Alfred Robert

Location 
Prinzregentenstr. 7
District
Wilmersdorf
Stone was laid
12 April 2010
Born
27 May 1923 in Berlin
Deportation
on 19 April 1943 to Auschwitz
Murdered
in Auschwitz
Biography

Alfred Robert wurde am 27. Mai 1923 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den aus Steinau bei Thorn (Stonawa, Polen) stammenden Kaufmann Philipp Robert (*19. Dezember 1885) und dessen aus Graudenz (Grudziądz, Polen) stammende Ehefrau Betty, geborene Chrzanowski (*26. Februar 1894), war er das jüngste von insgesamt drei Kindern. Seine Schwester Ruth (*14. Dezember 1920) war zweieinhalb Jahre älter und sein Bruder Rudolf (*11. Februar 1922) gut ein Jahr älter als er. 

Sie wohnten damals in der Kavalierstraße 23 in der Nähe von Alfreds Großeltern, die in der Parkstraße 20 in Berlin-Pankow zusammen mit seiner Tante Jenny, der jüngeren Schwester seiner Mutter, seinem Onkel Max und seinem Cousin Hans Hermann (*16. April 1926) lebten. 

Sein Vater Philipp war Mitinhaber der Immobilienfirma “S. Robert & Co” und verdiente sein Geld als Hausbesitzer.

Auf dem Hochzeitsfoto seiner Tante Rosa, der jüngsten Schwester seiner Mutter, die am 24. Dezember 1928 den Händler Jakob Meerfisch heiratete, ist Alfred unten rechts als 5-Jähriger zu sehen.

Sein Großvater mütterlicherseits, David Chrzanowski, starb mit 67 Jahren am 15. Dezember 1932, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Alfred war damals 9 Jahre alt.

Seine Tante Rosa wurde am 23. Oktober 1933 von Jakob Meerfisch geschieden und heiratete in zweiter Ehe Martin Salomon (*15. Januar 1895). Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die beiden als verheiratetes Paar zusammen mit der Familie ihrer Schwester Jenny bei Alfreds Großmutter in der Parkstraße 20 gemeldet. 

1933 zog die Familie Robert nach Berlin-Wilmersdorf in die Prinzregentenstraße 7 in den 1. Stock des Hauses. Sein Onkel Heinrich und seine Tante Resi Gerda sowie deren Söhne Claus (*18. Juli 1924) und Gert Rudolf (*19. Juni 1927) wohnten schräg gegenüber in der Prinzregentenstraße 93. Sein Onkel Julius und seine Tante Martha sowie deren Söhne Rolf Rudolf (*17. August 1925) und Horst (*29. Juli 1931) zogen in die Jenaer Straße 11 ganz in die Nähe. 

Nachdem die Nationalsozialisten den gesamten Immobilienbesitz seiner Eltern ca. 1938 beschlagnahmt und in Zwangsverwaltung gegeben hatten, zog die Familie Robert im Oktober 1939 in eine 4-Zimmer-Wohnung im II. Stock des Vorderhauses in der Kleinen Alexanderstraße 12/13 im Berliner Scheunenviertel. Die Miete betrug dort nur 75 RM monatlich. 

Ende August 1939 hieß es Abschied nehmen von seiner 19-jährigen Schwester Ruth, die ein Visum für Großbritannien erhalten hatte und ausreisen durfte. Sein Bruder Rudolf und er arbeiteten seit 1939 im „Landwerk Neuendorf“, einer jüdischen Arbeiterkolonie und Ausbildungsstätte auf dem Gut Neuendorf bei Fürstenwalde in Brandenburg. Von hier aus betrieben sie ihre Auswanderung aus Nazi-Deutschland. Die meisten Auszubildenden wollten nach Palästina, manche nach Argentinien. Sie mussten dafür Erfahrungen in der Landwirtschaft, der Viehhaltung, im Handwerk und in der Hauswirtschaft vorweisen. 1941 wandelten die Nationalsozialisten die jüdische Ausbildungsstätte Neuendorf in ein Zwangsarbeiterlager um. Ab Oktober 1941 wurde die Ausreise aus dem Deutschen Reich für Juden verboten.

Ende Januar 1943 forderte die Gestapo seine Eltern Betty und Philipp Robert auf, eine Vermögenserklärung auszufüllen. Am 3. Februar 1943 deportierte die Gestapo sie mit dem 28. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurden. 

Zusammen mit ihrer Tante Rosa, der Schwester ihrer Mutter, und ihrem Onkel Martin Salomon kamen Rudolf und Alfred zum Arbeitseinsatz in Kersdorf in der Nähe von Briesen in der Mark. Das Forsteinsatzlager Kersdorf war von der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ eingerichtet worden, stand aber unter der Aufsicht des Reichssicherheitshauptamtes. 

In der Ortschronik Briesen-Mark heißt es heute: „Zeitzeugen berichteten, dass im Frühjahr 1943 Juden aus Berlin nach Kersdorf kamen und später in die Konzentrationslager abtransportiert wurden. Der Sprecher dieser Gruppe hieß Salomon und sagte zur Verabschiedung 'Aus Auschwitz kommt niemand wieder zurück.' “. 

Am 19. April 1943 wurden 53 Juden aus Kersdorf, darunter auch seine Tante Rosa und sein Onkel Martin Salomon, mit dem 37. Osttransport von der Gestapo nach Auschwitz deportiert. Rudolf und Alfred wurden schon am 9. April 1943 in Berlin verhaftet und kamen auf den gleichen Transport. Rudolf war damals 21 Jahre und Alfred 19 Jahre alt. Auf der Rampe von Auschwitz wurden sie für die Zwangsarbeit bei der IG Farben aussortiert. Die 43-jährige Rosa und der 48-jährige Martin Salomon wurden vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. 

Rudolf wurde als Schlosser und Alfred als Elektriker im Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt. Anfang 1945 wurden beide von Auschwitz aus auf den „Todesmarsch“ nach Buchenwald und von dort nach Sachsenhausen geschickt. Hier trennten sich ihre Wege. Alfred kam am 6. Februar 1945 nach Flossenbürg, wo er im „Kampf“ mit 21 Jahren starb.

Rudolf wurde in Sachsenhausen befreit und konnte nach Berlin zurückkehren.

Seine Tante Selma, sein Onkel Sally und sein 12-jähriger Couisin Rudolf Dieter Robert wurden von der Roten Armee im April 1945 im Ghetto Theresienstadt befreit. Auch sie kehrten 1945 nach Berlin zurück.

Alfreds Schwester Ruth heiratete in Großbritannien und hieß fortan Ruth Arnold geborene Robert. Sie wohnte in Warwick und suchte nach dem Krieg ihre Eltern und ihre Brüder.

Bis auf ihren Bruder Rudolf hatte niemand den Holocaust überlebt. Ruth wurde Mutter von acht Kindern.