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Margarete Berndt (geb. Berliner)

Stolperstein Margarete Berndt Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka
Margarete Berndt Bild: Familienarchiv
VERLEGEORT
Kuno-Fischer-Straße 14

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
18.06.2018

GEBOREN
06.01.1889 in Berlin
BERUF
Privatsekretärin
FLUCHT
1938 Guatemala
ÜBERLEBT

Richard Berndt wurde am 23. März 1878 in Berlin geboren. Seine Eltern waren Samuel Siegmund Berndt und dessen Frau Kätchen, geb. Japha. Richard Berndt wurde reisender Handelsvertreter für verschiedene Handwerksprodukte Berliner Betriebe, die er als Warenmuster in seinem Koffer mit sich führte und den möglichen Kunden anbot.
Richard Berndt erhielt für seine Dienste als Soldat im Ersten Weltkrieg das „Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer“. Wie so viele Juden glaubte er, dass ihn diese Auszeichnung vor der Verfolgung durch die Nazis schützen würde. Ein Irrtum, wie er später erfahren musste.
Im Alter von 41 Jahren heiratete er im Juni 1919 die elf Jahre jüngere Margarete Berliner. Sie war am 6. Januar 1889 – und nicht am 8. Januar, wie fälschlich in ihrer Geburtsurkunde angegeben – als jüngstes von zwölf Kindern des Kantors der Adass Jisroel Gemeinde Israel Berliner und seiner Frau Sara geb. Löwy auf die Welt gekommen. Die Gräber des Ehepaares Berliner sind heute noch auf dem Friedhof der Adass Jisroel Gemeinde in Weißensee zu sehen.
Margarete Berndt war vor ihrer Ehe als Privatsekretärin in verschiedenen Firmen beschäftigt und wurde außerdem als Übersetzerin für Englisch und Französisch eingesetzt. Sicherlich war sie eine sehr gut ausgebildete Angestellte, obwohl in ihrer Heiratsurkunde angegeben war „ohne Beruf“.
Das Ehepaar zog am 30. Juni 1919, gleich nach der Hochzeit, in die neue gemeinsame Wohnung, Kuno-Fischer-Straße 14. Am 14. Mai 1921 kam ihre einzige Tochter Ruth Rose auf die Welt.
Als die Situation für die Juden immer unerträglicher wurde und für die siebzehnjährige Ruth Rose kein Besuch einer öffentlichen Schule mehr möglich war, überzeugte Margarete ihren Mann davon, Nazideutschland zu verlassen. Ihre Schwester Dorothea lebte bereits in Guatemala und deren Ehemann hatte gute Beziehungen zum Präsidenten. Durch diese Beziehung erhielten die Berndts ihre Einreisevisa und konnten 1938 nach den üblichen zeitraubenden medizinischen und bürokratischen Überprüfungen mit der Ausreiseerlaubnis die „Caribia“ besteigen und Deutschland den Rücken kehren. Die „Caribia“ legte am 22. Oktober 1938 in Guatemala an und für die Familie Berndt begann das Leben im Exil.
Margarete Berndt errichtete mit Unterstützung ihrer Familie und der Jüdischen Gemeinde eine Pension, in der ankommende jüdische Flüchtlinge eine erste Zuflucht fanden. Richard, der nie Spanisch gelernt hatte, konnte sich nur als Laufbursche betätigen. Er starb am 29. Mai 1947, neun Jahre nach seiner Ankunft in Guatemala; Margarete starb am 2. Oktober 1979.
Ruth Rose heiratete und gründete eine Familie. Sie starb 1997.
Im Jahr 1973 besuchten Margarete und Ruth Rose zusammen mit Michael Levy, Ruth Roses Sohn, ihre frühere Heimatstadt Berlin. Sie fanden die Gräber der Großeltern Berliner in Weißensee und auch das Haus in der Kuno-Fischer-Straße, das den Krieg unbeschadet überstanden hatte.


Biografische Zusammenstellung

Karin Sievert nach Angaben von Michael Levy, Fotos aus Familienbesitz