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Jakob Bergoffen

Stolpersteine für Felli und Jakob Bergoffen © David Yates
VERLEGEORT
Sophienstraße 6

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
Juli 2010

GEBOREN
15.05.1892 in Oberwaldenburg / Podgórze
BERUF
Inhaber Farbenhandlung
DEPORTATION
am 20.07.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
31.08.1942 in Auschwitz

Jakob Bergoffen wurde am 15. Mai 1892 im westpreußischen Podgorz im Kreis Thorn (heute: Podgórze/Polen) geboren. Aus der Ehe mit seiner Frau Felli, geb. Singer, gingen zwei Söhne hervor: Max (geb. 1921) und Leo (geb. 1922). Die Familie lebte in einer geräumigen Wohnung im Hof VIII/Aufgang H des Gebäudekomplexes Hackescher Hof in der Rosenthaler Str. 40/41.

Jakob Bergoffen betrieb in der nahegelegenen Oranienburger Str. 12 eine bekannte Lack- und Farbenhandlung, in der auch seine Ehefrau mitarbeitete.

Nach 1933 nahm der wirtschaftliche und soziale Druck auch auf die Familie Bergoffen stetig zu – Kunden blieben weg, Umsatz und Verdienst sanken stetig. Schließlich sah sich Jakob Bergoffen gezwungen, den Betrieb zu verkaufen. Der in dieser wirtschaftlichen Notsituation ausgehandelte Preis lag – wie üblich – um ein Vielfaches unter dem tatsächlichen Marktwert, aber selbst diesen vereinbarten Minderbetrag sollte der Käufer nie vollständig bezahlen.

Aufgrund der zunehmenden Schikanen und Übergriffe gegen jüdische Einwohner entschloss sich das Ehepaar schließlich zur Emigration ins vermeintlich rettende Ausland. Im Sommer 1938 übersiedelte die Familie nach Prag. Als hier im März des Folgejahres – nach Abschluss des Münchner Abkommens und der folgenden Zerschlagung der Rest-Tschechoslowakei – die deutsche Wehrmacht einmarschierte, gelang es dem Ehepaar, mit dem jüngeren Sohn Leo mit einem der letzten Züge nach Frankreich auszureisen. Sohn Max besuchte zunächst noch einige Monate eine Schule im Sudetenland und gelangte dann mit einem Flüchtlingstransport nach England. Hier meldete er sich später freiwillig zur Air-Force und kämpfte auf britischer Seite.

Die zweite Flucht von Jakob, Felli und Leo Bergoffen endete schließlich in der Stadt Angers (Loire), wo sich die Familie ansiedelte und einige Jahre weitgehend unbehelligt lebte. Mitte Juli 1942 wurden sie von französischen Gendarmen festgenommen und am 20. Juli 1942 vom Bahnhof Angers-St. Laud nach Auschwitz deportiert. Mit diesem „Convoy Nr. 8“ verschleppte man über 800 Personen aus der besetzten Zone Frankreichs nach Osten, darunter 200 französische Staatsbürger. 390 Frauen und 411 Männer wurden zunächst in das Arbeitslager eingewiesen; 26 Menschen starben unmittelbar nach Ankunft in der Gaskammer.

In Auschwitz wurde auch das Ehepaar Bergoffen ermordet: Jakob Bergoffen starb am 31. August 1942, der Todestag seiner Frau Felli ist unbekannt.

Ihrem Sohn Leo gelang es, bis zur Befreiung des Lagers am 27. Januar 1945 zu überleben. Er kehrte nach Kriegende nach Angers zurück.

Max Bergoffen wanderte nach dem Krieg mit seiner Ehefrau nach Kanada aus.


Biografische Zusammenstellung

Wilfried Burkard