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Frida Katschinsky (geb. Benjamin)

Stolperstein für Frida Katschinsky © OTFW
VERLEGEORT
Yorckstraße 82

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
06.10.2020

GEBOREN
13.04.1889 in Berlin
DEPORTATION
am 17.11.1941 von Grunewald nach Kowno (Kauen), Fort IX
ERMORDET
25.11.1941 in Kowno (Kauen), Fort IX

Frida Katschinsky kam am 13. April 1889 in Berlin als Friederike Weiß zur Welt. Ihre Mutter war die ledige Händlerin Jutta Weiß, die der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörte. Ihr Vater ist unbekannt.
Frida wurde von Michaelis (genannt Max) Benjamin und seiner Ehefrau Berta, geb. Klein, aus Fürstenberg / Oder adoptiert und führte seit diesem Zeitpunkt den Familiennamen „Benjamin“. Die Stadt Fürstenberg ist seit 1961 ein Ortsteil von Eisenhüttenstadt, Max Benjamin war dort Kaufmann.
Frida Benjamin hat keinen Beruf erlernt. Sie heiratete am 10. Oktober 1915 den jüdischen Geschäftsführer Salo Katschinsky, der am 6. März 1886 in Tarnowitz / Schlesien geboren wurde.
Das Paar lebte in Fürstenberg / Oder. Dort kam am 26. Juli 1916 die gemeinsame Tochter Rose-Marie Henriette Katschinsky zur Welt.
Salo Katschinsky starb am 23. April 1922 im Alter von 36 Jahren in der Brandenburger „Landesirrenanstalt“ in Sorau (polnisch Żary, etwa 65 km südöstlich von Fürstenberg gelegen). Die Umstände sind nicht näher bekannt.
Frida Katschinsky zog im Mai 1930 mit ihrer Tochter zurück nach Berlin und wohnte zunächst am Belle-Alliance-Platz 4 (heute Mehringplatz), seit April 1935 in der Yorckstraße 82, im ersten Stock des Quergebäudes in einer 4-Zimmer-Wohnung.
Tochter Henriette ergriff den Beruf der Stenotypistin und Kontoristin und arbeitete in einem Immobilienbüro. Sie heiratete im Juni 1936 Bernhard Hirsch Badasch, geb. 1914 in Berlin. Nach der Hochzeit wohnte das junge Ehepaar bei Frida Katschinsky in der Yorckstraße 82. Im Dezember 1936 kam ihre Enkelin Marion Susanne Badasch zur Welt.
Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Frida Katschinsky und die Familie Badasch. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben.
Bernhard Badasch musste Zwangsarbeit als Bauhilfsarbeiter bei der Firma Beton- und Monierbau in Berlin-Siemensstadt leisten. Tochter Henriette war Fabrikarbeiterin in der Buchbinderei und Druckerei von Adolf und Frida Wiegel in der Köpenicker Straße 115. Frida Katschinsky musste keine Zwangsarbeit leisten und kümmerte sich sicherlich zu Hause um ihre Enkelin.
Frida Katschinsky, Bernhard, Henriette und Marion Susanne Badasch wurden Mitte November 1941 in die Synagoge Levetzowstraße in Moabit verschleppt, die kurz vorher zum Sammellager umfunktioniert worden war. Vom Bahnhof Grunewald wurden sie am 17. November 1941 mit dem 6. Osttransport nach Kowno (Kaunas), Fort IX deportiert. Nach vier Tagen kamen sie in der heute zweitgrößten Stadt Litauens an. Das Fort IX, ein Teil der alten Befestigungsanlage von Kaunas, war eine Exekutionsstätte der SS, in der zehntausende Juden aus dem Ghetto Kaunas und deportierte Juden aus dem Deutschen Reich ermordet wurden.
Frida Katschinsky, Bernhard, Henriette und Marion Susanne Badasch wurden dort am 25. November 1941 erschossen.


Biografische Zusammenstellung

Christiana Hoppe