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Chaim (Heinrich) Wurzel

Stolperstein für Chaim (Heinrich) Wurzel © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Swinemünder Str. 74

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Gesundbrunnen
VERLEGEDATUM
Juni 2005

GEBOREN
30.11.1891 in Tarnau (Galizien) / Tarnów
BERUF
Hutmacher
INHAFTIERT
ab 13.09.1939 in Sachsenhausen
ERMORDET
15.07.1940 im KZ Sachsenhausen

Chaim Markus Wurzel, auch Heinrich Wurzel genannt, wurde am 30. November 1891 in Tarnów, Kleinpolen, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte, geboren. Er war das älteste von sechs Kindern des jüdischen Ehepaares Rachela (geb. Beitsch) und Isaak Wurzel. In Tarnów besuchte er die Volksschule und lernte anschließend Hutmacher.

1914 zog er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Berlin. Über das österreichische Konsulat wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und nach Italien an die Front geschickt. Nach Kriegsende kehrte er nach Berlin zurück, wo er als Hutmacher arbeitete und zunächst bei seinen Eltern im Prenzlauer Berg wohnte. In der Mendelssohnstraße 7 hatten seine Eltern ein Lebensmittelgeschäft, in dem auch seine jüngste Schwester Rosa arbeitete.

Chaim Wurzel heiratete Selma Meyer, die aus Wirsitz (Wyrzysk) in Posen stammte. Etwa im Jahr 1920 eröffnete er ein Geschäft für Damenhüte und -bekleidung in der Swinemünder Straße 74. Mit seiner Frau bezog er eine 2-Zimmer-Wohnung im gleichen Haus. Ab dieser Zeit nannte er sich Heinrich; unter diesem Namen ist er ab 1921 in den Berliner Adressbüchern zu finden. Neben der Arbeit in seinem Geschäft, an das auch eine kleine Hutmacherei angeschlossen war, war er als Großhandelsvertreter für eine Hutfirma tätig.

Das einzige Kind, das Chaim und Selma Wurzel hatten, starb im Alter von einem Jahr. Im Laufe der 1930er Jahre starben in Berlin auch Chaim Wurzels Bruder Max und seine Schwester Esther, beide wurden keine 40 Jahre alt.

Ab dem 13. September 1939 war Chaim Wurzel im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Seine Frau versuchte über einen Hilfsverein Auswanderungspapiere für ihn zu besorgen und so seine Freilassung zu erwirken. Seine Schwester Chaja (verheiratete Knepel), die im Mai 1939 mit ihren Töchtern nach London emigriert war, bekam im November desselben Jahres einen Brief von ihrer Schwägerin, der sie über die Schweiz erreichte. Selma Wurzel schrieb, dass ihr Mann nicht mehr zu Hause sei. Chaja Knepel verstand die enthaltene Botschaft, wie sie in ihrem Ende der 1950er Jahre gestellten Entschädigungsantrag schreibt: „Da der Brief zensuriert wurde, meinte dieser Ausdruck, dass er in ein Konzentrationslager gekommen war.“ Am 9. Februar 1940 bekam sie einen weiteren Brief ihrer Schwägerin, in dem es hieß, Chaim Wurzel werde nur entlassen, wenn 200 Dollar in einem neutralen Ausland zur Verfügung gestellt würden, zum Zweck seiner Auswanderung. „Da leider unmöglich war, in einem neutralen Land das Geld zu hinterlegen, konnte mein Bruder dem Schicksal nicht entgehen“, so Chaja Knepel.

Am 15. Juli 1940 wurde Chaim Wurzel in Sachsenhausen ermordet. Als offizielle Todesursache wurde eine schwere Zellgewebsentzündung angegeben. Auch Chaim Wurzels Witwe, seine Eltern und seine Schwester Rosa wurden ermordet. Rosa Wurzel wurde am 26. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort drei Tage später umgebracht. Sein Vater Isaak Wurzel wurde am 26. Januar 1943 nach Theresienstadt deportiert, wo er am 12. Juni 1943 starb. Seine Mutter Rachela Wurzel wurde am 28. Mai 1943 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert. Sie starb am 13. Februar 1944. Seine Witwe Selma wurde am 6. März 1943 nach Auschwitz verschleppt. Wann sie dort ermordet wurde, ist nicht bekannt.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen (Auskunft aus der Häftlingsdatenbank)