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Gertrud Stöckel (geb. Landsberg)

Gertrud Stöckel © OTFW
VERLEGEORT
Stübbenstr. 1

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
19.12.2014

GEBOREN
06.10.1867 in Posen / Poznań
DEPORTATION
am 04.08.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
16.08.1942 in Theresienstadt

Gertrud Landsberg wurde am 6. Oktober 1867 als Tochter von ??? Landsberg und Johanna Landsberg, geborene Kastan, in Posen geboren. Sie war verheiratet mit dem Bauunternehmer Moritz Stöckel, der wie sein Bruder Siegmund ein erfolgreiches Baugeschäft betrieb. Die beiden Brüder mit polnischem Pass waren aus beruflichen Gründen aus Polen über Österreich nach Berlin gekommen. Ob Moritz Stöckel erst in Berlin seine künftige Frau Gertrud kennen und lieben lernte oder sie bereits aus Posen kannte, ist nicht bekannt. Am 29. August 1887 kam in Berlin die Tochter Susanna Rebeka zur Welt, danach folgte mit großem Abstand am 4. März 1899 die Tochter Cäcilie (Celia) und schließlich noch am 30. Juli 1900 die dritte Tochter Margarete. Die Töchter waren allesamt sehr musikalisch und besuchten schon in jungen Jahren das Stern'sche Konservatorium. Die Brüder Stöckel kauften Grundstücke mit kleinen Villen auf, ließen diese abreißen und errichteten große Mietshäuser. So entstanden unter Moritz Stöckel unter anderem die Häuser in der Fregestraße 25, 26 und 27. Sein Bruder Siegmund errichtete die Häuser in der Fregestraße 7, 7a, 8 und 9. Gertrud Stöckel lebte mit ihrer Familie ebenfallls in der Fregestraße 26, ihre Verwandten in der Fregestraße 71. Am 8. Oktober 1910 verstarb ihr Mann im Alter von etwa 48 Jahren und hinterließ eine erst 43jährige Witwe und drei Kinder im Alter von 23, 11 und 10 Jahren. Finanziell muss es Gertrud Stöckel nach dem Tod ihres Mannes nicht schlecht ergangen sein. So finanzierte sie unter anderem ihrer Tochter Cäcilie eine profunde Gesangs- und Pädagogikausbildung an der Universität in Genf und am Neuen Wiener Konservatorium. Gertrud und Susanna Rebeka blieben bis 1936 in der Fregestraße 26 wohnen. Anschließend zogen sie in die Stübbenstraße 1. Die Tochter Margarete, die den am 28. Januar 1896 geborenen Kaufmann Max Blank geheiratet hatte, flüchtete am 22. Juli 1939 über England in die USA. Die Tochter Cäcilie, die bereits in den frühen 1930er Jahren sehr erfolgreich als freischaffende Konzertsängerin, Cembalistin, Pädagogin und Komponistin gearbeitet hatte und mit Bela Zukmann Bizony verheiratet war, konnte ebenfalls noch entkommen. Im Jahre 1941 nahm Gertrud Stöckel ihre mittlerweile verwitwete Schwägerin Elise Felicitas Stöckel (s. dort) in ihrem Haushalt auf. Sie bezog in der Wohnung in der Stübbenstraße 1 die Mädchenkammer. Ihr Mann Siegmund Stöckel war als polnischer Staatsbürger am 28. Oktober 1938 im Verlauf der so genannten "Polenaktion" verhaftet und zusammen mit Max Blank, dem Ehemann von Gertruds Tochter Margarete, und weiteren etwa 17.000 polnischen Juden über die polnische Grenze abgeschoben worden. Bei Bentschen, Konitz bzw. Beuthen gelangten die Deportierten auf polnisches Gebiet. Von dort begaben sich Siegmund Stöckel und Max Blank nach Warschau. Dort starb Siegmund Stöckel nur wenig später am 10. Januar 1939 an einer Lungenentzündung. Max Blank hingegen gelang es, nach Berlin zurückzukehren und zusammen mit seiner Frau Margarete in die USA zu emigrieren.
Gertrud Stöckel und ihre Tochter Susanna Rebeka wurden am 4. August 1942 mit dem 36. Alterstransport nach Theresienstadt gebracht. Nur 14 Tage später war Gertrud tot. Sie starb am 16. August 1942 im Alter von knapp 75 Jahren. Die Todesursache ist nicht bekannt.
Cäcilie Bizony, die sich später Celia nannte, starb am 3. Dezember 1987 in London. Sie hatte einen Sohn, den 1924 geborenen Mathematiker Michael Thomas Bizony.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Judith Hahn

