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Mary Koppel (geb. Schermer)

Mary Koppel © OTFW
VERLEGEORT
Handjerystr. 81

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Friedenau
VERLEGEDATUM
03.06.2013

GEBOREN
06.12.1921 in Wien
BERUF
Fremdsprachenkorrespondentin
ZWANGSARBEIT
Kabelwicklerin
bei
Siemens & Halske, Gartenfelde
DEPORTATION
am 19.02.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Mary Schermer kam am 6. Dezember 1921 als einziges Kind des Pelzkaufmann Herman Schermer geboren, geboren am 18.8.1891 in Bielitz/Oberschlesien (heute: Bielsko-Biala in Polen), und seiner am 2. Mai 1897 geborenen tschechischen Ehefrau Bianka Schermer, geborene Singer, in Wien auf die Welt. Die Geburtsorte ihrer Eltern gehörten zum habsburgerischen Österreich. Mary Schermer scheint in ihrer Kindheit und Jugend des öfteren umgezogen zu sein und zeitweise beim Vater oder bei der Mutter gewohnt zu haben: In Wien besuchte sie die Volksschule, in Prag eine höhere Töchterschule und schließlich in Berlin eine Handelsschule. Danach absolvierte sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin im Mährisch Ostrau, Wien und Prag. (Das war die "Welt" des Vaters.) Das Ende ihrer Ausbildung im Jahr 1939 fiel in die Zeit, in der sich NS Deutschland Österreich und die Tschechoslowakische Republik "einverleibte" und der Zweite Weltkrieg begann.
Die Mutter Blanka lebte seit 1935 in Berlin bei ihrem Vater, dem Kaufmann Emanuel Singer. Ihm gehörte das Haus Handjerystraße 81. 1937 ließen sich die Eltern scheiden, 1938 heiratete die Mutter ein zweites Mal und emigrierte mit ihrem neuen Ehemann Henry B. Klauber über Nordafrika und Spanien in die USA. Der Vater Hermann Schermer floh 1939 nach England. Mary Schermer zog in das Gut Winkel in der Nähe vonb Spreenhagen in Brandenburg und ließ sich hier zur landwirtschaftlichen Arbeiterin ausbilden. In den Hachschara-Lagern (Hachschara=Vorbereitung) der zionistischen Bewegung und der jüdischen Jugendbewegung wurden Jugendliche für den Aufbau Palästinas ausgebildet. Gut Winkel war ein solches "Lehrgut". Während der ersten Jahre der NS-Diktatur war es zudem ein sicherer Ort für die jungen Juden. Mary Schirmer lernte hier den 1919 in Berlin geborenen Schneider und Kaufmann Fritz Koppel kennen. Im Juni 1941 wurde Gut Winkel aufgelöst.
Mary Schermer hieratete am 17. März 1942 Fritz Koppel. Das Ehepaar wohnte in einer Dreizimmerwohnung im haus des Großvaters Emanuel Singer, Handjerystraße 81, Ecke Niedstraße. Beide wurden zur Zwangsarbeit herangezogen. Mary Koppel musste als Kabelwicklerin im Kabelwerk von Siemens in Gartenfeld arbeiten. (Siemens hatte schon früh eigene "Judenabteilungen" eingerichtet und beschäftigte Tausende von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.)
In den letzten Monaten vor der Deportation wurde in die Wohnung als Untermieter der 1879 in Galizien geboren Sindel Zimet eingewiesen. Er hatte bis dahin bei Verwandten in der "Tuschkastensiedlung" in Zehlendorf gewohnt und war nach deren Deportation ohne Wohnung. (Dort erinnert ein Stolperstein an ihn und seine Familie.)
Am 19. Februar 1943 wurde Mary Koppel mit ihrem Ehemann und dem Untermieter Sindel Zimet nach Auschwitz deportiert. Dort ist sie "verschollen", d.h. sie erhielt keine "Nummer" und wird sofort ermordet worden sein.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen

Weitere Quellen

Heinz Ickstadt für die Initiative Stolperstein in der Handjerystraße (Hrsg.): Quartier Handjerystraße in Berlin-Friedenau, Berlin 2013, Deportationsliste Regional Rundschau v. 12.6.2013, Ilana Michaeli (Hrsg.) u.a.: Gut Winkel - die schützende Insel: Hachschara 1933-1941, LIT Verlag Berlin 2007