- Location
- Hektorstr. 9
- District
- Halensee
- Stone was laid
-
20 October 2009
- Born
- 13 November 1871 in Posen (Poznan)
- Deportation
- on 01 November 1941 to Łódź / Litzmannstadt
-
Dead
- in Łódź / Litzmannstadt
Balbina Bianka Oppenheim wurde am 13. November 1871 in Posen (Poznań, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den aus Wollstein (Wolsutyn, Polen) stammenden Kaufmann Moritz Oppenheim (*ca. 1839) und dessen Ehefrau Bertha Oppenheim geborene Asch (*ca. 1843), war sie das dritte von insgesamt fünf Kindern. Ihr Bruder Max (*19. Februar 1868) war drei Jahre und ihre Schwester Gertrud (*15. Februar 1870) ein Jahr älter als sie. Ihre Schwester Thekla (*12. August 1873) war zwei Jahre und ihr Bruder Alfried (*21. April 1875) drei Jahre jünger als sie.
Als ihre Mutter am 16. Oktober 1899 mit 56 Jahren starb, wohnte die Familie schon in Berlin. Sechs Jahre später starb auch ihr Vater mit 66 Jahren am 23. Januar 1905. Die Familie wohnte damals in der Blankenfelder Straße 16 in Berlin-Pankow.
Ihre jüngere Schwester Thekla und Louis Cohn heirateten am 26. März 1908 in Berlin. Sie wohnten damals in der Suarezstraße 24/25 in Charlottenburg, wo ihr Bruder Alfried schon vorher wohnte.
Ihre älteste Schwester, die 42-jährige Gertrud, heiratete am 12. März 1912 den 37-jährigen Hermann Sgaller (*19. August 1865). Ihr jüngster Bruder, der Kaufmann Alfried, heiratete am 8. Oktober 1912 die Buchhalterin Emma Soldin (*4. Juni 1869) und ihr ältester Bruder, der 45-jährige Kaufmann Max Oppenheim, heiratete am 30. September 1913 die 30-jährige Kassiererin Marie Luise Hänel (*6. Februar 1883). Balbina Bianka blieb ledig und wohnte vermutlich bei ihrer ältesten Schwester Gertrud.
Im März 1913 zogen Thekla und Louis, sowie ihr ältester Bruder Max, in eine 4-Zimmer-Wohnung in der Hektorstraße 9/10 in Wilmersdorf. 1914 begann der Erste Weltkrieg, in dem ihr jüngster Bruder Alfried am 29. Juli 1917 an der Front fiel.
Am 13. Juni 1929 starb Louis, der Ehemann ihrer jüngeren Schwester Thekla, mit 61 Jahren. Thekla wurde mit 55 Jahren Witwe. Vermutlich zog Balbina in dieser Zeit zu ihr. Ihre ältere Schwester Gertrud starb am 30. August 1934, nur zwei Monate nach ihrem Ehemann. Ein halbes Jahr später starb am 2. April 1935 auch ihr ältester Bruder Max. Nun waren die beiden Schwestern in schwierigen Zeiten allein. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Balbina und Thekla in der Hektorstraße 9/10 gemeldet. Ob damals schon Untermieter bei ihnen wohnten, konnte nicht recherchiert werden.
Ab 1940 wurde die gesamte deutsche Industrie auf Kriegswirtschaft umgestellt. Bei der Zeiss Ikon AG Goerswerk in Berlin-Zehlendorf gab es eine 400 Zwangsarbeiter starke jüdische Abteilung, zu der auch ihre Schwester Thekla gehörte, demnach führte die 69-jährige Balbina den Haushalt.
Die „Halbjüdin“ Margarete Weinlaub (*27. Januar 1889), die bei der „Minderheiten-Volkszählung“ noch in der Paulsborner Straße 93 gemeldet war, zog am 1. April 1940 zur Untermiete bei Balbina und Thekla ein. Auch die „Halbjüdin“ Gertrud Hirschberg (*28. September 1893) war bei der „Minderheiten-Volkszählung“ nicht in der Hektorstraße 9/10, sondern noch in der Dahlmannstraße 16 in Berlin-Charlottenburg gemeldet. Wann sie einzog, ist nicht bekannt.
Aus dem Haus Hektorstraße 9/10 erhielten im Oktober 1941 nicht nur Balbina und ihre Schwester Thekla Cohn Deportationsbefehle, sondern auch ihre drei Untermieterinnen, von denen nur Margarete Weinlaub und Gertrud Hirschberg recherchiert werden konnten, sowie die Hauptmieterin einer anderen Zwangswohnung, die Witwe Elisabeth Bonnem und ihr 17-jähriger Sohn Heinz Bonnem, sowie deren Untermieterin Fanny Bachenheimer. Nachdem sie ihre Vermögenserklärungen ausgefüllt hatten, mussten sie sich in der Sammelstelle in der umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße einfinden. Am 1. November 1941 deportierte die Gestapo sie vom Güterbahnhof Moabit an der Putlitzstraße. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurden Balbina Oppenheim und Thekla Cohn in die Wohnung 37 im Alexanderhof 39 einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter. Balbina starb am 24. Februar 1942 im Ghettokrankenhaus mit 71 Jahren an Altersschwäche.
Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chełmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielt auch Thekla einen „Ausreisebefehl“ für den 6. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurde sie am 8. Mai 1942 in einem Gaswagen ermordet. Auch Thekla Cohn geborene Oppenheim musste aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien mit 70 Jahren sterben.
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