Weitere Quellen

Gertrud Landsberg wurde am 6. Oktober 1867 als Tochter von ??? Landsberg und Johanna Landsberg, geborene Kastan, in Posen geboren. Sie war verheiratet mit dem Bauunternehmer Moritz Stöckel, der wie sein Bruder Siegmund ein erfolgreiches Baugeschäft betrieb. Die beiden Brüder mit polnischem Pass waren aus beruflichen Gründen aus Polen über Österreich nach Berlin gekommen. Ob Moritz Stöckel erst in Berlin seine künftige Frau Gertrud kennen und lieben lernte oder sie bereits aus Posen kannte, ist nicht bekannt. Am 29. August 1887 kam in Berlin die Tochter Susanna Rebeka zur Welt, danach folgte mit großem Abstand am 4. März 1899 die Tochter Cäcilie (Celia) und schließlich noch am 30. Juli 1900 die dritte Tochter Margarete. Die Töchter waren allesamt sehr musikalisch und besuchten schon in jungen Jahren das Stern'sche Konservatorium. Die Brüder Stöckel kauften Grundstücke mit kleinen Villen auf, ließen diese abreißen und errichteten große Mietshäuser. So entstanden unter Moritz Stöckel unter anderem die Häuser in der Fregestraße 25, 26 und 27. Sein Bruder Siegmund errichtete die Häuser in der Fregestraße 7, 7a, 8 und 9. Gertrud Stöckel lebte mit ihrer Familie ebenfallls in der Fregestraße 26, ihre Verwandten in der Fregestraße 71. Am 8. Oktober 1910 verstarb ihr Mann im Alter von etwa 48 Jahren und hinterließ eine erst 43jährige Witwe und drei Kinder im Alter von 23, 11 und 10 Jahren. Finanziell muss es Gertrud Stöckel nach dem Tod ihres Mannes nicht schlecht ergangen sein. So finanzierte sie unter anderem ihrer Tochter Cäcilie eine profunde Gesangs- und Pädagogikausbildung an der Universität in Genf und am Neuen Wiener Konservatorium. Gertrud und Susanna Rebeka blieben bis 1936 in der Fregestraße 26 wohnen. Anschließend zogen sie in die Stübbenstraße 1. Die Tochter Margarete, die den am 28. Januar 1896 geborenen Kaufmann Max Blank geheiratet hatte, flüchtete am 22. Juli 1939 über England in die USA. Die Tochter Cäcilie, die bereits in den frühen 1930er Jahren sehr erfolgreich als freischaffende Konzertsängerin, Cembalistin, Pädagogin und Komponistin gearbeitet hatte und mit Bela Zukmann Bizony verheiratet war, konnte ebenfalls noch entkommen. Im Jahre 1941 nahm Gertrud Stöckel ihre mittlerweile verwitwete Schwägerin Elise Felicitas Stöckel (s. dort) in ihrem Haushalt auf. Sie bezog in der Wohnung in der Stübbenstraße 1 die Mädchenkammer. Ihr Mann Siegmund Stöckel war als polnischer Staatsbürger am 28. Oktober 1938 im Verlauf der so genannten "Polenaktion" verhaftet und zusammen mit Max Blank, dem Ehemann von Gertruds Tochter Margarete, und weiteren etwa 17.000 polnischen Juden über die polnische Grenze abgeschoben worden. Bei Bentschen, Konitz bzw. Beuthen gelangten die Deportierten auf polnisches Gebiet. Von dort begaben sich Siegmund Stöckel und Max Blank nach Warschau. Dort starb Siegmund Stöckel nur wenig später am 10. Januar 1939 an einer Lungenentzündung. Max Blank hingegen gelang es, nach Berlin zurückzukehren und zusammen mit seiner Frau Margarete in die USA zu emigrieren.
Gertrud Stöckel und ihre Tochter Susanna Rebeka wurden am 4. August 1942 mit dem 36. Alterstransport nach Theresienstadt gebracht. Nur 14 Tage später war Gertrud tot. Sie starb am 16. August 1942 im Alter von knapp 75 Jahren. Die Todesursache ist nicht bekannt.
Cäcilie Bizony, die sich später Celia nannte, starb am 3. Dezember 1987 in London. Sie hatte einen Sohn, den 1924 geborenen Mathematiker Michael Thomas Bizony.

Quelle/n: BLHA; Adressbücher Berlin; Deportationsliste; Volkszählungsdaten 1939; Biographie über die Tochter Celia Bizony: www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm... 00001686
Quelle/n: BLHA; Adressbücher Berlin; Deportationsliste; Volkszählungsdaten 1939; Biographie über die Tochter Celia Bizony: www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm... 00001686