Gertrud Redlich

Location 
Hohenzollerndamm 201
District
Wilmersdorf
Stone was laid
29 September 2010
Born
23 November 1880 in Berlin
Deportation
on 03 October 1942 to Theresienstadt
Murdered
23 October 1942 im Ghetto Theresienstadt
Biography

Gertrud Redlich wurde am 23. November 1880 als sechstes von insgesamt acht Kindern in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Moritz Moses Redlich (*1840) aus Peitz in Brandenburg und dessen Ehefrau Amalie Redlich geborene Redlich (*1847) aus Bomst (Babimost)/Posen. Vor Gertrud waren schon ihre Brüder Eugen (*1872) und Artur (*1874) geboren. Georg (*1876), Willy (*1878) und Margarete (*1879) starben schon als Babys. Fünf Jahre nach Gertrud brachte ihre Mutter 1885 Eleonore zur Welt, aber auch sie starb in ihrem ersten Lebensjahr. Danach zog die Familie von Berlin nach Frankenberg in Oberschlesien, wo am 20. Januar 1889 die jüngste Schwester Regina geboren wurde. 

Der Vater Moritz Moses Redlich starb mit 62 Jahren am 3. Februar 1902 in Rosenthal (heute ein Ortsteil von Dahme/Mark). Gertrud war damals 21 Jahre alt. Ihre beiden älteren Brüder Eugen und Arthur lebten vermutlich schon in Berlin. Beide hatten wie der Vater den Beruf des Kaufmanns erlernt. Welchen Beruf Gertrud ausübte, ist nicht bekannt. Da sie einkommensteuerpflichtig war, kann davon ausgegangen werden, dass sie einer Arbeit nachging.

Als ihre Mutter Amalie Redlich am 25. November 1915 nach langer schwerer Krankheit im 69. Lebensjahr starb, wohnte die 35-jährige Gertrud zusammen mit ihrem Bruder Arthur und ihrer jüngsten 26-jährigen Schwester Regina in der Holsteinischen Str. 15. Zehn Jahre später führte das Berliner Adressbuch den Vertreter Arthur Redlich in der Holsteinischen Str. 34 und den Buchrevisor Eugen Redlich in der Düsseldorfer Str. 73. 

Den Berliner Adressbüchern zufolge wohnten Gertrud, Arthur und Regina Redlich seit 1933 am Hohenzollerndamm 201. Auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die drei hier gemeldet. Ihr Bruder Eugen und seine Frau lebten zu dem Zeitpunkt ganz in ihrer Nähe in der Güntzelstr. 46. Zum 1. Dezember 1940 mussten sie umziehen, fortan wohnten sie zur Untermiete in einem Leerzimmer bei Dr. Alfred Rosenberg in der Hildegardstr. 31 in Berlin-Wilmersdorf. 

Vermutlich Ende Juli 1942 wurde Arthur Redlich, wie auch seinem Nachbar Sally Bernstein, die Wohnung am Hohenzollerndamm 201 gekündigt. Nicht weit entfernt in der Ludwigkirchstr. 12 wurde den drei Geschwistern eine 2-Zimmer-Parterre-Wohnung im Gartenhaus zugewiesen.

Gertruds Bruder Eugen und seine Frau Klara bekamen als erste der Familie Redlich den Deportationsbefehl. Die Gestapo transportierte sie am 17. August 1942 mit dem „1. Großen Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt. Von hier wurden sie am 19. September 1942 nach Treblinka deportiert, wo sie am 22. September 1942 ermordet wurden. Eugen Redlich starb kurz vor seinem 70. Geburtstag. Klara Redlich geborene Kreitner starb mit 66 Jahren.

Gertrud war die nächste, die den Deportationsbefehl erhielt. Am 30. September füllte sie in dem zum Sammellager umfunktionierten ehemaligen Gemeindezentrum und Rabbinerserminar von Addas Jisroel in der Artilleriestraße 31 (heute Tucholskystraße 40) in Berlin-Mitte ihre Vermögenserklärung aus. Sie gab an, dass sie Untermieterin von Arthur Redlich sei und keinerlei Vermögen habe. In der „Vermögensakte“, die im Brandenburgischen Landeshauptarchiv einzusehen ist, wurde dem Deutschen Reich durch Gertrud Redlich Einnahmen in Höhe von 805,40RM für die Wohnungseinrichtung und 219,95 RM für den Rückkaufswert eines Lebensversicherungsvertrags der Victoria Versicherung gutgeschrieben. In Abzug gebracht wurde eine Forderung des Finanzamtes Wilmersdorf, nach der Gertrud Redlich noch aus 1941 Einkommensteuer in Höhe von 20RM zu zahlen hatte. „Das Vermögen der Jüdin wurde als volks- und staatsfeindlich eingezogen“, teilte der Chef der Sicherheitspolizei in einem Schreiben mit.

Am 3. Oktober 1942 deportierte die Gestapo 1.022 Personen, darunter auch die 62-jährige Gertrud Redlich mit dem „3. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt. Aufgrund der unmenschlichen und katastrophalen Zustände im Ghetto starb Gertrud Redlich schon nach 18 Tagen am 21. Oktober 1942.

Eine Woche später, am 29. Oktober 1942, deportierte die Gestapo auch Gertruds Bruder, den Privatier Arthur Redlich, und ihre jüngste Schwester Regina nach Theresienstadt. Beide lebten bis zum 22. Januar 1943 zusammen im Ghetto Theresienstadt. Am 23. Januar 1943 wurde Regina nach Auschwitz weiter deportiert. Noch am gleichen Tag starb Arthur um 16.30 Uhr mit 68 Jahren angeblich an Herzmuskelentzündung. Regina wurde am 26. Januar 1943 kurz nach ihrem 54. Geburtstag in Auschwitz ermordet. 

Nachdem Gertruds Nichten, die Töchter ihres Bruders Eugen, Rita Goldlust geborene Redlich und Margot Cohn geborene Redlich, die Ende der 1930ger-Jahre aus Deutschland geflüchtet waren, 1947 nach langem Nachforschen die traurige Nachricht erhielten, dass ihre „geliebten Eltern … im September 1942 von Theresienstadt nach Polen verschickt wurden und von dort nicht mehr zurückgekehrt sind“, ließen sie eine Todesanzeige für ihre Eltern in die Zeitung setzen. Nicht nur ihre Eltern wurden von den unmenschlichen Handlangern der Nazis ermordet, sondern auch ihre Tanten Gertrud und Regina und ihr Onkel Arthur.