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Mathilde Wurm (geb. Adler)

Fotografie von Mathilde Wurm © GDW
Stolperstein für Mathilde Wurm © OTFW
VERLEGEORT
Genthiner Straße 41

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Tiergarten
VERLEGEDATUM
20.09.2013

GEBOREN
30.09.1874 in Frankfurt/Main
BERUF
Schriftstellerin / Stadtverordnete
FLUCHT
1933 Flucht nach England
FLUCHT IN DEN TOD
01.04.1935 in London

Wir die wir nie Zeit hatten, haben jetzt bedrückend viel. Nicht, daß ich unbeschäftigt wäre! Ich wirtschafte für uns beide. Frauen sind ja nie ohne Beschäftigung, wenn sie wollen. Aber das befriedigt mich nach keiner Richtung, denn das kann jeder machen, und ich könnte und möchte so gerne anderes tun. Augenblicklich versuche ich, irgendeine Stellung zu finden. Ich sage: irgendeine, denn mit 60 Jahren darf man nicht wählerisch sein. Aber die Aussichten auf Erfolg sind denkbar ungünstig. Das Angebot an jüngeren Kräften ist schon sehr groß. Aber ich lasse den Kopf nicht hängen: Alles besser als Konzentrationslager...

Mathilde Wurm am 27. 2. 1935

Mathilde Adler stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie. Nach dem Besuch einer höheren Töchterschule arbeitete sie ab 1896 als Fürsorgerin in Berlin. Seit 1903 leitete sie die Frauenabteilung des Zentralverbandes für Arbeitsnachweise und engagierte sich in der politischen Frauen- und Mädchenausbildung. 1904 heiratete sie den Chemiker und SPD-Reichstagsabgeordneten Emanuel Wurm. In den folgenden Jahren war sie Hausfrau und engagierte sich journalistisch und politisch in der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Sie hatte regen Kontakt mit führenden Politikerinnen wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Luise Kautsky. Als Kriegsgegnerin gehörte sie 1917 zu den Gründungsmitgliedern der USPD. Nach der Revolution wurde sie – ebenso wie ihr Mann, der dann als unbesoldeter Stadtrat dem Magistrat von Berlin angehörte – 1919 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ihr Mann starb 1920. Im selben Jahr wurde Mathilde Wurm, zuerst für die USPD, später für die SPD, in den Reichstag gewählt, wo sie sich vor allem für die Rechte der Frauen und deren praktische Umsetzung engagierte. Sie gab die Zeitschrift „Die Kämpferin“, seit 1922 „Die Gleichheit“, heraus. Bis 1924 blieb sie, obwohl nicht religiös, Mitglied der Jüdischen Gemeinde und äußerte sich in Zeitungsbeiträgen gegen antisemitische Vorfälle. Seit 1928 redigierte sie zusammen mit der politischen Journalistin Dora Fabian die „Sozialdemokratische Pressekorrespondenz“. 1933 wurde Mathilde Wurm noch einmal in den Reichstag gewählt, das Mandat wurde ihr aber nach dem SPD-Verbot vom Juni und der Verordnung zur Sicherheit der Staatsführung vom Juli 1933 entzogen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie Deutschland bereits verlassen. Zunächst emigrierte sie in die Schweiz, wo sie bei einer Schwester in Genf wohnte. Im Februar 1934 floh sie nach London und wohnte dort mit Dora Fabian zusammen. Als die beiden Frauen tot in ihrer Wohnung gefunden wurden, löste der Vorfall zahlreiche Gerüchte aus, die private und politische Motive umfassten. Scotland Yard ermittelte und kam zum Ergebnis der Selbsttötung durch Tabletten am 1. April 1935, die Gründe konnten jedoch nicht geklärt werden. Im thüringischen Bad Salzungen ist eine Straße nach Mathilde Wurm benannt.

Mathilde Wurm war Stadtverordnete 1919–1920 (USPD).


Biografische Zusammenstellung

Aktives Museum Berlin e. V.