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Richard Neumann

VERLEGEORT
Baummardersteig 15

BEZIRK/ORTSTEIL
Reinickendorf – Konradshöhe
VERLEGEDATUM
27.11.2018

GEBOREN
06.11.1892 in unbekannt
BERUF
Tischler
ERMORDET
26.04.1945 in Konradshöhe

Richard Neumann wurde am 6.11.1892 in Berlin geboren. Er wuchs mit sechs Geschwistern in kümmerlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war Werkzeugmacher und engagierte sich politisch in der SPD und im Deutschen Metallarbeiterverband. Die politische Einstellung seines Vaters prägte offensichtlich das Familienleben, denn nicht nur Richard, auch seine Schwestern waren politisch tätig.
Richard erlernte den Beruf des Tischlers und ging nach der Lehre auf Wanderschaft. Im ersten Weltkrieg diente er als Soldat. Seine politische Arbeit begann 1919 mit dem Eintritt in die USPD. Nach deren Auflösung trat er der KPD und dem Rotfrontkämpferbund (RFB) bei. Viele Jahre war er Mitglied der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition. Als Arbeitersportler gehörte er dem Arbeiter-Turn- und Sportverein Fichte an.
In Berlin lernte er seine spätere Frau Klara kennen, die aus Thüringen stammte. Auch sie kam aus ärmlichen Verhältnissen. Beide heirateten 1922 und hatten drei Kinder, von denen eines mit sieben Monaten starb. Auch Klara engagierte sich politisch, sie trat 1924 der KPD bei. Im Jahre 1933 zog die Familie mit den beiden Töchtern nach Konradshöhe um. Richard baute selbst den Keller des Hauses in der Nusshäherstraße 52 Ecke Baummardersteig 15 aus.
Nach 1933 setzte Richard seine politische Arbeit in der Illegalität fort, seine Frau hingegen betätigte sich bis 1945 nicht mehr politisch. Ihr Haus wurde häufig durchsucht, Bücher und Schriften wurden beschlagnahmt. Auch seine Schwester -ihr Name ist nicht bekannt-, von 1928 bis 1932 für die KPD Mitglied im Preußischen Landtag, entging nicht der Verfolgung. Nach der Verhaftung im Jahre 1934 wurde sie zu einer Zuchthausstrafe von 21/4 Jahren verurteilt und anschließend in das KZ Moringen deportiert, das sie überleben konnte.
Im August 1942 wurde Richard verhaftet, man warf ihm Beleidigung der Staatsführung und "unnationales Verhalten" vor. Wegen mangelnder Beweise ging er jedoch straffrei aus. Dennoch erlebte er nicht mehr das Kriegsende. Er hatte Zwangsarbeiter, die sich im Wald versteckt hielten, heimlich mit Lebensmitteln versorgt. Drei Tage nach der Besetzung Konradshöhes durch sowjetische Truppen erschossen ihn am 26.April 1945 fanatische Nationalsozialisten. Ein Denkmal auf dem Falkenplatz, errichtet durch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), erinnert seit 1946 an ihn und an den am 25.9.1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichteten Albert Brust, Mitglied der Widerstandsgruppe "Mannhart" bei Rheinmetall-Borsig.


Biografische Zusammenstellung

AG Stolpersteine Reinickendorf

Weitere Quellen

Hans-Rainer Sandvoß, Widerstand in Pankow und Reinickendorf, Berlin 2009
Internet-Informationstext zu den Gedenktafeln in Berlin