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Dora Wilamowska

Stolperstein Dora Wilamowska © Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf, März 2014
VERLEGEORT
Trautenaustr. 16

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
21.03.2014

GEBOREN
15.01.1910 in Stettin (Pommern) / Szczecin
ZWANGSARBEIT
bei
Siemens AG
DEPORTATION
am 10.12.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Dora Wilamowska wurde am 15. Januar 1910 in Stettin geboren. 1914 zogen ihre Eltern Jakob und Hannah Wilamowska sowie ihre älteren Geschwister Josef und Syma nach Gera um. Hier wuchs Dora auf und bekam noch zwei weitere Brüder namens Samuel und Bernhard (Dov) und eine Schwester Leah. Sie studierte am Leipziger Konservatorium Musik, Gesang und Klavier, sie war eine außerordentlich begabte Koloratursopranistin. Um 1930 zog sie nach Berlin und schloss sich später dem Jüdischen Kulturbund an, unter dessen Dach jüdische Musiker auch noch im nationalsozialistischen Deutschland vor jüdischem Publikum auftreten konnten.

Nachdem viele dieser Künstler hatten flüchten müssen, machte Dora Wilamowska Karriere. Sie trat als Schauspielerin in vielen Städten wie Hamburg, Leipzig und Berlin auf. Zwischen 1939 und 1941 übernahm sie etliche Rollen und erhielt für ihren Gesang viel Beifall. In dieser Zeit entwickelte sich eine Beziehung zu Curt Franz Loewy, Sohn von Emma Lewinsky, geb. Levy, und Bruder von Dora Lewinsky, später Hahn. Er war als Autor im Jüdischen Kulturbund tätig. Sie wollten heiraten, was ihnen aufgrund der Nürnberger Rassegesetze der Nazis aber verboten war.

Doras Bruder Josef flüchtete 1938 nach New York, wobei ihm ein dort lebender Cousin half. Ihr Bruder Samuel flüchtete nach Dänemark und arbeitete auf einem Bauernhof, bis er 1941 nach Schweden gebracht wurde, wo er 1948 heiratete. Samuel wanderte im selben Jahr nach New York aus, bekam zwei Töchter, Mary und Doris, und starb 2005. Doris’ Schwester Syma entkam der Judenverfolgung über die Schweiz und Malta nach Palästina, wo sie bis zu ihrem Tod 2000 lebte. Doras jüngster Bruder Bernhard (Dov) hatte schon 1936 mit 14 Jahren nach Palästina geschickt werden können, dort zog er später zwei Söhne, Amos und Shai, groß und starb 2001. Doras Eltern und ihre jüngste Schwester Leah wurden 1938 nach Stawiski in Polen ausgewiesen. Dort hatten sie schwere Zeiten zu erleiden, kamen ins Ghetto Lomza und sind wohl Ende 1941 umgekommen.

Curt und Dora versuchten irgendwie aus Nazi-Deutschland zu flüchten. Sie schrieben Petitionen an südamerikanische Regierungen und nach England und versuchten mehrere Male, nach New York auszuwandern. Aber als die Botschaft der USA in Berlin ihre Listen schloss, hatten sie eine zu hohe Wartenummer und wurden nicht mehr berücksichtigt. Im September 1941 lösten die Nazis den Jüdischen Kulturbund auf, damit endete Dora Wilamowkas künstlerische Laufbahn und sie wurde als Zwangsarbeiterin zur Siemens AG abgestellt.

Zum Zeitpunkt der Volkszählung 1939 war Dora Wilamowska noch in der Uhlandstraße 169 als Untermieterin bei dem Rechtsanwalt Ernst Landsberg gemeldet, der in den Berliner Adressbüchern 1938 und 1939 zu finden ist, dann aber nicht mehr. Er steht auch nicht auf Deportationslisten, also ist er wohl geflüchtet oder gestorben. Von da an und schon vorher wohnte Dora meistens bei Emma Lewinsky und deren Tochter Dora Hahn, geb. Lewinksky, in der Trautenaustraße 16 bei ihrem Verlobten Curt Loewy (Lewinsky). Jedenfalls hatte Dora Wilamowska hier ihren „Lebensmittelpunkt“. Es existiert ein letzter Brief an ihren Bruder nach Amerika mit dieser Adresse.

Emma Lewinsky und ihre Tochter Dora Hahn, geb. Lewinsky, sind am 12. August 1942 nach Theresienstadt deportiert worden. Curt Lewinsky und Dora Wilamowska, die vier Jahre miteinander verlobt waren, konnten offenbar noch eine Weile in Berlin bleiben, sie wurden am 10. September 1943 nach Auschwitz deportiert. Während Curt sofort nach Ankunft vergast wurde, musste Dora im Chor des KZ-Orchesters singen, wofür sie ihre letzten Kräfte aufbot. Vermutlich im November 1943 ist sie im KZ-Krankenhaus Auschwitz im Alter von 33 Jahren an Typhus gestorben.


Biografische Zusammenstellung

Jay Wilamowksy, Übersetzung und Ergänzungen: Helmut Lölhöffel