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Georg Frost

Georg Frost © OTFW
VERLEGEORT
Witzlebenstr.20

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
15.10.2013

GEBOREN
27.12.1888 in Rawitsch / Rawicz
DEPORTATION
am 17.11.1941 nach Kowno / Kaunas
ERMORDET
25.11.1941 in Kowno / Kaunas, Fort IX

Georg Siegbert Frost wurde am 27. Dezember 1888 in Rawitsch (heute: Rawicz / Polen) geboren. Er war verheiratet mit Erna Frost, geb. Blum. Der Sohn Hans kam 1931 zur Welt.

Im Berliner Adressbuch war Georg Frost von 1935 bis 1940 mit dem Zusatz „Leder“ eingetragen. Im Branchenbuch stand bis 1937 sein Lederwarengeschäft in der Suarezstraße 26, das er, weil er Jude war, nach 1938 nicht mehr führen durfte. Bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 wurde er eigenartigerweise nicht als Bewohner der Witzlebenstraße 20 registriert, ein Grund dafür ist nicht erkennbar. 1941 und 1942 war er mit der Berufsbezeichnung „Arbeiter“ versehen, also war er wahrscheinlich Zwangsarbeiter.

Im Haushalt der Familie Frost lebten zuletzt ebenfalls Georg Frosts ältere Schwester Gertrud Hamburger, geboren am 1. April 1883 in Rawitsch, und James Blum, geboren am 15. Mai 1904 in Schrim, der wahrscheinlich der Bruder von Erna Frost war.

Am 15. November 1941 mussten sich die Familie Frost und James Blum in der in der 1914 eingeweihten Synagoge an der Levetzowstraße 7-8 in Berlin-Tiergarten melden, die als Sammellager missbraucht wurde für Juden, die in Ghettos und Lager nach Osten verschleppt werden sollten. Am 17. November 1941 wurden alle vier in eine Kolonne von 1006 Menschen eingereiht, die in der Nacht, mit wenigen Habseligkeiten bepackt und scharf bewacht, sieben Kilometer von der Levetzowstraße mitten durch Wohngebiete zum Bahnhof Berlin-Grunewald und dort in einen am Gleis 17 bereit stehenden Sonderzug getrieben wurden. 25 der Deportierten waren jünger als zehn Jahre. Dieser Zug sollte zunächst nach Riga in Lettland fahren, wurde aber kurzfristig nach Kowno (Kaunas) in Litauen umgeleitet.

Alle 1006, also auch die Kinder, wurden zunächst in einem in Kowno errichteten Ghetto zusammengepfercht und am 25. November zum Fort IX der historischen Stadtbefestigung geführt. Allein an diesem Tag wurden 2 934 Jüdinnen und Juden, darunter 175 Kinder, erschossen. Insgesamt sind von Juli bis Dezember 1941 in Kowno 137 346 Menschen getötet worden. Die Leichen wurden in Massengräbern verscharrt oder verbrannt.


Biografische Zusammenstellung

Helmut Lölhöffel