Arthur Redlich

Location 
Hohenzollerndamm 201
District
Wilmersdorf
Stone was laid
29 September 2010
Born
01 September 1874 in Berlin
Deportation
on 29 October 1942 to Theresienstadt
Murdered
23 September 1943 im Ghetto Theresienstadt
Biography

Arthur Redlich wurde am 1. September 1874 in Berlin als zweites von insgesamt acht Kindern geboren. Regina Redlich war das achte und damit jüngste Kind der Familie.

Ihre Eltern waren der Kaufmann Moritz Moses Redlich (*1840) aus Peitz in Brandenburg und dessen Ehefrau Amalie Redlich geborene Redlich (*1847) aus Bomst (Babimost)/Posen. Eugen Roger, der älteste Bruder, war schon zwei Jahre vor Arthur am 20. November 1872 zur Welt gekommen. Georg (*1876), Willy (*1878) und Margarete (*1879) starben schon als Babys. Arthurs sechs Jahre jüngere Schwester Gertrud wurde am 23. November 1880 geboren. Es folgte 1885 Eleonore, aber auch sie starb in ihrem ersten Lebensjahr. Danach zog die Familie von Berlin nach Frankenberg in Oberschlesien, wo am 20. Januar 1889 die jüngste Schwester Regina geboren wurde. 

Der Vater Moritz Moses Redlich starb mit 62 Jahren am 3. Februar 1902 in Rosenthal (heute ein Ortsteil von Dahme/Mark). Regina war damals erst 13 Jahre alt. Arthur und sein älterer Bruder Eugen lebten vermutlich schon in Berlin.

Wie sein Vater hatte Arthur den Beruf des Kaufmanns erlernt.

Der älteste Bruder Eugen heiratete am 15. Dezember 1903 die 27-jährige Klara, genannt Claire, Kreitner (*12. Februar 1876) aus Zbaraż, Galizien, Österreich-Ungarn (Zbarazh, heute Ukraine). Neben dem Brautvater war Arthur Trauzeuge. Die Brüder lebten vor Eugens Ehe zusammen in der seit 1963 nicht mehr existierenden Marsiliusstraße 22 in Berlin-Mitte. Am 9. Oktober 1904 wurde Eugen Vater seiner ersten Tochter, Rita. Erst 13 Jahre später kam am 7. April 1917 ihre zweite Tochter Margot zur Welt.

Als ihre Mutter Amalie Redlich am 25. November 1915 nach langer schwerer Krankheit im 69. Lebensjahr starb, wohnte Arthur mit seinen Schwestern Gertrud und Regina in der Holsteinischen Straße 15. Zehn Jahre später führte das Berliner Adressbuch den Vertreter Arthur Redlich in der Holsteinischen Straße 34 und den Buchrevisor Eugen Redlich in der Düsseldorfer Straße 73. 

1925 heiratete Arthur und Reginas Nichte Rita in Frankfurt den Prokuristen Theodor Mayer. Am 9. November 1925 wurden sie Eltern ihres Sohnes Gerhard. Die Ehe wurde 1931 geschieden. 1937 nahm Rita ihren Mädchennamen „Redlich“ wieder an und flüchtete mit ihrem Sohn nach Amsterdam in die Niederlande. Hier lernte sie den ebenfalls aus Berlin geflüchteten Walter Goldlust (*31. Januar 1902) kennen, den sie heiratete. Arthurs und Reginas zweite Nichte Margot hatte 1938 Moritz Popower geheiratet und war mit ihm nach Rio de Janeiro in Brasilien ausgewandert. 

Den Berliner Adressbüchern zufolge wohnten Arthur und seine Schwestern Gertrud und Regina seit 1933 am Hohenzollerndamm 201. Auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren sie hier gemeldet. Ihr Bruder Eugen und seine Frau lebten zu dem Zeitpunkt ganz in ihrer Nähe in der Güntzelstraße 46. Zum 1. Dezember 1940 mussten sie umziehen, fortan wohnten sie zur Untermiete in einem Leerzimmer bei Dr. Alfred Rosenberg in der Hildegardstraße 31. 

Vermutlich Ende Juli 1942 wurde Arthur Redlich, wie auch seinem Nachbar Sally Bernstein, die Wohnung am Hohenzollerndamm 201 gekündigt. Nicht weit entfernt in der Ludwigkirchstraße 12 wurde ihm eine 2-Zimmer-Parterre-Wohnung im Gartenhaus zugewiesen.

Ihr Bruder Eugen und seine Frau Klara bekamen als erste der Familie Redlich den Deportationsbefehl. Die Gestapo transportierte sie am 17. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Von hier wurden sie am 19. September 1942 nach Treblinka deportiert, wo sie am 22. September 1942 ermordet wurden. Eugen Redlich starb kurz vor seinem 70. Geburtstag. Klara Redlich geborene Kreitner starb mit 66 Jahren.

 Am 3. Oktober 1942 deportierte die Gestapo Arthurs und Reginas 62-jährige Schwester Gertrud mit dem „3. Großen Alterstransport“ nach Theresienstadt. In ihrer Vermögenserklärung gab sie an, dass sie Untermieterin von Arthur Redlich sei. Aufgrund der unmenschlichen und katastrophalen Zustände im Ghetto starb Gertrud Redlich schon nach 18 Tagen am 21. Oktober 1942.

Eine Woche später, am 29. Oktober 1942, deportierte die Gestapo auch den Privatier Arthur Redlich und seine jüngste Schwester Regina nach Theresienstadt. Auf der Deportationsliste wurde vermerkt, dass es sich bei den beiden um ein Ehepaar handelte. Vermutlich wollte Arthur durch diese Angabe sicherstellen, dass auch Regina, die aufgrund ihres Alters noch Zwangsarbeit leisten musste, mit in das Altersghetto Theresienstadt kam und nicht allein in Berlin zurückblieb.

Beide lebten bis zum 22. Januar 1943 zusammen im Ghetto Theresienstadt. Am 23. Januar 1943 wurde Regina nach Auschwitz weiter deportiert. Noch am gleichen Tag starb Arthur um 16.30 Uhr mit 68 Jahren, angeblich an Herzmuskelentzündung. Regina wurde am 26. Januar 1943 kurz nach ihrem 54. Geburtstag in Auschwitz ermordet.

Nachdem die Nichten Rita Goldlust geborene Redlich und Margot Cohn geborene Redlich 1947 nach langem Nachforschen die traurige Nachricht erhielten, dass ihre „geliebten Eltern … im September 1942 von Theresienstadt nach Polen verschickt wurden und von dort nicht mehr zurückgekehrt sind“, ließen sie eine Todesanzeige für ihre Eltern in die Zeitung setzen. Nicht nur ihre Eltern wurden von den unmenschlichen Handlangern der Nazis ermordet, sondern auch ihr Onkel Arthur und ihre Tanten Gertrud und Regina.