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Jakob Gehr

Stolperstein für Jakob Gehr. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Nürnberger Str. 64

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
03.06.2013

GEBOREN
13.04.1870 in Pakosch / Pakość (Posen)
BERUF
Handelsvertreter
DEPORTATION
am 11.09.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 29.09.1942 nach Treblinka
ERMORDET
in Treblinka

Jakob Gehr wurde am 13. April 1870 in Pakosch, einer kleinen Stadt am Fluss Netze im Kreis Mogilno in der Provinz Posen (heute Pakosc in Polen) geboren und kam als Kind nach Berlin. Über seine Eltern, seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Allerdings hat die Recherche ergeben, dass Jakob Gehr aus einer großen jüdischen Familie stammte, die - zum Teil aus der Näche von Tucher in Westpreußen (heute Tuchola in Polen) kommen - in Pakosch und Mogilno lebte. Zur Generation von Jakob Gehr gehörten der Fleischermeister David Gehr und die Textilkaufleute Jacob und Gustav Gehr. Sie könnten Brüder oder/uind Vettern gewesen sein, waren teilweise nachbarn und hatten viele Kinder. Von Mogilno aus zogen die Verwandten - wie zahlreiche Glaubensgenossen - weiter nach Berlin. in den Berliner Adressbüchernd der Weimarer Republik finden sich unzählige Einwohner mit dem Namen "Gehr" oftmals Geschwister und wiederum Kaufleute oder Fleischer.
Von Jakob Gehr ist bekannt, dass er Kaufmann war und möglicherweise jahrelang am Stuttgarter Platz 20 gewohnt hat. 1908 heiratete er die 1873 geborene Martha Schindler. Das Ehepaar bekam drei Töchter: eine als Kind gestorbene erste Tochter unbekannten Namens, 1909 die Tochter Gertrud(e) und 1912 die Tochter Dorothea.
Jakob Gehr nahm am Ersten Weltkrieg als Soldat an der Front teil und kehrte aus dem Krieg mit hohen Orden ausgezeichnet nach Berlin zurück. Im Berliner Adressbuch von 1937 ist er das erste Mal eindeutig zu identifizieren: als Rentner J. Gehr in der Nürnberger Straße 64. Die Tochter Gertrude betrieb unter derselben Anschrift für kurze Zeit einen "Putzsalon", d.h. einen Modesalon bzw. Hutsalon. 1939 emigriete sie nach England, 1955 heiratete sie den 1905 in Karlsruhe geborenen Erich Traub. (Erich Traub starb 1980, Gertrude Traub 1886 in London.) Ihfre Schwester Dorothea, verheiratet mit dem 1908 geborenen Günther Nothmann, hatte Deutschland bereits 1938 verlassen und ging nach Peru. (Günther Nothmann starb 1970 in Lima, Gertrud Nothmann 1995 in Deutschland.)
Im Jahr 1940 starb die Ehefrau Martha Gehr im jüdischen Krankenhaus an Krebs, sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee begraben. Jakob Gehr versuchte ebenfalls nach Südamerika zu emigrieren - dort war nicht allein seine Tochter, sondern dorthin (nach Bolivien und Brasilien) waren auch andere Mitglieder der großen Verwandtschaft entkommen. Im Sommer 1941 erhielt Jakob Gehr das ersehnte Visum für Peru. Es war zu spät. Zum 1. Februar 1942 musste er die Wohnung in der Nürnberger Straße verlassn. Jakob Gehr zog als Untermieter in die große Wohnung des Rechtsanwalts Dr. Arthur Kallmann und seiner Familie in der Geisbergstraße 41. Dort bewohnte er ein Zimmer.
Am 11. September 1942 wurde Jakob Gehr vom Anhalter Bahnhof aus nach Theresienstadt deportiert. Zwei Waggons mit 100 Personen wurden an den "normalen" Zug gehängt. Es sollte niemand überleben: Jakob Gehr wurde am 29. Oktober 1942, wenig mehr als zwei Wochen später mit 2000 Anderen von Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen.

Weitere Quellen

Informationen den Angehörigen, Datenbank Theresienstadt, Gedenkbuch für die Karlsruher Juden, Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005
www.geni.com; www.juedische-gemeinden.de; www.verwaltungsgeschichte.de