- Location
- Prinzregentenstr. 7
- District
- Wilmersdorf
- Stone was laid
-
12 April 2010
- Born
- 26 February 1894 in Graudenz (Westpreußen) / Grudziądz
- Deportation
- on 03 February 1943 to Auschwitz
-
Murdered
- in Auschwitz
Betty Robert wurde als Betty Chrzanowski am 26. Februar 1894 in Graudenz (Grudziądz, Polen), 93 km südlich von Danzig (Gdańsk, Polen) im Regierungsbezirk Marienwerder in der Provinz Westpreußen geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann David Chrzanowski (*8. Juni 1865) und dessen Ehefrau Friedericke geborene Robert (*9. Februar 1865), war sie die zweitälteste von insgesamt fünf Töchtern. Ihre Schwester Selma (*7. September 1892) war anderthalb Jahre älter. Jünger als sie waren Jenny (*11. Februar 1895) und Rosa (*27. Oktober 1899). Elsbieta, die 1896 geboren wurde, starb im ersten Lebensjahr.
Betty kannte ihren späteren, aus Steinau (Stonawa, Polen) stammenden Ehemann Philipp Robert (*19. Dezember 1885) aus Kindheitstagen. Er war der zweitälteste Sohn ihres Onkels Rudolf, dem Bruder ihrer Mutter. Sie waren demnach Cousin und Cousine. Betty und Philipp Robert heirateten 1919 in Graudenz.
Ein Jahr zuvor, im November 1918, hatte ihre älteste Schwester Selma Philipps jüngeren Bruder Sally Mathis Robert (*17. Dezember 1888) geheiratet.
Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste Graudenz, der Wohnort der Chrzanowskis, im Januar 1920 an Polen zur Einrichtung des Polnischen Korridors abgetreten werden. Grund genug für die Chrzanowskis, auch in die Reichshauptstadt Berlin umzusiedeln. Die Familie Robert hatte dort schon vor ca. 30 Jahren eine Heimat gefunden.
Bettys Ehemann Philipp und Selmas Ehemann Sally gründeten 1920 die Immobilienfirma “S. Robert & Co” und verdienten ihr Geld als Hausbesitzer.
Am 14. Dezember 1920 wurden Betty und Philipp in Berlin Eltern ihrer Tochter Ruth. Gut ein Jahr später kam ihr Sohn Rudolf (*11. Februar 1922) und wiederum ein Jahr später ihr Sohn Alfred (*27. Mai 1923) zur Welt. Sie wohnten damals in der Kavalierstraße 23 in der Nähe von Bettys Eltern, die in der Parkstraße 20 in Berlin-Pankow ein Mietshaus gekauft hatten.
Bettys Schwester Jenny heiratete 1921 den aus Groß Leistenau im Landkreis Graudenz stammenden Kaufmann Max Salomon (*25. August 1892). Sie wurden Eltern eines Sohnes, den sie Hans Hermann (*16. April 1926) nannten.
Rosa, die jüngste Schwester, heiratete am 24. Dezember 1928 den Händler Jakob Meerfisch (*2. Mai 1893).
Der Vater David Chrzanowski starb mit 67 Jahren am 15. Dezember 1932, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Das Berliner Adressbuch 1937 führte seine Witwe Friedericke als Haus- und PKW-Besitzerin in der Parkstraße 20.
Die Ehe von Rosa mit Jakob Meerfisch hielt nur fünf Jahre und wurde am 23. Oktober 1933 geschieden. Wann Rosa den aus Groß Leistenau, Graudenz stammenden Martin Salomon (*15. Januar 1895) heiratete, konnte nicht recherchiert werden. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die beiden als verheiratetes Paar zusammen mit der Familie ihrer Schwester Jenny bei der Mutter in der Parkstraße 20 gemeldet.
Bettys ältere Schwester Selma wohnte mit Ehemann Sally Mathis und den drei Kindern Gerda (*1919), Alice Lisa (*1920) und Rudolf Dieter (*1933) in der Prenzlauer Allee 177 in Berlin-Prenzlauer Berg.
1933 zogen Betty und Philipp mit ihren Kindern nach Berlin-Wilmersdorf in die Prinzregentenstraße 7 in den 1. Stock des Hauses. Bettys Schwager Heinrich wohnte mit seiner Familie schräg gegenüber in der Prinzregentenstraße 93. Ihr Schwager Julius zog mit seiner Familie in die Jenaer Straße 11 ganz in der Nähe ihrer Wohnung. Nachdem die Nationalsozialisten ihren gesamten Immobilienbesitz ca. 1938 beschlagnahmt und in Zwangsverwaltung gegeben hatten, zog Bettys Familie im Oktober 1939 in eine 4-Zimmer-Wohnung im II. Stock des Vorderhauses in der Kleinen Alexanderstraße 12/13 im Berliner Scheunenviertel. Die Miete betrug dort nur 75 RM monatlich. Ende August 1939 gelang ihrer Tochter Ruth, die ein Visum für Großbritannien erhalten hatte, die Ausreise.
