Abraham A. Bukofzer

Location 
Trautenaustr. 18
District
Wilmersdorf
Stone was laid
29 April 2012
Born
23 February 1886 in Bromberg (Posen) / Bydgoszcz
Deportation
on 12 March 1943 to Auschwitz
Murdered
April 1943 in Auschwitz
Biography

Abraham Adolf Bukofzer wurde am 23. Februar 1886 in Bromberg (Bydgoszcz, Polen) geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Ludwig Louis Bukofzer (*1857) und Sophie Sara Ryfke Bukofzer geborene Silberblat (*1859), war er das dritte von insgesamt vier Kindern.

Isidor (*1883) war drei Jahre und Joseph (*1884) zwei Jahre älter als er. Am 13. Februar 1889 kam seine Schwester Henriette genannt Hennie zur Welt.

Über Abrahams Kindheit und Jugend konnte nichts recherchiert werden. Er wurde wie sein Vater Kaufmann von Beruf.

Abraham Bukofzer, der sich Adolf nannte, kannte seine spätere Ehefrau Anna geborener Silberblatt genannt Annie (*27.  September 1892) bereits aus Kindertagen, denn sie war seine Cousine, die mittlere Tochter seines Onkels Moritz Silberblatt aus Berlin. Vermutlich hatte ihn dieser nach dem Tod seines Vaters nach Berlin geholt, damit er ihn in seiner 1914 gegründeten Knopffabrik in der Alexandrinenstraße 95/96 in Berlin-Kreuzberg unterstützte.

Als Adolf 33 Jahre alt war, heiratete er am 15. Oktober 1919 die 27-jährige Annie Silberblatt in Berlin. Trauzeugen waren sein älterer Bruder Joseph und Annies Schwager Siegbert Bruck. Sie wohnten mit der Familie seines Onkels und gleichzeitig Schwiegervaters in der Oranienstraße 120 in Berlin-Kreuzberg. Am 27. September 1920 wurden Adolf und Annie Eltern ihrer Tochter Alice, die sie Liesel nannten. Aufgrund der geistigen Behinderung ihrer Tochter, die sie als Erbkrankheit aufgrund ihrer Verwandtenehe deuteten, bekamen sie keine weiteren Kinder. Wann sie Liesel in die Heil- und Pflegeanstalt in Wunstorf in der Nähe von Hannover gaben, ist unbekannt.

Moritz Silberblatt nahm Adolf Bukofzer und den Ehemann seiner jüngsten Tochter Elly, Carl Weil (*12. November 1891), als zwei gleichberechtigte Teilhaber in sein Unternehmen, eine offene Handelsgesellschaft, auf. Er selbst arbeitete weiterhin täglich in der Firma, bestellte die Rohmaterialien, nahm die Arbeitsverteilung vor und war zuständig für den Versand. Adolf Bukofzer und Carl Weil besuchten als Vertreter der Firma die Kundschaft in der Konfektion und im Export. 

Im Berliner Adressbuch 1934 bis 1937 war das Ehepaar Adolf Bukofzer in der Trautenaustraße 12 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Ganz in der Nähe, in der Trautenaustraße 17, wohnte die 52-jährige Bianka Fanny Ehrlich (*1881), die Adolfs Schwiegervater Moritz Silberblatt am 31. Oktober 1933 mit 69 Jahren in zweiter Ehe geheiratet hatte. Gemeinsam zogen die beiden am 1. Januar 1936 in die Trautenaustraße 18 in eine komfortable großzügige 6-Zimmer-Wohnung im 1. Stock. Seine Schwägerin Elly und Carl Weil wohnten in der Güntzelstraße 34. 

Trotz der zunehmenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten konnten sein Schwiegervater, sein Schwager und er die Knopffabrik bis April 1939 halten. Dann wurde auch dieser Betrieb Opfer der rassistischen „Arisierungspolitik“.
 
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Adolf und Annie bei Moritz Silberblatt in der Trautenaustraße 18 gemeldet. Moritz Ehefrau Bianka war zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon verstorben, denn sie wurde nicht registriert. Elly und Carl Weil gelang gerade noch rechtzeitig die Flucht nach New York, USA. Für Adolf und Annie kam eine Auswanderung vermutlich nicht in Frage, da sie ihre geistig behinderte Tochter Liesel nicht zurücklassen wollten. 

