- Location
- Nikolsburger Platz 4
- District
- Wilmersdorf
- Stone was laid
-
29 April 2012
- Born
- 22 March 1890 in Hannover
- Deportation
- on 13 June 1942 to Sobibór
-
Murdered
Elsa Majewski wurde als Elsa Katz am 22. März 1890 in Hannover geboren. Für ihre Eltern, den aus Mollenfelde bei Göttingen stammenden Brauereidirektor Jakob Katz (*14. Juni 1858) und dessen Ehefrau Jenni geborene Goldschmidt, war sie die ältere von zwei Töchtern. Ihre Schwester Lily (*20. Juli 1891) war ein Jahr jünger als sie.
Am 14. Oktober 1907 ließen sich die 17-jährige Elsa und die 16-jährige Lily in der evangelisch-lutherischen Pauluskirche in Hannover taufen. Die Eltern blieben jüdisch.
Ihre jüngere Schwester Lily heiratete 1913 mit 22 Jahren Leopold Sauer in Hannover. Am 12. August 1914 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Lothar nannten.
Am 9. Februar 1914 heiratete die 24-jährige Elsa in ihrer Taufkirche in Hannover den gleichaltrigen katholischen, aus Magdeburg stammenden Alfons Gregor Anastasius, genannt Alfons Majewski (*9. Mai 1890). Er war Dentist von Beruf. Vermutlich trat sie seinetwegen nach der Hochzeit der römisch-katholischen Kirche bei. Kurze Zeit nach der Hochzeit wurde Alfons zum Kriegsdienst im Felde eingezogen. Elsa Majewski ließ sich im Ersten Weltkrieg zur Sanitätsschwester ausbilden. Alfons wurde am 25. November 1915 schwer verwundet. Ihre Ehe wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt geschieden. Am 8. August 1918 heiratete Alfons in zweiter Ehe Luise Auguste Emilie Johanna Reich in Magdeburg.
Auch die Ehe ihrer Schwester Lily wurde geschieden. Vermutlich gingen die beiden Schwestern mit Lilys Sohn Lothar nach dem Ersten Weltkrieg gemeinsam nach Berlin.
Am 8. Dezember 1919 bestellten die inzwischen 29-jährige Elsa aus der Pfalzburger Straße 71 in Wilmersdorf und ihr „angeblicher“ 28-jähriger Verlobter Walter Georg Heinrich Gross (*5. Mai 1891) aus der Pfalzburger Straße 15 das Aufgebot beim Standesamt Wilmersdorf. Die Hochzeit fand nicht statt, da die Verlobten nicht zur Trauung erschienen. Im Aufgebot gab Elsa als Beruf „Opernsängerin“ und als Religion „mosaisch“ an. Heinrich gab als Beruf „Kaufmann“ an. Als er 1932 eine andere Frau tatsächlich heiratete, gab er als Beruf „Maschinenbauer“ an.
Am 30. September 1926 heiratete ihre Schwester Lily in zweiter Ehe den aus Fulda stammenden Bergwerksdirektor und Doktor der Rechte und Staatswissenschaften Franz Lorenz Knips (*21. Juli 1883). Auch er gehörte der römisch-katholischen Kirche an. Sie zogen mit Lilys Sohn Lothar in eine Wohnung in der Apostel-Paulus-Straße 20 in Berlin-Schöneberg.
