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Betty Mannheim (geb. Brilles)

Foto:Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
VERLEGEORT
Livländische Str. 28

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
04.10.2010

GEBOREN
03.10.1890 in Plauen
DEPORTATION
am 03.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Betty Brilles kam am 3. Oktober 1890 in der sächsischen Stadt Plauen als Tochter des Kaufmanns Arthur Brilles (1859–1934) und seiner Ehefrau Hedwig, geb. Levin, (1863–1918) auf die Welt.
Der Vater stammte aus Bromberg (heute Bydgoszcz in Polen), die Mutter aus einer Stettiner (heute Szczecin in Polen) Kaufmannsfamilie. Die Familie Brilles handelte in Bromberg mit Leder, Wolle und Getreide. In den Adressbüchern der Stadt taucht der Vater von Betty Brilles nicht als selbstständiger Kaufmann auf.
An Betty Brillles Geburtsort Plauen erinnern die „Plauener Spitzen“, durch deren Herstellung die Stadt bekannt wurde. Zum Zeitpunkt von Bettys Geburt besaß der Vater eine „Manufaktur-, Mode- und Leinenwarenhandlung“ im Zentrum von Plauen. Lange Zeit scheinen die Eltern hier nicht gelebt zu haben. Betty Brilles hatte zwei jüngere Schwestern: die 1892 geborene Helene und die 1893 geborene Erna. Sie kamen in Pasewalk in der Nähe von Stettin auf die Welt.
1896 zog die Familie, nach Berlin, wo sie in Wilmersdorf und Charlottenburg wohnte – damals noch selbstständige Gemeinden. Seit 1908 lebten zuerst die ganze Familie und dann nur die Eltern in der der Charlottenburger Fritschestraße 37. Auch Bettys Großmutter Levin wohnte als Witwe eine Weile bei Tochter und Schwiegersohn. Im Oktober 1918 starb die Mutter von Betty an der Spanischen Grippe, die damals um die ganze Welt ging und Millionen tötete. Der verwitwete Vater blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1934 in der Wohnung.
Betty Brilles heiratete um 1910(?) den 1878 in Schivelbein/Pommern (heute Świdwin in Polen) geborenen Kaufmann Edwin Mannheim. Als Tochter in der Familie Brilles und auch nach der Hochzeit als Hausfrau und Mutter hinterließ sie nur wenige Spuren. Das Ehepaar zog 1911 in das Haus Fürther Straße 12 in Wilmersdorf. Dort hatte vorher Bettys Schwager Hugo Mannheim gewohnt. Es lebte dort bis 1933 und scheint keine Kinder gehabt zu haben. Edwin Mannheim hatte eine 1911 gegründete Elektro- und Radiogroßhandlung in Kreuzberg gekauft, die unter dem Namen Bruno Georgi firmierte. (Nach 1938 bekam sie einen neuen Besitzer, der Firmenname blieb.)
Von der Fürther Straße zog das Ehepaar in eine 4-Zimmer-Wohnung in der 2. Etage des Hauses Livländische Straße 28. Edwin und Betty Mannheim lebten ein gutsituiertes Leben.
Während der NS-Diktatur verloren die Verwandten des Ehemannes in Schivelbein ihre Geschäfte und Häuser, und eine Reihe von ihnen floh Ende der 1930er-Jahre nach Berlin. Edwins Schwester Rosa zog zu ihrem Bruder Edwin und seiner Frau. Außerdem lebte Neffe Ludwig Loepert, Sohn von Edwin Mannheims Schwester Johanna, illegal in der Wohnung. (Er überlebte.)
Im Herbst 1941 gaben das Ehepaar Mannheim und die Schwägerin verschiedenen Bekannten Geld zur Aufbewahrung und verkauften einen Teil der Wohnungseinrichtung.
Betty Mannheim und ihr Ehemann mussten noch als Zwangsarbeiter arbeiten. Sie wurden am 3. März 1943 im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Die Schwägerin Rosa Mannheim wurde am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert und kam dort um. Der Rest der gelagerten Möbel und des Hausrats wurde nach ihrer Deportation im Juni 1943 versteigert. – Lager und Auktionsraum gehörten einer Spedition, deren Mitbesitzer Edgar Brilles, ein Verwandter von Hedwig Brilles, gewesen war. (Er konnte emigrieren und starb 1961 in Großbritannien.)
Von den beiden Schwestern konnte Helene Brilles, die ledig geblieben war, ebenfalls emigrieren. Die Schwester Erna, seit 1923 verheiratet mit Simon (Siegfried) Lazarus, wurde mit ihrem Ehemann am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Sohn Kurt (1925–2017) wurde von den Eltern am 19. Juli 1939 mit einem Kindertransport nach England geschickt und nahm dort den Namen Keith Lawson an.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Adressbuch Kreisstadt Plauen i.V. 1890/91;
Adressbuch Schivelbein;
Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Bromberg auf das Jahr 1858;
Landesarchiv Berlin - Personenstandsunterlagen über ancestry;
https://www.geni.com/people/.