Um 9 Uhr ließ ich bei einem Bekannten anrufen, der mir sagen ließ, daß ich wahrscheinlich überzählig war. Und so war es auch. Ich kann Gott danken, daß ich dieser Prüfung entgangen bin. Vielleicht hat auch meine Nationale* geholfen, in dem steht, daß ich anno 14 als Kriegsfreiwilliger bis 1919 Frontsoldat war, Vizewachtmeister bei den Husaren und das Eiserne Kreuz besaß. Vorläufig gehen keine neuen Transporte, und wenn, so hoffe ich doch wieder verschont zu bleiben. Ich fühle noch heute den Schreck in den Knochen. Mein Gepäck habe ich zurückbekommen.“ (* Bestandteil des Militärpasses mit dem Nachweis aller persönlichen Daten des Soldaten).

Spätestens zu dem Zeitpunkt muss Arthur Konn das Ausmaß der Gefahr erkannt haben und tauchte im Juni 1942 unter. Erst als die Geheime Staatspolizei (Gestapo) im August 1943 von seiner Flucht Kenntnis bekam, wurde intensiv nach ihm gesucht.
In seiner polizeilichen Meldeakte steht der Vermerk: "sm 59/36174; besonders langfristig und genau geplantes Untertauchen von 01.06.42 bis 21.03.44"

In seine Wohnung in der Gervinusstraße 4 zog im November 1942 der Bildhauer Otto Hitzberger ein, der im Einvernehmen mit der Gestapo die Räumung durchführte. Das Inventar ist vermutlich der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt zur Verwertung überlassen worden. Sein „inländisches bzw. hinterlassenes Vermögen“ wurde im September 1943 „zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen“.

Am 21. März 1944 wurde Arthur Konn gefasst. Knapp einen Monat später wurde er zunächst mit dem von den Nazibehörden so bezeichneten 104. Alterstransport nach Theresienstadt und Mitte Mai nach Auschwitz deportiert, wo er wahrscheinlich gleich nach seiner Ankunft ermordet wurde.

Quellen: Familienarchiv, Bundesarchiv, Brandenburgisches Landeshauptarchiv


Biografische Zusammenstellung

Text: Cristina Konn-Saile. Entnommen dem Band "Juden in Charlottenburg. Ein Gedenkbuch". Berlin 2009.

Weitere Quellen

Familienarchiv