- Location
- Bundesplatz 2
- District
- Wilmersdorf
- Stone was laid
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07 June 2011
- Born
- 06 January 1879 in Berlin
- Deportation
- on 18 October 1941 to Łódź / Litzmannstadt
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Murdered
- 08 May 1942 in Chełmno / Kulmhof
Hedwig Fürst kam am 6. Januar 1879 als zweites von insgesamt sieben Kindern des Kaufmanns Isidor Isaak Fürst (*1852) und seiner Ehefrau Amalie Fürst geborene Barsch (*1855) in Berlin zur Welt. Ihr älterer Bruder Harry war bei ihrer Geburt zwei Jahre alt. Nach Hedwig wurden 1882 Jenny, 1885 Elsbeth, 1886 Margarethe, 1889 Walter und acht Jahre später, 1897, Wolf Erich geboren. Wolf Erich starb mit drei Monaten.
Hedwig wurde Verkäuferin von Beruf.
Ihr älterer Bruder Harry heiratete vermutlich 1905 die Nicht-Jüdin Martha Helene Selma König (*1885). Sie bekamen drei Kinder. Werner (*1906) und Edith (*1909) starben beide im Kleinkindalter. Ilse wurde am 1. August 1907 geboren.
Wann und wo Hedwig ihren späteren Ehemann den aus Graudens (Grudziądz, Polen) stammenden Buchdrucker Jacob Selig (*14. November 1878) kennenlernte, ist nicht bekannt. Hedwig und Jacob heirateten am 22. August 1907. Ein Jahr später, am 18. Juli 1908, wurden sie Eltern eines Sohnes, dem sie den Namen Herbert Isong gaben. Damals wohnten sie in der Schäferstraße 6a in Berlin-Mitte.
Hedwigs drei Jahre jüngere Schwester Jenny heiratete am 22. März 1910 den Kaufmann Franz Josef Süssmann (*21. August 1877). Sie wohnten anfangs in der Alexandrinenstraße 57 in Berlin-Kreuzberg und später viele Jahre lang in der Koblenzer Str. 13 in Berlin-Wilmersdorf.
Am 2. April 1911 verlobten sich in Berlin Hedwigs Schwester Elsbeth, genannt Else, und der 30-jährige Manager Max Bendel (*12. November 1881), der schon mit 21 Jahren nach Philadelphia in die USA gegangen war. Die Hochzeit der beiden fand im Juli 1911 in Chicago statt. Hier kamen auch ihre drei Kinder Ruth (*1913), Donald (*1915) und Victor (*1919) zur Welt. Das Glück war nur von kurzer Dauer, denn schon am 7. Mai 1920 starb der 39-jährige Max Bendel. Elsie, wie sie sich in den USA nannte, blieb mit den Kindern in den USA.
Hedwigs jüngster Bruder, der Kaufmann Walter Fürst, heiratete am 6. November 1919 die evangelische Zahnarztstudentin Adda Berta Rosa Wilhelmine Charlotte Tiedcke (*1893) und zog mit ihr nach Neubabelsberg. Die Ehe wurde zwei Jahre später wieder geschieden.
Am 4. April 1925 heiratete er in zweiter Ehe Elsa Herta Auguste Schneider (*6. August 1898). Diese Ehe wurde im Juli 1932 in Berlin geschieden.
Im Dezember 1919 starb ihr Vater Isidor Isaak mit 67 Jahren in seiner Wohnung in der Durlacher Straße 11. Auch Hedwigs Mutter starb hier im Juli 1923 im Alter von 68 Jahren.
Seit ca. 1924 wohnte Hedwig mit ihrer Familie in der Durlacher Straße 21 in Berlin-Wilmersdorf. Ihr Ehemann Jacob betrieb eine Buchdruckerei ganz in der Nähe in der Sieglindestraße 8 in Berlin-Friedenau.