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Elsa 42 Jahre alt. Ihren Beruf als Krankenschwester durfte sie in einem öffentlichen Krankenhaus nicht mehr ausüben. Ihr 19-jähriger Neffe Lothar ging 1933 zum Studium nach Großbritannien an die „London School of Economics“. In den Nürnberger Gesetzen von 1935 definierten die Nationalsozialisten Juden nicht über die Religion, sondern rassistisch über die Abstammung. Als „Volljude“ galt, wer drei oder mehr jüdische Großeltern hatte, unabhängig von der eigenen Religionsausübung. Nach dieser Definition war Elsa Jüdin, auch wenn sie Mitglied der römisch-katholischen Kirche war. Am 27. Juni 1935, starb Lilys zweiter Ehemann Franz mit 51 Jahren in der Freiherr-vom-Stein-Straße 8 in Berlin-Schöneberg. Lily wurde kurz vor ihrem 42. Geburtstag Witwe. Sie zog in die Wielandstraße 30 und wohnte zuletzt in der Joachimsthaler Straße 23 in Berlin-Charlottenburg. Ihrem Sohn Lothar gelang es, ihr im April 1939 die Ausreise nach Großbritannien zu ermöglichen.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Elsa am Nikolsburger Platz 4 gemeldet. Zusammen mit Edith Karpf (*25. Juni 1900), einer anderen Mieterin des Hauses, wurde sie im Juni 1940 in eine „Zwangswohnung“ ganz in der Nähe in die Holsteinischen Straße 9 zur Untermiete verwiesen. Hauptmieter war Gerson Altmann. In der Wohnung wohnten außerdem noch dessen Ehefrau Martha und die zwei Söhne Helmut und Rolf. Ab 1941 musste Elsa Zwangsarbeit leisten.
Elsas Vater Jakob Katz wohnte vor seinem Tod am 15. April 1942 in der Ellernstraße 16 in Hannover. Hier befanden sich früher das Israelitische Krankenhaus und ein Altenheim, seit dem 4. September 1941 wurde das Gebäude von der Stadt Hannover als „Judenhaus“ genutzt. Jakob Katz starb mit 83 Jahren und vererbte sein Vermögen, unter anderem ein Grundstück in der Schrägestraße 13 in Hannover-Ahlen, an seine beiden Töchter. Da Lily sich im „feindlichen Ausland“ aufhielt, konnte sie das Erbe nicht antreten. Auch Elsa konnte das Erbe nicht mehr antreten, da sie Ende Mai den Deportationsbefehl in den Osten erhielt. Das Bischöfliche Hilfswerk konnte ihr nicht mehr helfen. Vermutlich wurde sie von der Gestapo in der Holsteinischen Straße 9 abgeholt. Im Sammellager musste sie ihre Vermögenserklärung ausfüllen, damit ihr gesamtes Erbe dem Deutschen Reich verfallen konnte. Auf die Frage: „Jude?“ schrieb sie „römisch-katholisch“. Am 1. Juni 1942 unterschrieb sie die Vermögenserklärung und erhielt die Nummer 670 auf der Deportationsliste. Zusammen mit 745 Leidensgenossen und -genossinnen wurde sie nicht am 13. Juni 1942, wie bisher angenommen und auf dem Stolperstein eingraviert, sondern mit dem 14. Berliner Osttransport schon am 2. Juni 1942 Richtung Lublin und von dort in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft ermordet wurde. Elsa Majewski geborene Katz starb mit 52 Jahren.
Sie hinterließ im Deutschen Reich noch ihren Onkel, den jüngeren Bruder ihres Vaters, Alexander Katz (*11. Januar 1866) und dessen Ehefrau Dora Katz geborene Moses (*25. Dezember 1872), die früher in der „Israelitischen Gartenbauschule Ahlem“ in Hannover gearbeitet hatten. Sie wurden am 23. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort am 23. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka transportiert, wo beide ermordet wurden.
Ihre Schwester Lily setzte ihrem Leben Anfang 1943 in Großbritannien selber ein Ende. Sie starb an einer Gasvergiftung mit 52 Jahren. Ihr Sohn Lothar heiratete eine aus Wien stammende Jüdin, die ebenfalls in England Schutz fand. 1944 wurde ihre Tochter Sylvia (später Paskin) geboren, die uns freundlicherweise die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Fotos von Elsa Majewski gab.
All texts and images on this website are protected by copyright and may not be used without the permission of the copyright holder.