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Gertrud Walter (geb. Stern)

Stolperstein für Gertrud Walter. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Levetzowstraße 11a

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit

GEBOREN
07.05.1896 in Berlin
DEPORTATION
am 29.11.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Gertrud Walter kam am 7. Mai 1896 in Berlin als Gertrud Stern zur Welt. Sie war in erster Ehe verheiratet mit dem Rechtsanwalt und Notar Dr. Hugo Ehrlich, mit dem sie zwei Kinder hatte: den 1922 geborenen Gerd und die Tochter Marion, die 1928 zur Welt kam. Seit 1937 wohnte die Familie in der Charlottenburger Giesebrechtstr. 15.

Während des Pogroms im November 1938 wurde Hugo Ehrlich verhaftet und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert; erst 1940 wurde er wieder entlassen und starb Ende desselben Jahr an den Folgen der Haft. In diesem Jahr 1940 musste die Familie in ihrer 7-Zimmer-Wohnung in der Giesenbrechtstraße immer enger zusammenrücken: nach und nach füllte sich die Wohnung mit jüdischen Untermietern, die ihre Wohnungen hatten verlassen müssen. Als die Ehrlichs dort auszogen, hatten zuletzt 14 Menschen in der Wohnung gelebt.

Im Oktober 1941 drohte der Familie Ehrlich – nach Aussagen von Gerd Ehrlich – zum ersten Mal die Deportation, weil Gerd Ehrlich als „politisch verdächtig“ galt. Mit Hilfe von Dr. Benno Walter, einem Freund der Familie und Kollegen von Hugo Ehrlich, gelang es, dies zu verhindern. (Aimée und Jaguar, S. 105) Bis 1938 war Dr. Benno Walter als Rechtsanwalt tätig gewesen und war dann in den Dienst der Jüdischen Gemeinde getreten, wo er als Vorstandsmitglied in der Abteilung Fürsorge tätig war. Vermutlich aufgrund der akuten Bedrohung der Familie Ehrlich gingen Gertrud Ehrlich und Dr. Benno Walter, wahrscheinlich Ende 1941 oder 1942, eine Ehe ein, denn Angestellte der Jüdischen Gemeinde und ihre Familien waren vorerst von der Deportation ausgenommen. Zuletzt lebte die Familie in der Levetzowstr. 11a.

Der Sohn Gerd, der an der Jüdischen Privatschule Dr. Leonore Goldschmidt noch das Abitur hatte ablegen können, musste nun täglich zwölf Stunden Zwangsarbeit leisten. Als im Juni 1942 die letzten verbliebenen jüdischen Schulen geschlossen wurden, traf auch seine Schwester Marion dieses Los. Sie wurde ebenfalls zwangsverpflichtet und musste auf dem Jüdischen Friedhof im Weißensee arbeiten.

Im November 1942 ging dann, wie Gerd Ehrlich berichtete, alles sehr schnell: Auf einer Sitzung der Jüdischen Gemeinde am 19. November weigerte sich Benno Walter, ebenso wie andere Vorstandsmitglieder, an der Organisation der Deportationen mitzuwirken. Noch am selben Tag wurde er verhaftet und für den nächsten Transport nach Osten eingeteilt. Im Sammellager Große Hamburger Straße traf er seine Frau Gertrud und die Stieftochter Marion, denen man sofort den Deportationsbeschluss zugestellt hatte. Gerd Ehrlich blieb ein paar Tage in der elterlichen Wohnung, verkaufte die verbliebenen Wertsachen und bereitete so sein Leben als „U-Boot“, wie die untergetauchten Juden sich nannten, vor. (Aimée und Jaguar, S. 27–28)

Nach zehn Tagen im Sammellager wurden die Eheleute Walter zusammen mit der 14-jährigen Marion mit dem „23. Osttransport“ vom 29. November 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Gerd Ehrlich lebte knapp ein Jahr lang als „U-Boot“ in Berlin. Erst als er auf seine ehemalige Mitschülerin Stella stieß, die für die Gestapo als „Greiferin“ arbeitete, und der Verhaftung knapp entging, entschloss er sich zur Flucht ins Ausland. Im Oktober 1943 passierte er in Singen die grüne Grenze zur Schweiz. Er wanderte 1946 in die USA aus, wo er 18 Jahre lang an der Towson State University in Maryland unterrichtete. Er starb 1998.


Biografische Zusammenstellung

Helga Gläser