Im Zuge der nationalsozialistischen Euthanasie-Politik, die mehr als 9.000 psychisch Kranke und geistig Behinderte aus Nord- und Mitteldeutschland in der Tötungsanstalt in Brandenburg an der Havel ermordete, wurde auch Liesel dort hingebracht und am 27. September 1940 der hierfür konstruierten Gaskammer von Ärzten ermordet.

Adolfs Mutter war zusammen mit seinem ältesten Bruder Isidor und dessen Ehefrau sowie seinem verwitweten Bruder Joseph bei der „Minderheiten-Volkszählung“ in der Chodowieckistraße 42 (2. Aufgang III. Etage) in Berlin-Prenzlauer Berg gemeldet. Auch seine jüngste Schwester Hennie war mit ihrem Ehemann Arthur Hirschfeld (*1883) und ihren beiden Söhnen Ludwig und Werner (*1922) von Küstrin nach Berlin gekommen. Sie wohnten 1939 in der Regensburger Straße 28 in Berlin-Wilmersdorf und später in der Bozener Straße 10 in Berlin-Schöneberg. Ihren beiden Söhnen gelang die Flucht nach Australien.

1941 wurden der 55-jährige Adolf und die 49-jährige Annie zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Adolf arbeitete bei der Deutschen Lufthansa in Berlin-Tempelhof und Annie bei der Firma Pertrix GmbH in Niederschöneweide.

In der Trautenaustraße 18 mussten zwei weitere Untermieter aufgenommen werden. Adolf und Annie teilten sich ein Zimmer. Als erste der Familie wurden am 25. Januar 1942 seine Schwester Hennie und ihr Ehemann Arthur Hirschfeld in das Ghetto Riga deportiert. Hennie wurde später in das Konzentrationslage Stutthof gebracht, wo sie am 9. August 1944 starb. Arthur Hirschfeld war zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon tot.

 

Adolfs Schwiegervater Moritz Silberblatt holte die Gestapo Ende Juli 1942 ab und brachte ihn in das Sammellager Große Hamburger Straße 26. Am 10. August 1942 wurde er in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Drei Wochen später, am 31. August 1942, deportierte die Gestapo auch Adolfs Mutter Sophie Bukofzer dort hin. Am 26. September wurde sie in das Vernichtungslager Treblinka weiterdeportiert, wo sie ermordet wurde. 

Adolfs Bruder Joseph wurde als dekorierter und verwundeter Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges am 19. November 1942 ebenfalls in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Moritz Silberblatt überlebte das Ghetto Theresienstadt ein halbes Jahr. Er starb am 16. Februar 1943 aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto. 

Am 1. Dezember 1942 mussten Adolf und Annie aus der Trautenaustraße 18 ausziehen und zur Untermiete bei dem Hauptmieter Paul Swarensky und dessen Ehefrau Selma in die Landshuter Straße 4 (Gartenhaus Parterre) ziehen. Sein ältester Bruder Isidor und seine Ehefrau Mathilde Bukofzer geborene Kroner wurden am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Als Adolf und Annie einen Tag später, am Samstag, dem 27. Februar 1943, zur Arbeit gingen, wussten sie nicht, dass sie niemals wieder zurückkehren würden. Bei der sogenannten Fabrikaktion verhaftete die Gestapo sie am Arbeitsplatz und brachte sie in ein Sammellager, wo sie die Vermögenserklärung ausfüllen mussten. Schließlich wurden sie am 12. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. 

Adolf Bukofzer starb mit 57 Jahren aufgrund von Rassenwahn und Verschwörungstheorien.

Sein Bruder Joseph starb mit 59 Jahren am 23. März 1944 im Ghetto Theresienstadt. Nur die zwei Söhne der Schwester Hennie überlebten in Australien.

In der Oranienstr. 120 in Berlin-Kreuzberg, wo Adolf Bukofzer vor 1933 lange Zeit wohnte, wurde für ihn schon am 2. Mai 1996 ein Stolperstein verlegt.