Ihr Sohn Herbert, der den Beruf des Kaufmanns erlernt hatte, erkannte schon mit 25 Jahren, dass er als Jude in Deutschland keine Zukunft hatte. Er verließ Deutschland Ende Dezember 1933 und reiste über Liverpool in England nach New York, wo er am 9. Januar 1934 eintraf. Seine Tante Elsie war seine Bürgin in den USA.
Am 15. August 1934 emigrierte auch Hedwigs jüngste Schwester Margarethe in die USA und zog zu ihrer Schwester Elsie. Auch der jüngste Bruder Walter wurde Amerikaner.
Drei Jahre später, am 2. Juni 1937, reiste auch Hedwig mit einem Touristenvisum von Bremen mit dem Schiff in der III. Klasse nach New York, wo sie am 8. Juni 1937 mit 14 US-Dollar eintraf. Ziel ihrer Reise war Chicago, wo sie ihren einzigen Sohn Herbert und ihre Schwestern Else und Margarethe besuchte. Sie kehrte noch 1937 zu ihrem Ehemann Jacob nach Berlin zurück.
Bei der „Minderheiten- Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die 60-jährige Hedwig und ihr Ehemann Jacob Selig am Kaiserplatz 2 (heute Bundesplatz 2) gemeldet. In der Durlacher Straße 21, wo sie lange Jahre gewohnt hatten, mussten sie vermutlich 1938 ausziehen. Dort lebten 1939 keine jüdischen Bewohner mehr. Sie zogen an den Kaiserplatz 2, wo Hedwigs Schwester Jenny mit ihrem Ehemann Franz Süssmann schon seit 1934 wohnte.
Ab September 1941 wurden Hedwig und Jacob Selig, wie alle Juden und Jüdinnen im Deutschen Reich, gezwungen, den gelben Stern zu tragen. Einen Monat später, am 16. Oktober 1941, hatten sie sich zusammen mit ihrer Schwester Jenny und deren Ehemann Franz Süssmann im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einzufinden.
Dort wurden sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert. Nicht registriert wurde Jennys Ehemann Franz Süssmann. Er wurde laut Sterbeurkunde von der Polizei am 17. Oktober 1941 in der Landhausstraße 18 in Berlin-Wilmersdorf tot aufgefunden. In der Landhausstraße 18 befand sich das 155. Polizeirevier und die Wohnung des Schriftsetzers F. Mattick. Nach Auskunft der Polizei starb Franz Süssmann am 16. Oktober 1941 um 22.30 Uhr an einem Herzschlag. Es ist davon auszugehen, dass er am Abend des 16. Oktobers in der Wohnung des Schriftsetzers F. Mattick seinem Leben selbst ein Ende setzte, um der Deportation zu entgehen.
Am 18. Oktober 1941 ging es für die zur Deportation vorgesehenen Menschen zu Fuß in strömendem Regen oder zum Teil auf offenen Lastwagen für jeden sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der erste Deportationszug insgesamt 1.251 Personen in den „Osten umsiedelte“, wie es verharmlosend hieß. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes, Karl Litzmann, in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurden Jacob und Hedwig Selig sowie Jenny Süssmann am 19. Oktober 1941 in die Blattbinder Gasse 14 in Raum 14 einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter und das Frühjahr 1942.
Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chelmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielten auch Jacob, Hedwig und Jenny einen „Ausreisebefehl“ für den 8. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurden sie in einem Gaswagen ermordet.
Hedwig Selig musste mit 62 Jahren aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien sterben.
Ihr ältester Bruder Harry, der bei der „Minderheiten-Volkszählung“ noch in Ostpreußen gemeldet war, kam am 4. November 1939 zurück nach Berlin und wohnte zur Untermiete in der Potsdamer Straße 161. Seine Tochter Ilse Popp geborene Fürst lebte mit ihrem „arischen“ Ehemann in Berlin - Mariendorf. Ilse war als Halbjüdin und durch ihren Ehemann vor der Deportation geschützt. Harry Fürst wurde am 17. Juli 1942 mit dem 24. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später am 16. Mai 1944 deportierte die Gestapo ihn weiter in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie ihn mit 66 Jahren ermordeten.
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