Bis einschließlich 1940 war Bettys Mutter, die Witwe Friedericke Chrzanowski, in der Parkstraße 20 in Berlin-Pankow als Hauseigentümerin angezeigt. Im Berliner Adressbuch 1941 hieß der neue Eigentümer Dranke aus der Bergstraße 14 in Neukölln, demnach hatte Friedericke Chrzanowski das Haus verkaufen müssen. Bettys Schwester Jenny und deren Familie wohnten vermutlich bei der Mutter als Untermieter und waren deshalb nicht mehr im Adressbuch aufgeführt. Ihre jüngste Schwester Rosa und deren Ehemann Martin leisteten Zwangsarbeit im Lager Neuendorf und später im Forsteinsatzlager Kersdorf.
Da das Haus in der Parkstraße 20 früher jüdische Besitzer hatte, wurde es für Zwangswohnungen genutzt. Die jüdische Wohnungsberatungsstelle wies den Hauptmietern und Hauptmieterinnen zwangsweise Untermieter und Untermieterinnen zu. Der Rentner Bernhard Piek (*1876) und seine Ehefrau Marie Piek (*1882) wurden als erste aus dem Haus deportiert. Am 27. November 1941 transportierte die Gestapo die beiden nach Riga, wo sie drei Tage später im Wald von Rumbula ermordet wurden.
Als die Gestapo die Mieterin Ernestine Robert geborene Elias am 3. Oktober 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportierten, dürfte auch Bettys Mutter einen Deportationsaufruf bekommen haben, wurde dann aber aufgrund ihres Gesundheitszustandes in das Altersheim in der Auguststraße 14/15 eingeliefert. Sie starb dort am 29. November 1942 mit 77 Jahren.
Bettys ältere Schwester Selma, deren Ehemann Sally und deren 9-jährigen Sohn Rudolf (*11. April 1933) deportierte die Gestapo ebenfalls am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt. Vermutlich hatten sie sich freiwillig gemeldet, um die Mutter begleiten zu können.
Die Familie Alexander wohnte schon bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im 2. Stock der Parkstr. 20. Sie wurden am 4. November 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Gertrud Früh geborene Lehmann wohnte zur Untermiete bei den Alexanders und wurde am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch für Moritz und Johanna Sommerhäuser war die Parkstraße 20 die letzte Adresse vor der Deportation am 3. März 1943.
Ende Januar 1943 forderte die Gestapo Betty und Philipp auf, eine Vermögenserklärung auszufüllen, die er am 30. Januar und sie am 31. Januar 1943 unterschrieb. Bis zur Deportation wurden sie in der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Am 3. Februar 1943 transportierte die Gestapo sie mit dem 28. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurden.
Betty Robert geborene Chrzanowski starb kurz vor ihrem 49. Geburtstag aufgrund von Rassenwahn, Verschwörungstheorien und Unmenschlichkeit. Ihr Ehemann, der Kaufmann Philipp Robert, starb mit 57 Jahren.
Ihre Söhne Rudolf und Alfred waren zu der Zeit im Forsteinsatzlager Kersdorf in der Nähe von Briesen in der Mark. Sie wurden am 9. April 1943 von der Gestapo in Berlin verhaftet und am 19. April 1943 zusammen mit ihrer Tante Rosa und ihrem Onkel Martin nach Auschwitz deportiert. Rudolf war damals 21 Jahre und Alfred 19 Jahre alt. Auf der Rampe von Auschwitz wurden sie für die Zwangsarbeit bei der IG Farben aussortiert.
Die 43-jährige Rosa Salomon geborene Chrzanowski und ihr 48-jähriger Ehemann Martin Salomon wurden vermutlich in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet.
Bettys Söhne Rudolf und Alfred wurden Anfang 1945, von Auschwitz aus, auf den „Todesmarsch“ nach Buchenwald und von dort nach Sachsenhausen geschickt. Hier trennten sich ihre Wege. Alfred kam am 6. Februar 1945 nach Flossenbürg, wo er im „Kampf“ starb. Ihr Sohn Rudolf überlebte und begann 1945 mit 23 Jahren in Berlin ein neues Leben.
Ihre ältere Schwester Selma, deren Ehemann Sally und der 12-jährige Rudolf Dieter Robert wurden von der Roten Armee im April 1945 im Ghetto Theresienstadt befreit. Sie kehrten 1945 nach Berlin zurück. Ihre Töchter traf sie nicht mehr an. Alice Lisa Beier geborene Robert, war am 6. März 1943 und Gerda Stein geborene Robert am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet worden. Sally starb am 13. Oktober 1960 in Berlin-Schöneberg und Selma am 24. Mai 1966 in New York, wo ihr Sohn Rudolf Dieter Robert eine neue Heimat gefunden hatte. Er starb am 22. Dezember 2001.
Bettys Tochter Ruth heiratete in Großbritannien und hieß fortan Ruth Arnold geborene Robert. Sie wohnte in Warwick und suchte nach dem Krieg ihre Eltern und ihre Brüder Alfred und Rudolf. Sie wurde Mutter von acht Kindern.
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