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Frieda Loewy (geb. Hinzelmann)

Foto:B.Plewa
VERLEGEORT
Giesebrechtstr. 11

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
08.05.2011

GEBOREN
16.06.1889 in Köslin / Koszalin
FLUCHT IN DEN TOD
02.06.1942 in Berlin

Frieda Loewy kam als Frieda Hinzelmann am 16. Juni 1889 in Köslin in Westpommern, heute Koszalin, auf die Welt. Die Eltern waren der Kaufmann Leopold Hinzelmann und seine Frau Fanny, geb. Strelitz. Leopold Hinzelmann betrieb ein „Kaufhaus für Herren- und Damenmoden“ in der Bergstraße 8-10. Frieda hatte eine ältere und eine jüngere Schwester. Gertrud wurde 1883 und Margot 1891 geboren. Ob sie weitere Geschwister hatten, ist nicht dokumentiert. Nachdem Gertrud 1907 den Dr. phil. Max Leopold aus Königsberg geehelicht hatte, heiratete Frieda am 20. Oktober 1910 in Köslin den 19 Jahre älteren Kaufmann Julius Loewy, ebenfalls aus Königsberg. Margot heiratete 1921 den Regierungsbaumeister Oskar Neubauer aus Berlin.

So wie wir kaum etwas über Friedas Kindheit und Jugend in Köslin wissen, konnten wir auch nichts über ihr Leben als verheiratete Frau erfahren. Vermutlich lebte sie zunächst mit ihrem Mann in Königsberg, das Adressbuch von Königsberg nennt einen J. Löwy, Handelsmann, in der Schönberger Gasse 7. Ob dies Julius Loewy war, bleibt unklar, ungewiss ist auch, wann Frieda nach Berlin kam. Im Berliner Adressbuch sind mehrere „Julius Loewy, Kaufmann“ verzeichnet, einer von ihnen, von 1931 bis 1934 in der Karlsruher Straße 14 wohnhaft, könnte Friedas Mann gewesen sein, sicher ist das nicht. Sie könnte auch allein nach Berlin gekommen sein, vielleicht nachdem Julius in Königsberg gestorben war.

Frieda Loewy ist im Adressbuch nicht eingetragen. Ihre Spur findet sich erst 1939, als in der Volkszählung vom Mai dieses Jahres Juden auf getrennten „Ergänzungskarten“ erfasst wurden. Darauf mussten sie angeben, wie viele ihrer vier Großeltern Juden waren. Anders als in den Adressbüchern wurden bei der Volkszählung nicht nur die Haushaltsvorstände, sondern alle Bewohner registriert. Frieda wohnte zur Untermiete bei Else Noah in der Giesebrechtstraße 11.

1939 hatten sich die Lebensumstände von Juden drastisch verschlechtert. Schon in den Jahren nach der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten hatten diskriminierende Verordnungen und berufliche Einschränkungen ihr Leben erschwert. Nach den Pogromen vom November 1938 nahmen die antisemitischen Maßnahmen sprunghaft zu, Juden wurden isoliert und nicht nur aus dem beruflichen, auch aus dem sozialen Leben ausgeschlossen. Zahlreiche Verbote bewirkten ihre restlose Ausgrenzung aus öffentlichen Bereichen, sie wurden immer stärker Demütigungen und Willkür ausgesetzt.

Im Mai 1941 wurde Friedas Vermieterin Else Noah genötigt, ihre Wohnung aufzugeben und in beengtere Verhältnisse in die Bamberger Straße zu ziehen. Sehr wahrscheinlich musste auch Frieda zu diesem Zeitpunkt ausziehen, denn es ging den NS-Behörden ja darum, für Nichtjuden Wohnungen frei zu machen. Frieda Loewys letzte bekannte Adresse war die Sybelstraße 54. Auf die Zwangsumsetzungen folgten ab Oktober 1941 die Deportationen von Juden. Frieda musste erleben, wie ihr Schwager Oskar Neubauer, genannt Denny, im August 1941 in Sachsenhausen inhaftiert wurde und am 29. Oktober die ganze Familie, Denny, seine Frau Margot – Friedas Schwester - und deren gemeinsamer Sohn Joachim Heinz nach Lodz verschleppt wurden. Frieda Loewy beschloss, sich einem ähnlichem Schicksal zu entziehen und noch ein letztes Mal selbst über sich zu bestimmen. Am 2. Juni 1942 nahm sie sich das Leben. Sie wurde am 12. Juni auf dem jüdischen Friedhof Weissensee beigesetzt.

Denny Neubauer starb im Ghetto Lodz an den dortigen unmenschlichen Lebensbedingungen am 8. April 1942, Margot überlebte ihn nur bis zum 19. April. Der 15jährige Joachim Heinz wurde am 4. Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof weiterdeportiert und dort ermordet. Das Schicksal der älteren Schwester, Gertrud Leopold, geb. Hinzelmann, konnte nicht geklärt werden. Da sie in keinem Gedenkbuch aufgeführt wird, ist zu hoffen, dass sie den NS-Schergen entkommen konnte.


Biografische Zusammenstellung

Recherchen/Text: Micaela Haas, Stolpersteininitiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Weitere Quellen

Adressbuch Köslin; Adressbuch Königsberg; Statistik des Holocaust