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Lutz Lefébre

Foto: A. Bukschat & C. Flegel
VERLEGEORT
Marburger Str. 3

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
19.06.2012

GEBOREN
11.03.1935 in Berlin
DEPORTATION
am 12.01.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

1937 zog der Kaufmann Otto Lefèbre in die Marburger Straße 3 ein. Er besaß eine Fensterreinigungsfirma, die unter dieser Adresse bis 1941 zu finden war. Im darauf folgenden Jahr tauchte sein Name weder hier noch unter einer anderen Berliner Adresse auf. Aus Archivunterlagen geht hervor, dass der am 6. September 1881 im pommerschen Falkenburg/Złocieniec geborene Otto Lefèbre und seine am 22. Oktober 1903 in Berlin geborene Ehefrau Hertha Lefèbre, geb. Littmann, sowie deren am 11. März 1935 geborener Sohn Lutz Lefèbre in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurden. Der Zug, der am 12. Januar 1943 vom Bahnhof Grunewald abging, war mit 1190 Menschen vollgestopft. Bis auf 127 als „arbeitsfähig“ selektierte Männer wurden alle Insassen, also auch der siebenjährige Lutz Lefèbre, in den Gaskammern von Birkenau getötet. Dasselbe Schicksal hätte den langjährigen Mieter des Hauses, Hermann Frank, erwartet, der am 1. Oktober 1942 84-jährig den Freitod wählte.

Das Haus Marburger Straße 3 gehörte damals Else Mühsam und ihrer Tochter Hildegard Oppenheim, geb. Mühsam. In den Jahren seit der Machtübernahme der Nazis 1933 – bei den Wahlen vom 12. März 1933 erhielt Adolf Hitlers NSDAP in Charlottenburg 43,3 Prozent der Stimmen – hatten viele langjährige Bewohner, unter ihnen der Kommerzienrat Simon und der Kaufmann Löwenthal, die seit Anfang der 1920er Jahre hier wohnten, das Haus verlassen. Löwenthal war innerhalb Berlins umgezogen, Simon ist in den Berliner Adressbüchern nicht mehr vermerkt. Stattdessen taucht der Name auf der Liste der Personen auf, deren Haushalte während der Nazizeit zur Versteigerung standen. In den Jahren nach 1934 wurden viele der langjährigen Bewohner durch dem Nationalsozialismus nahestehende Unternehmen und Verbände ersetzt.

Hildegard Oppenheim, deren 1922 gestorbener Vater Paul Mühsam Jude gewesen war, galt nach der nationalsozialistischen Rassegesetzgebung als „Halbjüdin“. 1928 heiratete sie den 1897 geborenen Juristen Alexander Oppenheim. Diese Ehe wurde 1934 geschieden, Nach einer weiteren Ehe mit dem ebenfalls jüdischen Fabrikanten Moritz Ladewig, die bis 1939 hielt, heiratete sie den dänischen Geschäftsmann Erik Schmidt. Höchstwahrscheinlich ist Hildegard Schmidt durch diese Verbindung der Verfolgung durch die Nazis entgangen, weil sie die dänische Staatsbürgerschaft nachweisen konnte. Anzunehmen ist, dass die Immobilie Marburger Straße 3 im Besitz der ursprünglichen Eigentümer blieb, weil Else Mühsam keine Jüdin war und ihre Tochter durch die dänische Staatsbürgerschaft geschützt war. 1958 trennte sich Hildegard auch von ihrem dritten Mann und heiratete ihren Rechtsanwalt Ernst Dahlmann, aber später ließen auch sie sich scheiden


Biografische Zusammenstellung

Helmut Lölhöffel - Stolpersteininitiative Charlottenburg-Wilmersdorf