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Erna Muszkat (geb. Cohn)

Stolperstein für Erna Muszkat. Copyright: Mauren Antkowski
VERLEGEORT
Vorbergstr. 13

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
23.05.2014

GEBOREN
31.07.1894 in Berlin
FLUCHT
1933 nach Frankreich
INHAFTIERT
ab Juni 1940 bis September 1942 in Gurs
INHAFTIERT
ab September 1942 bis zum 02.09.1942 in Drancy
DEPORTATION
am 02.09.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Erna Cohn kam am 31. Juli 1894 als Tochter von Julius (* 13.1.1863) und Rosa Cohn, geborene Bernstein (* 23.9.1863) in Berlin zur Welt. Über Kindheit und Jugend von Erna Cohn ist nichts Näheres bekannt. Sie heiratete den Kaufmann Louis Halpern (* 21.2.1894). Louis Halpern betrieb in der Nassauischen Straße 36 die Apothekenbedarfsartikelfirma "Halperna". Dort kam am 20. September 1920 der Sohn Rolf zur Welt. Im Jahr 1923 ließen sich die Eheleute wieder scheiden. Im selben Jahre heiratete Erna Halpern den Rechtsanwalt Dr. Paul Muszkat (* 5.8.1877 in St. Petersburg). Er hatte seine Rechtsanwaltkanzlei zunächst in der Friedrichstraße 161 und anschließend in der Uhlandstraße 69. Er brachte aus einer früheren Verbindung den Sohn Alexander mit in die neue Ehe. Die Familie Muszkat wohnte bei den Eltern von Erna in der Vorbergstraße 13. Julius Cohn starb am 13. Januar 1928, seine Frau Rosa am 13. Januar 1934. Sie sind beide auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee bestattet. Der Sohn Rolf besuchte drei Jahre lang die Volksschule und kam dann für ein Jahr auf die Jacobson-Schule, ein Alumnat in Seesen. Anschließend kam er auf ein Gymnsium in Mitte und besuchte dieses bis zur Untertertia. Im Jahre 1933 entschloss man sich zur Emigration. Die Familie wanderte nach Straßburg aus. Dort ging der Sohn noch ein Jahr auf ein Gymnasium. Anschließend zog die Familie nach Paris. Im Jahr 1935 kehrte Erna Muszkat mit ihrem Sohn nach Berlin zurück, um hier ihre Schwestern zu besuchen. Sie wurde nach einigen Tagen von der Gestapo vorgeladen. Man warf ihr Hochverrat vor, weil sie sich mehr als ein Jahr außerhalb von Deutschland aufgehalten hatte. Sie kam in das niedersächsische Frauen-KZ Moringen, wo sie zwischen Februar bis Mai 1935 inhaftiert blieb. Zu den inhaftierten ca. 1.350 Frauen aus dem gesamten Reichsgebiet zählten neben Angehörigen der Arbeiterbewegung und Prostituierten auch rassisch und religiös Verfolgte wie Zeuginnen Jehovas sowie Remigrantinnen wie Erna Muszkat. Bei ihrer Entlassung wurde ihr auferlegt, Deutschland innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Sie und ihr Sohn kehrten nach Paris zurück. Dr. Paul Muskat war jedoch nicht mehr in Paris und Erna Muszkat wusste nicht, wo sie ihn finden konnte. Man hatte aber bereits vorher beschlossen, dass der Sohn Rolf nach Palästina auswandern sollte. Im Jahr 1936 reiste Rolf aus. Er arbeitete zwischen 1936 und 1940 als landwirtschaftlicher Arbeiter in Palästina. Seine Mutter blieb in Paris. Noch vor dem Einmarsch der Deutschen am 14. Juni 1940 in Paris wurde sie von der französischen Fremdenpolizei verhaftet. Auf einer Postkarte vom 23. Mai 1940 beruhigt sie ihren Sohn und bittet ihn darum, sich keine Sorgen um sie zu machen. Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich bereits im Lager Gurs, in dem sie von Juni 1940 bis zum September 1942 interniert war. Wie sie ihrem Sohn mitteilte, hatte man sie vorher etwa 80 Tage, d.h. vom März bis Mai 1940, in Camp bei Paris in einem Lager inhaftiert.
Anschließend überführte man sie in das Lager Drancy. Von dort wurde Erna Muszkat am 2. September 1942 nach Auschwitz deportiert. Seitdem gilt sie als verschollen. Ihr Mann Dr. Paul Muskat wurde am 21. Juni 1943 ebenfalls in Frankreich inhaftiert und deportiert.
Der Sohn Rolf Halpern stellte am 18. Oktober 1956 einen Entschädigungsantrag. Die Beweisführung hinsichtlich der Ansprüche gestaltete sich sehr schwierig, da der Aufenthalt von Erna Muszkat in den verschiedenen Lagern nicht eindeutig belegt werden konnte. Der Antrag auf Entschädigung des Schadens an Freiheit vom 18. Oktober 1956 wurde am 27. Juni 1959 aber mit 5.250,-- DM zugunsten des Antragstellers entschieden. Es wurde jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass es sich für die Zeit vor dem 1. Juli 1940 bei der Internierung im Lager Gurs um eine fremdenpolizeiliche Maßnahme der seinerzeit souveränen französischen Regierung und nicht um eine nationalsozialistische Maßnahme handelte. Letztlich wurden schließlich 3.900,-- DM gezahlt.
Louis Halpern, der Vater von Rolf, hatte 1927 erneut geheiratet. Seine Frau hieß Rosl Adler. Mit ihr hatte er einen Sohn Hans-Heinz. Die Familie war 1936 nach Südafrika ausgewandert.

Informationen des Sohnes; LABO


Biografische Zusammenstellung

Dr. Judith Hahn

Weitere Quellen

Quelle/n: Informationen des Sohnes; LABO