Leo Kaiser

Location 
Prinzregentenstr. 7
District
Wilmersdorf
Stone was laid
12 April 2010
Born
11 May 1914 in Berlin
Deportation
on 09 December 1942 to Auschwitz
Murdered
in Auschwitz
Biography

Leo Kaiser wurde am 11. Mai 1914 in Berlin geboren. Er war das einzige Kind des Klempnermeisters Max Mannheim Kaiser (*26. Mai 1882) und dessen Ehefrau Rosa Kaiser geborene Falkenberg (*30. Januar 1881). Sie wohnten damals in der Grenadierstraße 28 (heute Almstadtstraße) in Berlin-Mitte.

Das Glück der kleinen Familie hielt nicht lange an. Als der Erste Weltkrieg am 28. Juli 1914 begann, wurde Leos Vater Max umgehend in das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 20 eingezogen und fiel nach kurzem Einsatz an der Front. Mit einem halben Jahr wurde Leo Halbwaise und seine Mutter Rosa alleinerziehenden Kriegerwitwe.

Als Leo zehn Jahre alt war, starb am 12. April 1924 sein Großvater, der Schneidermeister Simon Kaiser. Seine Mutter verdiente den Familienunterhalt als Näherin.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, mietete seine Mutter, für sich und den19-jährigen Leo eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Gartenhaus im II. Stock rechts in der Prinzregentenstraße 7 in Berlin-Wilmersdorf. Die Miete betrug 65 RM.

Wann und wo Leo seine spätere Ehefrau, die aus Berlin stammende Irene, genannt Irma, Gumpert (*25. Februar 1916) kennenlernte, ist nicht bekannt. Irma war bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 bei ihren Eltern Ewald und Irene Gumpert in der Schwedenstraße in Berlin-Wedding gemeldet. Der 27-jährige Leo und die 25-jährige Irma heirateten 1941. Das junge Ehepaar wohnte zusammen mit Leos Mutter in der Zwei-Zimmer-Wohnung Prinzregentenstraße 7. Eine Umsiedlung in eine Zwangswohnung blieb ihnen erspart.

Ab 1940 musste Leo Zwangsarbeit bei der „Elektro-Glimmer- und Preßwerke Scherb und Schwer KG“ in der Lehderstraße 34-35 in Berlin-Weißensee für 27 RM wöchentlich leisten. 

Bei der Firma Scherb & Schwer handelte es sich um das ehemalige Unternehmen von Dr. David Jaroslaw, der 1907 in Berlin die erste Glimmerwaren-Fabrik gegründet hatte. Sein Sohn Dr. Benno Jaroslaw saß u.a. auch im Aufsichtsrat der Firmen AEG und Siemens. 1933 wurde die Firma „arisiert" und hieß fortan „Scherb & Schwer, vormals Jaroslaw“. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb auf die Rüstungsproduktion abgestimmt. Ca. 1.500 Arbeiter, darunter Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, waren dort bis Kriegsende beschäftigt.

Irma arbeitete als Zwangsarbeiterin bei Siemens & Halske im Wernerwerk in Siemensstadt. Sie erhielt 20 bis 23 RM monatlich.

Anfang Dezember 1942 wurde den Kaisers der Deportationsbefehl zugestellt.

Ihre Vermögenserklärungen unterschrieben sie am 7. Dezember 1942 im Sammellager der Großen Hamburger Straße 26. 

Die Gestapo deportierte Leo zusammen mit seiner Ehefrau Irma und seiner Mutter Rosa mit dem 24. Osttransport am 9. Dezember 1942 nach Auschwitz. Kurz nach der Ankunft in Auschwitz wurden sie voneinander getrennt. Vermutlich sah Leo seine Mutter hier zum letzten Mal. Da ihr Todestag nicht bekannt war, wurde „vor Ende des Krieges am 8. Mai 1945" statt eines Todesdatums angegeben.

Leo wurde in das Männerlager und Irma in das Frauenlager zum Arbeitseinsatz einquartiert. Wie lange sie dort überlebten, konnte nicht recherchiert werden. Da auch ihr Todesdatum nicht bekannt war, wurde „vor Ende des Krieges am 8. Mai 1945" statt eines Todesdatums angegeben.