Isidor Riesenburger

Location 
Jablonskistr. 26
District
Prenzlauer Berg
Stone was laid
07 October 2023
Born
11 August 1893 in Drausnitz (Westpreußen) / Droździenica
Occupation
Kaufmann
Deportation
on 17 May 1943 from Berlin to Theresienstadt
Later deported
on 29 September 1944 to Auschwitz
Murdered
in Auschwitz

Isidor Riesenburger kam am 11. August 1893 in Drausnitz Krs. Tuchel in Westpreußen als drittes von vier Kindern des jüdischen Kaufmanns Emil Riesenburger und dessen Ehefrau Julie geb. Meyer zur Welt. Auch seine Geschwister Hermann, Renate und Frieda wurden in Drausnitz geboren. Die Schwester Renate heiratete im Februar 1913 noch dort.

Danach zog die Familie Riesenburger nach Marzahn (damals noch bei Berlin) in die Dorfstraße 6a (heute Alt-Marzahn Nr. 39). Vater Emil Riesenburger betrieb in Marzahn ein Kaufhaus für Kolonial- und Haushaltswaren.

Isidor wurde – wie sein Vater – Kaufmann von Beruf und arbeitete sehr wahrscheinlich im väterlichen Kaufhaus. Die Mutter Julie starb 1915.

Am 9.9.1919 heiratete Isidor Riesenburger die 1897 in Berlin geborene Hertha Heidemann. Vier Wochen vor dieser Hochzeit schlossen auch Isidors Schwester Frieda und Herthas Bruder Moritz Heidemann den Bund fürs Leben. Die Geschwister Riesenburger wohnten lt. Eheurkunden in Marzahn, Dorfstraße 6a (heute Alt-Marzahn Nr. 39) – also beim Vater. Die Geschwister Heidemann wohnten bei ihrer verwitweten Mutter in der Landsberger Straße 57 in Berlin-Mitte (die Straße ist in den 60ger Jahren überbaut worden).

Isidor und Hertha Riesenburger bekamen im September 1920 die Tochter Lieselotte. Die junge Familie zog 1921 nach Berlin-Charlottenburg in die Augsburger Straße 23. Hier kam im Juni 1925 die zweite Tochter Ruth zur Welt. Zwischen 1927 und 1929 dann ein erneuter Umzug nach Berlin-Kaulsdorf in die Friedrichstraße 26 II. Etage (2 Treppen – wie der Berliner sagt). Der Haushaltsvorstand Isidor wird bis 1933 im Berliner Adressbuch unter dieser Anschrift – mit Tel- genannt. Im Jahre 1934 dann der nächste Umzug – dieses Mal nach Berlin-Prenzlauer Berg. Ab der Ausgabe 1935 des Adressbuchs von Berlin wird Isidor nun mit der Anschrift Jablonskistraße 26 als Kaufmann mit Telefon genannt. In den Telefonbüchern der Jahre 1935 bis 1939 ist er als Versicherungsvertreter dokumentiert.

Seine Töchter beendeten Ostern 1935 (Lieselotte) und 1939 (Ruth) die 8-klassige Volksschule. Ruth musste 1938 – gem. der anti-jüdischen Gesetzgebung in Nazi-Deutschland- für das letzte Schuljahr noch auf die Jüdische Schule wechseln, weil jüdischen Schülern mittlerweile sogar der Besuch einer „normalen“ Volksschule verboten war. Lieselotte Riesenburger nahm nach ihrem Schulabschluss 1935 eine Ausbildung zur Krankenschwester auf. Ruth erlernte- vermutlich in einer Einrichtung der Jüdischen Kultusgemeinde - den Beruf einer Schneiderin.

Aus den Unterlagen der Volkszählung vom Mai 1939 wissen wir, dass Isidor, Hertha und Ruth Riesenburger am 17. Mai 1939 in der Jablonskistraße 26 wohnten. Die Tochter Lieselotte wohnte und arbeitete im Israelitischen Krankenheim in der Elsässer Straße 85 (heute Torstr. 146).

Vermutlich hat auch Isidor versucht, für seine Familie eine Ausreise aus Nazi-Deutschland zu organisieren. Dazu waren außer Visa von Drittstaaten auch entsprechende Finanzmittel notwendig. Vermutlich an beidem scheiterte dieses Vorhaben.

Für die Tochter Lieselotte tat sich dann über ihre Berufstätigkeit eine Möglichkeit zum Verlassen von Nazi-Deutschland auf. Sie lernte an ihrem Arbeitsort den Sohn einer Patientin kennen, der ihr anbot, sie mit nach Shanghai / China zu nehmen. Sicher nach vielen schlaflosen Nächten beschlossen ihre Eltern, die 19-Jährige auf diese unwägbare Reise zu schicken.

In Berlin blieben die Eltern und die Schwester Ruth zurück, deren Leben sich seit der Machtübernahme der Nazis bereits dramatisch verändert hatte und sich in den Folgejahren auf eine nicht vorstellbare Weise weiter verändern sollte.

Isidor, Hertha und Ruth waren wie alle jüdischen Bürger zu Zwangsarbeit bei geringstem Einkommen verpflichtet. Aus ihren Vermögenserklärungen von 1943 wissen wir, dass Isidor als Arbeiter bei der Abbruchfirma Zapke und Zimmermann in Tiergarten schuftete.

Im Mai 1942 haben sie die Wohnung gewechselt – wahrscheinlich nicht freiwillig. Sie zogen in die Christburger Straße 48. Dieses Haus gehörte seit 1907 der jüdischen Familie Michaelis und wurde inzwischen durch einen nicht-jüdischen Verwalter bewirtschaftet (s. www.zwangsraeume.berlin.de).

Bereits seit Oktober 1941 setzten die Nazis ihr Vernichtungsprogramm mit der planmäßigen Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung fort.

Isidor, Hertha und Tochter Ruth Riesenburger wurden am 17. Mai 1943 aus der Christburger Straße 48 mit dem 38. Osttransport ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Von dort wurden sie im Oktober 1944 nach Auschwitz „verlegt“. Isidor und Hertha Riesenburger wurden ebendort ermordet. Ihre genauen Todesdaten sind nicht dokumentiert.