- Location
- Bundesplatz 2
- District
- Wilmersdorf
- Stone was laid
-
07 June 2011
- Born
- 14 November 1878 in Graudenz (Westpreußen) / Grudziądz
- Deportation
- on 18 October 1941 to Łódź / Litzmannstadt
-
Murdered
- 08 May 1942 in Chełmno / Kulmhof
Jacob Selig wurde am 14. November 1878 in Graudens (Grudziądz, Polen) geboren. Er war das erste von insgesamt drei Kindern des Kaufmanns Rudolf Selig (*12. Juli 1854) und dessen Ehefrau Therese (Celia) Selig geborene Chanowski (*1857). Seine Schwester Jenny (*17. Juli 1882) kam vier Jahre nach ihm zur Welt. Vermutlich starb seine Mutter Therese bei der Geburt des dritten Kindes Frieda am 20. Mai 1895. Jacob war damals 16 Jahre alt. Sein Vater heiratete 1896 in zweiter Ehe Minna Fabian (*16. Dezember 1863) aus Bischofsburg (Biskupiec, Warmińsko-Mazurskie, Polen). Am 14. Juni 1897 wurde sein Halbbruder Willy David geboren.
Jacob wurde Buchdrucker von Beruf. Im Berliner Adressbuch 1908 war er mit einer Buchdruckerei im Erdgeschoß der Lindenstraße 57 in Berlin-Kreuzberg zu finden.
Wann und wo er seine spätere Ehefrau, die Verkäuferin Hedwig Fürst (*6. Januar 1879), kennenlernte, ist nicht bekannt. Jacob und Hedwig heirateten am 22. August 1907. Ein Jahr später, am 18. Juli 1908, wurden sie Eltern eines Sohnes, dem sie den Namen Herbert Isong gaben. Damals wohnten sie in der Schäferstraße 6a in Berlin-Mitte.
Seit 1924 betrieb Jacob Selig seine Buchdruckerei in der Sieglindestraße 8 in Berlin-Friedenau. Zusammen mit seiner Familie wohnte er in der Durlacher Straße 21 in Berlin-Wilmersdorf.
Ihr Sohn Herbert, der den Beruf des Kaufmanns erlernt hatte, erkannte schon mit 25 Jahren, dass er als Jude in Deutschland keine Zukunft hatte. Er verließ Deutschland und reiste über Liverpool in England nach New York, wo er am 9. Januar 1934 eintraf.
Am 19. Januar 1937 starb Jacobs Vater Rudolf Selig mit 82 Jahren. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Seine letzten Jahre hatte er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Minna bei seiner jüngsten Tochter Frieda Herzfeld in der Calvinstraße 8 in Berlin-Moabit gelebt. Seine Witwe Minna Selig flüchtete Anfang 1939 zusammen mit ihrem Sohn Dr. med. Willy Selig, Jacobs Halbbruder, nach Großbritannien, wo sie 1942 mit 79 Jahren starb.
Jacobs Schwester Frieda Herzfeld war schon ein Jahr zuvor, am 1. Juni 1938, mit ihrem Ehemann Sally und ihren zwei Kindern über Southampton nach New York geflüchtet.
Die Geschwister Jacob Selig und Jenny Studinski geborene Selig blieben in Berlin. Bei der „Minderheiten- Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren der 61-jährige Jacob Selig und seine Ehefrau Hedwig am Kaiserplatz 2 (heute Bundesplatz 2) gemeldet. In der Durlacher Staße 21, wo sie lange Jahre gewohnt hatten, mussten sie vermutlich 1938 ausziehen. Dort lebten 1939 keine jüdischen Mitbewohner mehr. Sie zogen an den Kaiserplatz 2, wo Jacobs Schwägerin Jenny Süssmann geborene Fürst mit ihrem Ehemann schon seit 1934 wohnte.
Ab September 1941 wurden Jacob und Hedwig Selig, wie alle Juden und Jüdinnen im Deutschen Reich, gezwungen, den gelben Stern zu tragen. Am 16. Oktober 1941 hatten sie sich zusammen mit Jacobs Schwägerin Jenny und deren Ehemann Franz Süssmann im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einzufinden. Dort wurden sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.
Nicht registriert wurde ihr Schwager Franz Süssmann. Er wurde laut Sterbeurkunde von der Polizei am 17. Oktober 1941 in der Landhausstraße 18 in Berlin-Wilmersdorf tot aufgefunden. In der Landhausstraße 18 befand sich das 155. Polizeirevier und die Wohnung des Schriftsetzers F. Mattick. Nach Auskunft der Polizei starb Franz Süssmann am 16. Oktober 1941 um 22.30 Uhr an einem Herzschlag. Es ist davon auszugehen, dass er am Abend des 16. Oktobers in der Wohnung des Schriftsetzers F. Mattick seinem Leben selbst ein Ende setzte, um der Deportation zu entgehen.
Zwei Tage später, am 18. Oktober, ging es zu Fuß in strömendem Regen oder zum Teil auf offenen Lastwagen für jeden sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der erste Deportationszug insgesamt 1.251 Personen in den „Osten“ transportierte. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurden Jacob, Hedwig und Jenny Süssmann in die Blattbinder Gasse 14 in Raum 14 einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter und das Frühjahr 1942.
Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chelmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielten auch Jacob, Hedwig und Jenny Süssmann einen „Ausreisebefehl“ für den 8. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurden sie in einem Gaswagen ermordet.
Jacob Selig musste mit 63 Jahren aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien sterben.
Seine Schwester Jenny und ihr Ehemann Kasper Studinski wurden am 14. November 1941 mit rund 1000 anderen Berliner Juden vom Bahnhof Berlin-Grunewald nach Minsk deportiert. Nach rund 1100 km und einer viertägigen Fahrt kamen sie in der weißrussischen Hauptstadt an. Minsk wurde eines der Zentren des Massenmordes in den besetzten Ostgebieten. Jenny und Kaspar Studinski wurden im Ghetto Minsk ermordet und am 8. Mai 1945 für tot erklärt.
All texts and images on this website are protected by copyright and may not be used without the permission of the copyright holder.