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Isidor Reinberg

Stolperstein für Isidor Reinberg. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Friedrich-Wilhelm-Platz 6

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Friedenau
VERLEGEDATUM
30.03.2012

GEBOREN
07.06.1869 in Rawitsch (Posen) / Rawicz
BERUF
Zigarrenhändler
DEPORTATION
am 09.09.1942 nach Theresienstadt
TOT
27.03.1943 in Theresienstadt

Isidor Reinberg kam am 7. Juni 1869 in Rawitsch/Posen (heute: Rawicz / Polen) als Sohn der Eheleute Gustav und Lina Reinberg, geborene Prinz, zur Welt. Er hatte noch einen jüngeren Bruder: Arthur, geboren in Rawitsch am 17. Februar 1887.

Isodor Reinberg war mit Martha Drauschke verheiratet, geboren 1898 in Berlin als Tochter von Johann Alois und Maria Antonia Drauschke. Sie war keine Jüdin. Das Ehepaar hatte zwei Töchter: Liselotte, geboren am 12. Januar 1921 in Berlin, und Gisela, geboren am 15. Mai 1924 ebenfalls in Berlin.

Isidor Reinberg war von 1924/25 bis 1932/33 Inhaber eines Zigarrengeschäfts am Friedrich-Wihelm-Platz 16. Seit 1933 wohnte die Familie am Friedrich-Wilhelm-Platz 6. Das Geschäft scheint aufgegeben worden zu sein.

Seine Ehefrau Martha befand sich während des Zweiten Weltkrieges in der Heilanstalt Berlin-Buch. Von dort wurde sie in die Heilanstalt Eberswalde verlegt. Am 20. März 1941 wurde Martha Reinberg im Rahmen der sogenannten Euthanasie in der Tötungsanstalt Bernburg in Sachsen-Anhalt ermordet.

Die Tochter Gisela – nach den rassistischen Kriterien der Nationalsozialisten „Mischling 1. Grades“ – hatte am 1. April 1938 die „14. Volksschule“ in der Rheingaustraße 7 abgeschlossen und war in Berlin geblieben. Sie trat 1940 aus der Jüdischen Gemeinde aus.

1942 lebte Isidor Reinberg mit seiner Tochter Gisela in einer Einzimmer-Wohnung in der ersten Etage des Seitenflügels im Haus Friedrich-Wilhelm-Platz 6, er zahlte 25,– RM Miete. Am 9. September 1942 wurde er mit einem Alterstransport vom Anhalter Bahnhof in das Ghettolager Theresienstadt deportiert. Von den 100 Deportierten überlebten nur vier. Isidor Reinberg starb am 27. März 1943 im Ghettolager Theresienstadt.

In seiner Berliner Wohnung wurde nichts von Wert gefunden.

Zu diesem Zeitpunkt war seine Tochter Liselotte bereits ermordet worden. Sie hatte den Klempner Rudolph Engländer, geboren am 15. Februar 1910 in Berlin, geheiratet. Die Eheleute wurden mit ihrem am 6. Oktober 1941 geborenen Sohn (und Enkel von Isidor) Jona Daniel am 3. Februar 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Mutter und Sohn wurden höchstwahrscheinlich sofort ermordet. Rudolph Engländer gehörte zu den 181 Männern, die als Häftlinge in das Lager eingewiesen wurden. Er wurde am 16. Februar 1945 in das KZ Mauthausen transportiert und im Außenlager Hinterbrühl am 31. März 1945 ermordet.

Isidor Reinbergs Tochter Gisela ging nach dem Kriegsende in die Niederlande, heiratete dort (Rijke-Reinberg) und bekam einen Sohn. Sie lebte bis 2008 in Zeist, dann (noch 2012) in einem Altersheim in Amstelveen.

Isidor Reinbergs Bruder Arthur heiratete Ella Tuch, geboren am 5. November in Jurotschin (wohl Jarotschin, heute Jarocin / Polen), Provinz Posen. Die Eheleute lebten in Mannheim und flohen von dort nach Frankreich. Während des Krieges lebten sie in St. Cyr au Mont d’Or/Rhone. Im Oktober 1940 wurde das Paar in das Internierungslager Gurs gebracht und im August 1942 über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert. Dort sind Arthur und Ella Reinberg „verschollen“, das heißt ermordet worden.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Recherchen der Patinnen, der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen