Fritz Bernstein

Location 
Hohenzollerndamm 201
District
Wilmersdorf
Stone was laid
29 September 2010
Born
18 December 1900 in Lobsens (Łobżenica)
Deportation
on 12 January 1943 to Auschwitz
Murdered
in Auschwitz
Biography

Friedrich Bernstein, genannt Fritz, wurde am 18. Dezember 1900 als zweites Kind von Sally und Rosalie Bernstein geborene Petzal (geb. 4. März 1864) in Lobsens (Łobżenica) im Landkreis Wirsitz im Regierungsbezirk Bromberg der preußischen Provinz Posen im Deutschen Reich geboren. Sein Vater war in Jastrow als Lehrer und Rabbi tätig. Seine ältere Schwester Meta war fünf Jahre älter als er. 

 

Am 10. November 1905 wurde in Schwerin an der Warthe (Skwierzyna) ihr jüngerer Bruder Erich Seckel geboren. Es ist anzunehmen, dass ihr Vater auch in Schwerin als Schulleiter und Rabbi tätig war.

 

Wann Fritz nach Berlin kam und wo er die 13 Jahre jüngere Charlotte Strauss (geboren am 20. März 1913), genannt Lotte, aus Frankfurt am Main kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten und wohnten gemeinsam bei Fritz' Eltern am Hohenzollerndamm 201.

Fritz hatte sich als Kaufmann für Schals und Tücher in der Charlottenstraße 22 in Berlin-Kreuzberg selbstständig gemacht. Lotte war Schneiderin von Beruf.

Auch bei der "Minderheiten-Volkszählung" am 17. Mai 1939 waren Fritz und Lotte zusammen mit Fritz' Eltern am Hohenzollerndamm 201 gemeldet.

Fritz' Schwester Meta hatte schon im September 1938 mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern Deutschland verlassen. Sie waren nach Sydney, Australien ausgewandert.

 

Sein 33-jähriger Bruder Erich war am 17. Mai 1939 von Le Havre nach New York emigriert und heiratete am 23. Juni 1939 die 12 Jahre jüngere Anneliese Ehrlich aus Berlin. 

 

Es ist anzunehmen, dass Fritz nicht emigrierte, weil er sich für seine Eltern verantwortlich fühlte und sie in Berlin nicht alleine zurücklassen wollte.

 

Seit ca. 1941 wurde Fritz als Montagearbeiter zur Zwangsarbeit bei Nikolaus & Co in der Köpenicker Straße 27 verpflichtet. Auch Lotte musste bei Nikolaus & Co Zwangsarbeit leisten, allerdings in der Köpenicker Straße 150/51.

 

Am 14. März 1942 starb Fritz' Mutter mit 78 Jahren im Jüdischen Krankenhaus an Herzmuskelschwäche. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. 

 

Ende Juli 1942 wurde den drei Zurückgebliebenen ihre Wohnung am Hohenzollerndamm 201 gekündigt. Sie fanden eine 5½-Zimmer-Wohnung in der Regensburger Straße 13 im Erdgeschoss des Gartenhauses.

 

Schon zwei Monate später bekam Fritz' Vater den Deportationsbefehl. Zusammen mit 959 anderen gelisteten Personen wurde Sally Bernstein mit dem sogenannten 3. Großen Alterstransport (I/71) am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert. Er starb am 15. Dezember 1942 zwei Tage nach seinem 74. Geburtstag aufgrund der unmenschlichen Zustände im Ghetto. Ob Fritz vom Tod seines Vaters unterrichtet wurde, ist nicht bekannt.

 

Am 21. Januar 1943 wurden Fritz und Lotte Bernstein aufgefordert, ihre Vermögenserklärungen zu unterschreiben. Gut eine Woche später wurden sie zusammen mit 998 anderen gelisteten Personen am 29. Januar 1943 mit dem 27. Osttransport in Güterwaggons unter unmenschlichen Bedingungen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Auf der Rampe von Auschwitz wurden sie erst einmal für die Zwangsarbeit „selektiert“. Gut einen Monat später, Anfang März 1943, wurden beide ermordet. Fritz Bernstein starb mit 42 Jahren. Lotte Bernstein starb kurz vor ihrem 30. Geburtstag.

 

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2025